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Namen, Flaggen, Wappen, Siegel, Hymnen

 

 


 Inhalt dieser Seite:  

 

 

 

 

A)  Die Namen der Saargegend und ihrer Bewohner

B)  Die Flaggen des Saarlandes

C)  Die Landeswappen des Saarlandes

D)  Die Siegel des Saarlandes von 1949 - 1956

E)  Saar-Lieder und Hymnen

 

 - Anhang zu B: Zeitgenössische Wimpel mit Saarflagge 

 - Anhang zu C: Moderne Aufkleber mit dem Wappen

 

 


 

 

A) Die Namen der Saargegend und ihrer Bewohner im Laufe der Geschichte

 

 

1) Namen des Landes   (> zum Teil 2: Bezeichnungen für die Bewohner)

 

Offizielle Bezeichnungen sind im folgenden Text fett und in brauner Farbe gesetzt, inoffizielle (volkstümliche) Namen in fett und schwarz.

 

Im Laufe seiner bewegten Geschichte trug das Land, in dem wir leben, viele verschiedene Namen und Bezeichnungen. Um diese zu erkunden, müssen wir tief in unsere Vergangenheit eintauchen. Mehr über die Saar-Geschichte finden Sie auf den Seiten Vorwort (im Abschnitt 2) und Geschichte des Landes an der Saar.


Im Jahre 999
wurde die Königsburg Castellum Sarabrucca in einer Schenkungsurkunde des Kaisers Otto III. erwähnt. Aus dieser Burg entwickelte sich die heutige Stadt Saarbrücken.

Im Spätmittelalter entstanden zahlreiche Landesherrschaften auf deutschem Gebiet. Eine von ihnen, nämlich die Grafschaft Nassau-Saarbrücken, lag vollständig im Bereich des heutigen Saarlandes, drei weitere jeweils zum Teil: die Herzogtümer Lothringen sowie Pfalz-Zweibrücken und das Kurfürstentum Trier. Die Wappen dieser vier Territorien sind noch heute im aktuellen Wappen des Saarlandes enthalten (siehe weiter unten, unter C, d).

 

Von 1682 bis 1697 war das Gebiet des heutigen Saarlandes unter Louis XIV ein Teil der französischen Province de la Sarre (Saarprovinz). Deren Hauptstadt wurde das ab 1680 erbaute Saarlouis. Zur Saarprovinz gehörten außerdem die Grafschaft Saarbrücken, der Saargau, das Herzogtum Zweibrücken und die beiden Vogteien Phalsbourg und Saarburg. Nach dem Frieden von Rijswijk musste Frankreich 1697 diese Gebiete wieder an das Reich zurückgeben.

 

Von 1798 bis 1813/15 war unter Napoleon das gesamte Land an der Saar als Folge der Revolution wiederum französisches Staatsgebiet. Der größere Teil gehörte zum Département de la Sarre, Ein kleineres Gebiet im Südwesten gehörte zum Département de la Moselle (mit Rehlingen und Saarlouis) und ein kleiner Teil im Südosten (Homburg und Umgebung) zum Département du Mont Tonnerre (Donnersberg-Departement).

 

Von 1815 bis 1914: Als Folge der Befreiungskriege wurde nach dem Wiener Kongress der größte Teil des Saardepartements der Rheinprovinz zugeschlagen, die zu Preußen gehörte, ein kleinerer Teil (der etwa dem heutigen Saarpfalz-Kreis entspricht) kam zur Rheinpfalz, die wiederum ein Teil von Bayern war. Das Gebiet um Nohfelden und Birkenfeld gehörte damals zum Großherzogtum Oldenburg und ein weiterer kleiner Teil zu Sachsen-Coburg-Saalfeld.

 

In dieser Epoche der Industrialisierung der Saar wird unsere Gegend in der Literatur (inoffiziell) auch oft als Saarregion oder Saarrevier bezeichnet. Man verwendete in dieser Zeitspanne gelegentlich auch den Namen Saargegend, z.B. als sich im Jahr 1881 der "Historisch-antiquarische Verein für die Städte Saarbrücken und St. Johann und deren Umgebung" in "Historischer Verein für die Saargegend" umbenannte. In einem Schreiben des Consum- Betriebs L. Gottlieb von 1898 heißt es, er habe "60 Zweiggeschäfte in Elsass-Lothringen, Moselgebiet, Saargegend und Luxemburg". Diese vor dem Ersten Weltkrieg verwendeten Begriffe (Saarregion, Saarrevier, Saargegend, nachmal auch schon Saargebiet) hatten nichts mit politischen Grenzen zu tun. Sie bezeichneten lediglich die Gegend an der Saar. Für diese wurde häufig auch der Begriff Die Saarlande verwendet.

 

Manchmal liest oder hört man den etwas abschätzigen Ausdruck Saarabien. Er tauchte erstmals auf, als der evangelische Theologe und liberale Politiker Friedrich Naumann dem Freiherrn Carl Ferdinand von Stumm-Halberg wegen dessen Reichtums und Auftretens den Beinamen "Scheich von Saarabien" gab.

   

 

 

Die offiziellen Namen des Landes an der Saar

im Überblick:                          

 

1682 - 1697   Teil der Province de la Sarre (frz.)

1798 - 1813   Teil dreier französ. Départements 

1815 - 1914   Teil von Preußen u. Bayern

1919 - 1920   Saarbecken, Saarbeckengebiet

1920 - 1935   Saargebiet (Völkerbundverwaltung)

1935 - 1940   Saarland als Teil des 3. Reiches

1940 - 1945   Teil des Gau Saarpfalz im 3. Reich

1947 - 1956   Saarland (teilautonom)

seit 1.1.1957  Bundesland Saarland (Land der

                     Bundesrepublik Deutschland)

 

 

Original-Fahne des autonomen Saarlandes

von 1948-56:

 

 

Diese Fahne gehörte Gerd Schulthess. (Foto: R. Freyer)

 

Im Abschnitt B weiter unten erfahren Sie

Näheres über alle Saar-Fahnen, die es je gab.

Der später (von 1920 - 1935) offiziell gebrauchte Begriff Saargebiet (siehe im folgenden Absatz) wurde auch schon zu Ende des 19. Jahrhunderts gelegentlich verwendet. Auf der Titelseite der Saarbrücker Zeitung konnte man z.B. im Jahrgang 1893 unter der Namensbezeichnung des Blattes lesen: "Tageblatt für Saarbrücken, St. Johann und das Saargebiet" (siehe Zeitungsausschnitt von 1893 im Bild links).

 

Nach dem 1. Weltkrieg wurden für unser Land zum ersten Mal in seiner Geschichte Grenzen festgelegt. Der Versailler Vertrag von 1919 definierte es erstmals als ein abgeschlossenes Land und verfügte gleichzeitig seine Abtrennung von Deutschland für die nächsten fünfzehn Jahre (1920 bis 1935). Im französischen Vertragstext von 1919 wurde das neu gebildete Land als Territoire du Bassin de la Sarre bezeichnet und in der deutschen Version als Saarbeckengebiet, an einigen Stellen des Vertrages als Saarbecken abgekürzt. Auch die Kurzform Saargebiet findet sich in dem Vertrag. Sie setzte sich bald als offizieller Name durch.

 

Die Regierung wurde einer Kommission anvertraut, die dem Völkerbund unterstand. Deshalb hört man für diesen Zeitabschnitt häufig den volkstümlichen Ausdruck Völkerbundszeit. Das Saargebiet war politisch und wirtschaftlich nun von Frankreich abhängig. Bei den Übergabeverhandlungen über die Gruben im Juli und August 1919 sprachen der französische Verhandlungsführer Defline und Konsul Mudra von der deutschen Delegation mehrfach vom Saarstaat. Um die Besitzrechte der preußischen Beamten gegenüber der neuen französischen Grubenverwaltung geltend zu machen, bildete sich ein "Bund staatlicher Bergbeamten im Saarstaat". Die Bezeichnung Saarstaat wurde aber von vielen Stellen abgelehnt, weil er auf eine Eigenständigkeit des Saargebiets vom Deutschen Reich abzielte. [1]

 

Am 1. März 1935 wurde das Land nach der Volksabstimmung vom 13. Januar an das Deutsche Reich Hitlers angeschlossen. Es wurde aber nicht an die Länder Preußen und Bayern zurückgegeben, sondern als selbstständige Verwaltungseinheit erhalten [2]. In dem "Gesetz über die vorläufige Verwaltung des Saarlandes" vom 30. Januar 1935 wurde erstmals die Bezeichnung Saarland offiziell eingeführt [3]. 1940 erfolgte die Vereinigung mit der Pfalz zum Gau Saar-Pfalz der NSDAP. Später plante man, das Saarland, die Pfalz und das vom Deutschen Reich besetzte Moseldepartement zu einem Gau Westmark mit Verwaltungssitz in Saarbrücken zusammenzulegen. Vorbereitungen dazu wurden getroffen, aber der förmliche Zusammenschluss kam wegen des Kriegsausbruchs nicht mehr zustande.

 

Kurz nach dem 2. Weltkieg gehörte das Land an der Saar für wenige Monate zur amerikanischen, danach zur französischen Besatzungszone. In dieser Zeit (von März 1945 bis 1947) verwendete man meist den Namen Saarland weiter, obwohl auch häufig der alte Name Saargebiet wieder gebraucht wurde. In der am 8. November 1947 verabschiedeten Verfassung wurde der Name Saarland offiziell festgelegt. In der neu gegründeten Bundesrepublik wurde diese "amtliche" Bezeichnung für unser Land damals jedoch meist gemieden: Presseorgane und Politiker, aber auch die meisten Menschen auf der Straße verwendeten in der BRD fast ausschließlich den früheren Ausdruck Saargebiet, um zu demonstrieren, dass man die Autonomie des Saarlandes und damit seine Abtrennung von Deutschland nicht anerkennen wollte.

 

Da die Auslandsvertretung und die Landesverteidigung des Saarlandes von 1946 bis1955 der französischen Republik oblagen, war es dadurch faktisch ein französisches Protektorat. Wahrscheinlich deswegen wurde es einige Jahre lang in Wikipedia mit dem Ausdruck Saarprotektorat bezeichnet [4]. Dieser Begriff ist aber während der Saarstaatzeit und auch später so gut wie nie verwendet worden.

 

Saarstaat: Heute wird für diesen Zeitabschnitt gerne der Ausdruck "Saarstaat" gebraucht. Er ist zum Beispiel Titel eines Bildbandes des Landesarchivs Saarbrücken von 2005 [5]. Er wurde aber in den 40er/50er Jahren selten und - soweit uns bekannt - nie offiziell gebraucht (siehe auch oben im zweiten Absatz des Abschnitts "Nach dem 1. Weltkrieg").

 

Weitere "volkstümliche" Namen für diesen Zeitabschnitt der Saargeschichte:

 

JoHo-Zeit  oder   Hoffmann-Ära (nach dem Ministerpräsidenten Johannes Hoffmann)

 

Frankenzeit  (nach der Geldwährung in dieser Zeit)

 

Saarokko:  In der Abstimmungspropaganda zur Volksbefragung 1955 tauchte der Ausdruck Saarokko auf - siehe z.B. den fünften Beleg auf unserer Seite Verse im Abstimmungskampf (er ist in unserem Kapitel STATUT). Damit sollte wohl auf Marokko und dessen französischen Kolonialstatus hingewiesen werden, der bei einer Zustimmung der Bevölkerung zum Saarstatut angeblich auch auf das Saarland zukommen würde.

 

Seit dem 1. Januar 1957 heißt unser Land offiziell (Bundesland) Saarland.

 

Von 2009 bis 2011 wurde der Name Saarmaika oft scherzhaft für das Saarland verwendet. Er war aus der Zusammensetzung der Worte "Saar" und "Jamaika" gebildet. Damit wurde auf den Inselstaat in der Karibik angespielt, dessen Flagge die Farben Schwarz, Gelb und Grün beinhaltet. Diese entsprechen den Farben der drei Parteien, die von November 2009 bis Januar 2011 im Saarland eine so genannte Jamaika-Koalition bildeten und die Regierung stellten: CDU, FDP und Grüne.  Die Abbildung zeigt die Flagge des Inselstaats Jamaika.

 

Zu allen Zeiten wurde und wird unser Land auch einfach als "das Land an der Saar" oder ganz kurz als "die Saar" bezeichnet.

 

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Fußnoten:

 

[1] Siehe Frank G. Becker, Dissertation "Deutsch die Saar immerdar!" Die Saarpropaganda des Bundes der Saarvereine 1919-1935. Saarbrücken, 2004. Im Internet: http://scidok.sulb.uni-saarland.de/volltexte/.../Deutsch_die_Saar_immerdar.pdf (Link bitte kopieren und in die Adresszeile Ihres Browsers eingeben; zuletzt aufgerufen am 2.10.2013), Seite 180.

[2] Verfassung des Saarlandes. Kommentar herausgegeben von den Mitgliedern des Verfassungsgerichtshofs d. Saarlandes. Saarbrücken 2009. Seite 15: http://www.verfassungsgerichtshof-saarland.de/Kommentar%20SVerf%20%28Endfassung%2022-06-09%29.pdf (zuletzt aufgerufen am 2.10.2013)

[3] Das Gesetz wurde im RGBl. I 1935 auf S. 66 veröffentlicht. Es heißt dort u.a.: "An der Spitze der Verwaltung des Saarlandes steht bis zur Eingliederung in einen Reichsgau der Reichskommissar für die Rückgliederung des Saarlandes mit dem Amtssitz in Saarbrücken." Der vollständige Wortlaut des Gesetzes ist nachzulesen unter: http://www.documentarchiv.de/ns/1935/saarland_verw_ges.html  -  (zuletzt aufgerufen am 2.10.2013)

[4] Gemäß der Definition des Begriffes ist es zutreffend, dass das Saarland damals unter dem Protektorat Frankreichs stand. Der Ausdruck "Saarprotektorat" wurde aber damals wahrscheinlich nie gebraucht. Eine Zeitlang (2011-12) wurde er in Wikipedia verwendet (daraufhin auch in verschiedenen anderen, meist privaten Internetauftritten), aber man hat ihn sinnvollerweise inzwischen ausgetauscht gegen "Saarland 1947 - 1956". Der Ausdruck Saarprotektorat wurde lediglich einmal in Anführungszeichen für kurze Zeit auf der Website des Bundesrates verwendet, allerdings auch nicht als Name für das Land: "Als 'Saarprotektorat' bildete es ab 1947 eine autonome Region." (die entsprechende Seite http://www.bundesrat.de/nn_6898/DE/struktur/laender/sl/sl-node.htm  ist aber seit 2014 nicht mehr erreichbar).

[5] Burgard, Paul. Linsmayer, Ludwig: Der Saarstaat / L'État Sarrois (Kommentierter Bildband über das Leben im Saarland). Reihe echolot, Historische Beiträge des Landesarchivs Saarbrücken, Band 2. Saarbrücken 2005.

 

 

2) Und wie nennt man die Bewohner des Landes?

 

Saarländer  ist die heute allgemein übliche Bezeichnung für die Bewohner unseres Landes. Zu der Zeit, als der Landesname offiziell noch "Saargebiet" lautete, leitete man hiervon zur Benennung der Einwohner den Begriff Saargebietler ab. In verschiedenen Personalausweisen und Reisepässen von damals (siehe rechts und hier) wurden auch folgende Bezeichnungen verwendet: Saargebietsbewohner, Saareinwohner und interessanterweise auch damals schon Saarländer (obwohl der Name 'Saarland' erst 1935 offiziell eingeführt wurde (siehe oben unter "Am 1. März 1935").

 

 

 

Saarfranzosen:  Dieser Ausdruck diente früher zur Diffamierung derjeniger Bewohner unseres Landes, die die Abtrennung von Deutschland befürworteten und eine enge Bindung an Frankreich wünschten. Man warf ihnen damit ihre allzu frankophile oder gar separatistische Haltung vor. Der Name wurde häufig auch in der Saarstaatzeit (1947 - 1956) gebraucht, stammt aber schon aus der Völkerbundszeit (1920 bis 1935). Wenn man ihn heute gelegentlich noch verwendet, meint damit manchmal etwas kritisch, aber meist freundschaftlich, einen sehr frankophilen Saarländer, der die Sprache unserer Nachbarn mehr oder weniger gut beherrscht und gerne ins Nachbarland fährt oder Besucher von dort empfängt. Solche Zeitgenossen gibt es hier ja zuhauf, und deshalb nennt man das Saarland auch oft das "französischste aller Bundesländer".

 

Muffländer (oder auch MUF-Länder): Zur Herkunft dieser seltsamen Bezeichnung für die Saarländer gibt es verschiedene Erklärungs- versuche. Ziemlich abwegig ist allerdings derjenige, nach dem sich der Name vom Eigenschaftswort "muffig" ableiten soll. Muffig sind die Saarländer nämlich gewiss nicht (es soll allerdings einige wenige Ausnahmen geben). Auch mit "Muffe haben" dürfte er nicht zusammen- hängen, denn Angsthasen sind die Menschen an der Saar gewöhnlich nicht. Wahrscheinlich zutreffend ist dagegen die folgende Erläuterung (danke an Siegfried Hoffmann, St. Wendel, für seine Hinweise!):

 

Der seltsame Name ist aus der Abkürzung "MUF" für Militär-Urlaubs-Fahrschein entstanden. Dazu kam es wie folgt: In der BRD wurde 1955 die Bundeswehr ins Leben gerufen. Im gleichen Jahr wurden dort die ersten Soldaten vereidigt, jedoch vorläufig ausschließlich als Freiwillige, bis 1956 die allgemeine Wehrpflicht eingeführt wurde. Diese griff aber im Saarland vorerst nicht, weil dieses ja aufgrund seines Sonderstatus nach wie vor (auch nach der Volksbefragung am 23. Oktober 1955) politisch und wirtschaftlich von der BRD isoliert war.

 

Auch kurz nach der politischen Angliederung an die BRD am 1. Januar 1957 wurde vorläufig kein Saarländer wehrpflichtig. Niemand bekam hier einen Musterungsbescheid und auch keinen Einberufungsbefehl. Allerdings konnte man sich als Saarländer freiwillig zum Bund melden. Und davon machten überraschend viele junge Männer Gebrauch. Die Konditionen für Freiwillige waren für damalige Zeiten erstaunlich attraktiv, und viele junge Saarländer waren offensichtlich gar nicht so pazifistisch und antimilitärisch eingestellt, wie man hätte annehmen können.

 

Wenn diese "freiwilligen" Soldaten in Urlaub fahren wollten, standen ihnen, wie allen Wehrpflichtigen, Freifahrtscheine zu. Diese waren jedoch nur gültig auf dem Streckennetz der Deutschen Bundesbahn. Die Eisenbahnen des Saarlandes (EdS) erkannten sie nicht ohne Weiteres an. Sie verlangten eine besondere Kennzeichnung auf den Fahrscheinen der Soldaten: den Militär-Urlaubs-Fahrschein- oder kurz MUF-Stempel. Dann konnten diese auch die letzten Kilometer ihrer oft weiten Heimreise ohne Zusatzkosten hinter sich bringen. Wenn bundesdeutsche Soldaten-Kollegen einen solchen Stempel auf einer Fahrkarte entdeckten, stichelten sie gerne: „Schau mal, einer aus dem MUF-Land", oder "ein Muffländer“ oder auch abgekürzt "Mufti". Später wurden diese Ausdrücke gelegentlich auch für die Saarländer allgemein verwendet.

 

Zusatz-Erläuterung zur Wehrpflicht im Saarland:  Für wehrtaugliche junge männliche Saarländer wurde die allgemeine Wehrpflicht erst am Tag X eingeführt, also am 6. Juli 1959, als die Zollgrenzen zur BRD aufgingen und die französische Währung an der Saar durch die D-Mark abgelöst wurde. Ausgenommen waren nur die sogenannten "Weißen Jahrgänge": Wer vor 1939 geboren war und sich nicht freiwillig meldete, musste nicht "zum Bund". Der erste Musterungsjahrgang bestand aus den im Jahr 1939 Geborenen. Sie erhielten nach dem Tag X fast umgehend die ersten Einberufungsbescheide und mussten einrücken.

 

Übrigens soll die Abkürzung "MUF" in der oben beschriebenen Bedeutung sogar bereits viel früher verwendet worden sein, nämlich schon "zu Kaisers Zeiten", also vor und im Ersten Weltkrieg. Damals seien Soldaten aus der Saargegend auch in deutschen Kasernen wie z. B. auf Ehrenbreitstein (Koblenz) untergebracht worden. Wenn sie von dort nach Hause zurückfahren wollten, benötigten sie schon damals einen "MUF" [2]. Die Rhein-Zeitung Koblenz schrieb vor einigen Jahren als Antwort auf eine entsprechende Leseranfrage, dass die Abkürzung MUF zwischen 1920 und 1935 beim preußischen Militär für "Militär-Urlauber-Fahrkarte" gebraucht wurde. Man habe damals den Saarbewohnern, die zwar nicht zum Reich gehörten, aber in der deutschen Armee dienten, mit dieser Karte die Heimfahrt spendiert [3]. In einem Internetforum "für Militärfahrzeuge, Biwak und Outdoortechnik usw." schrieb vor einiger Zeit ein Teilnehmer:

"Muffländer stammt von MUFF (Militärischen-urlaubsfreifahrtsschein [sic]). Die Saargegend war während des gesamten Ersten Weltkriegs Durchmarschregion mit einer Vielzahl von Lazaretten. Wer aus diesem Bereich von der Front kam, hatte den genannten Berechtigungsschein." [4]

 

Es wäre interessant, wenn jemand Belege darüber oder gar einen echten MUF als Original oder in Kopie vorlegen könnte! >Kontakt

 

Saarokkaner: Ableitung von "Saarokko" (siehe weiter oben, am Ende des Abschnitts 1).

 

Homo saraviensis (zu Deutsch etwa "Saarmensch"): scherzhafte latinisierte Bezeichnung für den Saarländer, wohl in Abwandlung des Ausdrucks "Homo sapiens". Offensichtlich verwendet man diesen Namen gerne im Zusammenhang mit der altbekannten Eigenschaft des Saarländers, immer jemanden zu kennen, der ihm helfen kann (oder wenigstens einen, der einen kennt, der ... usw.). Wer ihn wann geprägt hat, ist nicht bekannt. Prof. Dr. Gerhard Schmidt-Henkel verwendete ihn z.B. 1996 in seinem Grußwort zu Gerhard Bungerts Buch "Die Heiligen Kühe der Saarländer". Er meinte, das Buch sei "ein fröhliches Psychogramm des Homo saraviensis" und stellt fest, dass dieser z.B. keinen Klempner brauche, wenn sein Wasserhahn tropfe. "Und wenn er es nicht selber macht, dann kennt er jemanden, der es ihm macht" [5].

 

Ein anderes Beispiel für die Verwendung dieses Begriffes gab es 2002 in dem Amtsenthebungs-Prozess gegen den damaligen Oberbürgermeister von Saarbrücken, Hajo Hoffmann. Dessen Anwalt plädierte auf Freispruch, weil die Verhandlungen keine Beweise erbracht hätten, sondern allenfalls "Hinweise auf kauzige Menschen, die sich gern gegenseitig helfen". In diesem Zusammenhang gebrauchte er ebenfalls den Namen "Homo saraviensis" für diese besondere Art von Zeitgenossen [6].

 

Für diesen Namen wurde das latinisierte Adjektiv "saraviensis" wahrscheinlich dem Begriff "Universitas saraviensis" entnommen. Er ist u.a. Bestandteil des Siegels mit der Eule, das erstmals 1951 auf dem Vorlesungsverzeichnis der Saar-Uni erschien (siehe Bild rechts). Die "Arbeitsstelle für Latein der Neuzeit" hat aber 2001 herausgefunden, dass dieser Begriff sprachlich nicht korrekt ist. Eine Länderangabe mit der Endung -ensis bezeichne im Lateinischen nicht einen Menschen, der in diesem Land geboren sei, sondern jemanden, der dort tätig, aber nicht dort geboren ist. Da im 4. Jahrhundert n.Chr. unser Saar-Fluss bereits als "Sarávus" erwähnt wurde, könne man "Saarland" auf Latein mit "Sarávia" übersetzen. Das dazu gehörige Adjektiv laute "saravicus" ("saarländisch"); deswegen empfehlen sie als korrektere Bezeichnung für unsere Hochschule "Universitas saravica". Und einen im Saarland Geborenen müsse man "Saravianus", oder "Homo saravianus" nennen, und nicht "saraviensis" [7]. Diese Wortschöpfungen konnten sich aber offensichtlich nicht durchsetzen.

(Mehr über die Saar-Uni lesen Sie demnächst in unserem in Vorbereitung befindlichen Kapitel "Universität".)

 

 

3) Französische Bezeichnungen für Land und Leute an der Saar:

 

Unser Hauptfluss und unser Land wurden und werden im Französischen gewöhnlich als La Sarre bezeichnet. Manchmal wird der Begriff "Saarland" auch wörtlich übersetzt als Pays de la Sarre. Die früheren Namen "Saarbeckengebiet" und "Saargebiet" heißen in der Sprache unserer Nachbarn Territoire du Bassin de la Sarre, und den Begriff "teilautonomer Saarstaat" kann man mit Etat Sarrois en partie autonome übersetzen, "Teilautonomie" heißt autonomie partielle.

 

Die Bewohner unseres Landes werden im Französischen als les Sarrois bezeichnet (Einzahl un Sarrois und une Sarroise).

 

Eine kleine Kuriosität am Rande: Bis zum heutigen Tag scheinen manche Franzosen der Ansicht zu sein, das Saarland sei nach dem 2. Weltkrieg eine "französische Kolonie" gewesen. Dies zeigen verschiedene aktuelle Angebote französischer Nutzer von ebay, welche philatelistische oder numismatische Belege (Briefmarken, Briefe oder Münzen) aus dem Saarland versteigern oder verkaufen wollen. Manche bezeichnen dabei unser Land in der Zeit nach 1947 als "Colonie Française". Zum Beispiel wurde am 14. Dezember 2011 in ebay.fr (France) bei 9 Artikeln von drei verschiedenen Anbietern diese falsche Länderbezeichnung verwendet. Die Abblildung rechts ist ein Muster dafür. - Das Saarland war nie eine Kolonie; es ist aber möglich, dass der eine oder andere französische Politiker es nach dem 2. Weltkrieg möglicherweise gerne zu einer solchen gemacht hätte. Offen ausgesprochen wurde dies unseres Wissens damals aber nicht.

 

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Fußnoten zu 2):

 

[1] Vgl. Gerhard Bungert in www.Saarland-Lexikon.de unter Sprache und Sprüche, Saarland-Wörterbuch, Stichwort Muffländer. (Anm.: Das Saarland-Lexikon ist seit einigen Jahren leider nicht mehr online.)

[2] Mitteilung von Wolfgang Linnenberger am 14.09.2011. Er erinnert sich sehr gut daran, dass sein Großvater (er starb 1956) ihm zu Lebzeiten häufig davon erzählt hat.

[3] Rhein-Zeitung, Koblenz. Antwort auf eine Leserfrage: "Warum nennt man die Saarländer auch Muffländer?"

[4] www.multi-board.com (Forum für Militärfahrzeuge, Biwak & Outdoortechnik, Polo GTI, und Mopeds), Posting von "SpPz Tobi"Ende 2011

[5] Gerhard Bungert. Die heiligen Kühe der Saarländer. Lehnert Verlag. Saarbrücken, 1996, Seite 6.

[6] Siehe: Der Spiegel, Nr.20/2002 vom 13. Mai 2002, S. 58. Der Artikel ist hier zu lesen: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-22539442.html  (zuletzt aufgerufen am 3.10.2016).

[7] Der Artikel ist für sprachlich Interessierte sehr aufschlussreich. Er erschien in der Universitätszeitschrift campus - Ausgabe 3, Juni 2001 und ist hier nachzulesen: http://www.uni-saarland.de/verwalt/presse/campus/2001/3/31-Universitas.html (zuletzt aufgerufen am 3.10.2016).

 

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Literatur und Links zu Abschnitt A):

 

Klaus Altmeyer. Drei Jahre Militärregierung im Saarland (1945-1947). Der Weg zum wirtschaftlichen Anschluss. In: Zeitschrift für die Geschichte der Saargegend. Historischer Verein für die Saargegend e.V. 50./51. Jahrgang 2002/2003.

 

http://www.saarland.de/geschichte.htm      http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_des_Saarlandes   •

http://www.persee.fr/web/revues/home/prescript/article/rhef_0300-9505_1925_num_11_51_2353_t1_0245_0000_2 (Seite 248)

 


 

 

B) Die Flaggen des Landes an der Saar

 

 

a) Von 1920 bis 1935 (Saargebiet unter Völkerbund-Verwaltung)

 

In der Völkerbundszeit war die Flagge des Saargebiets eine Trikolore, bestehend aus drei gleich großen Streifen in den Farben Blau - Weiß - Schwarz. Damit sollte an die Fahnen der beiden ehemaligen deutschen Staaten Bayern (weiß-blau) und Preußen (schwarz-weiß) erinnert werden, zu denen jeweils ein Teil des Saargebiets bis 1919 gehört hatte. Das Seitenverhältnis der Fahne war 2:3.

 

b) Während der Zugehörigkeit der Saar zum 3. Reich (1935 bis 1945)

 

gab es keine eigene Saarflagge und auch kein Saar-Wappen. Spätestens ab 1. März 1935 wurden die Fahnen des Deutschen Reiches auch im Land an der Saar gehisst.

 

 

c) Während der Besatzungszeit (1945 bis 1947)

 

wurden an der Saar wie in den übrigen deutschen Landen nur die Flaggen der Besatzungsmächte gehisst. Zunächst also die US-amerikanische und ab Juli 1948 die französische. In einer Bekanntmachung vom 4. August 1945 teilte Regierungspräsident Dr. Neureuter mit: "Bei feierlichen Anlässen der alliierten Besatzungsmächte wie Truppenparaden oder offiziellen Kundgebungen und ähnlichen Veranstaltungen, bei denen die Truppe ins Gewehr tritt, ist jedermann verpflichtet, der Generalität bei ihrer Ankunft durch Abnahme der Kopfbedeckung und durch respektvolle Haltung Ehrenbezeugung zu erweisen. Der Wagen der Generalität ist erkenntlich an der vorne befindlichen, mit Sternen versehenen dreifarbigen Kommandoflagge. Die gleiche Ehrenbezeugung ist den Fahnen der Alliierten beim Hissen und Einziehen zu erweisen." (Amtsblatt des Regierungspräsidiums Saar Nr. 3/1945, Seite 5.)

 

d) Die Saar-Flagge zur Zeit der Autonomie (1948 - 1956)

 

 

 

 

Die Schwarz/Weiß-Zeichnung links und der Text (oben) sind dem

Amtsblatt des Saarlandes Nr 49/1948, Seite 726, entnommen. 

 

                 

 

(Originalzeichnung aus dem Amtsblatt)        

 

In der 9. Sitzung der Verfassungskommission am 7. Juli 1947 unterbreitete Johannes Hoffmann den Vorschlag der CVP, dass die Landesfahne aus einem "weißen Kreuz auf blau-rotem Grund" bestehen sollte. Diese Vorgabe wurde in die Verfassung aufgenommen (Artikel 61). Im Gesetz über die Flagge des Saarlandes vom 16. Juni 1948, das sich auf diesen Artikel bezieht, werden Farben, Dimensionen und Anordnung der Felder beschrieben (siehe rechts). So wurde in der Fahne das christliche Symbol des Kreuzes mit den drei Farben Blau-Weiß-Rot der französischen Trikolore kombiniert. Durch die Wahl dieser Farben sollte die Bindung des Landes an Frankreich symbolisiert werden. Die Idee für die Gestaltung der Fahne soll Johannes Hoffmanns Ehefrau Frieda gehabt haben.

 

Das Seitenverhältnis der Flagge ist 2:3, oder genauer: (2+1+2) : (2,5+1+4). Die Kreuzform wird in der Flaggenkunde "skandinavisches Kreuz" genannt. Seine beiden Balken sind jeweils halb so breit wie die Schmalseite eines der Farbfelder. Wenn die Fahne als Hissflagge aufgehängt wurde (also waagerecht), wurden die blauen Felder dem Mast zugewendet, bei Anordnung als Bannerflagge (senkrecht), befanden sie sich oben.

 

 

Bild rechts: Ausschnitt aus der saarländischen Illustrierten Zeit im Bild vom Dezember 1947.

(Anm. zum Text: Die Alleestraße heißt heute Franz-Josef-Röder-Straße. Die Wahl Hoffmanns zum Ministerpräsidenten erfolgte am 21. Dezember 1947; siehe unsere Seite Johannes Hoffmann am Ende von Abschnitt C).

 

 

 

Diese drei Wimpel aus den 50er-Jahren mit der Saarflagge sehen Sie

im Anhang ganz unten auf dieser Seite in voller Größe:

 

   

 

 

Anhang zu d): Möglicher "Vorläufer" der Saarstaat-Flagge (1946/47) 

 

Schon in der am 8. November 1947 verabschiedeten Verfassung wird in Artikel 61 verfügt, dass die Fahne des Landes "aus einem weißen Kreuz auf blau-rotem Grund" besteht. Die beiden hier gezeigten Flaggen entsprechen bereits dieser Bestimmung und können deshalb als mögliche frühe Vor-Versionen der Fahne angesehen werden, die sich allerdings in Dimension und Anordnung der Farbfelder von der endgültigen Fahne unterscheiden.

 

Eine mögliche "Vorläuferversion" ist auf der Internet-Seite Flags of the World (FOTW) abgebildet (Abb. rechts). Im Unterschied zur endgültigen Flagge sind aber hier die Balken des weißen Kreuzes im Verhältnis zu den Farbfeldern etwas breiter als dort, und alle vier Farbfelder sind untereinander gleich groß. Pascal Vagnat vermutet auf FOTW, dass dies die Flagge des Mouvement pour le rattachement de la Sarre war (MRS; Näheres darüber auf unserer Seite Parteien), und da viele Saar-Politiker nach dem Krieg Mitglieder des MRS waren, habe man sie später als Emblem für das autonome Saarland übernommen. Andere Mitarbeiter an der FOTW-Seite meinen jedoch, dass die Existenz einer solchen "Vorläufer-Flagge" zweifelhaft" sei.

 

 

  

 

      Etwa so soll die vermutliche       MRS-Fahne gemäß FOTW       ausgesehen haben.

     (Bild von Santiago Dotor)

Titelseite der Zeitschrift  

Die zweite Version eines "Vorläufers" wurde in der französischen Zeitschrift Images du Monde, Ausgabe vom 30. September 1947, abgebildet, und zwar in einem Artikel über das Saarland und seine wirtschaftliche Attraktivität für Frankreich, der auch zahlreiche Fotos aus unserem Land enthält. Hier sind allerdings die Balken des weißen Kreuzes im Verhältnis zu den Farbfeldern noch breiter als in der FOTW-Version, und die Farben der vier Felder sind anders verteilt: Die beiden oberen Felder sind hier blau, die unteren rot. (Wenn man das Ganze um 90° nach links dreht, stimmt die Anordnung der Farben wieder mit der FOTW-Version überein, aber die Geometrie der Felder ist anders).

 

Da die Abbildung im September 1947, also gut zwei Monate nach JoHos Vorschlag in der Verfassungskommission, in einem als seriös erscheinenden Artikel abgedruckt und mit "neue Fahne eines neuen Landes" bezeichnet wurde, kann man davon ausgehen, dass es sich hierbei tatsächlich um eine Art Vorläufer der offiziellen Flagge handeln könnte.

 

  

 

      Übersetzung:

     "Eine neue Fahne, ein neues

      Land im Herzen Europas"

 

 

 

Auf Seite 3 der Zeitschrift Images du Monde vom 30.9.1947 wird mit der Abbildung "nouveau drapeau" (neue Fahne) und dem Foto auf den Artikel über das Saarland hingewiesen.

 

Übersetzung des Textes im roten Pfeil unter dem Foto: "Zweihundertmal kleiner als Frankreich, ungeheuer reich...". Bildunterschrift:  "Aus einem Wald von Schornsteinen steigt der Rauch. Ein Drittel unserer (also der französischen) Stahlproduktion wird in dieser Region hergestellt."

 

Frage an unsere Leser: Weiß jemand mehr über diesen Vorläufer der Saarflagge? Kennt jemand andere Abbildungen davon?

 

 

 

e)  Die Saarland-Flagge seit 1957 (Bundesland Saarland)

 

 

Seit dem 1. Januar 1957 besteht die Fahne des Bundeslandes Saarland aus drei gleich breiten Querstreifen in den Farben Schwarz-Rot-Gold der Bundesflagge. Sie trägt in der Mitte das Saarlandwappen, das mittig auf dem roten Streifen steht und oben in den schwarzen, unten in den goldenen Streifen übergreift. Das Seitenverhältnis der Flagge ist 3:5.

 

 

Bei der Hissflagge (waagerecht) ist die Seite des Wappens mit dem silbernen Löwen auf blauem Grund dem Mast zugewendet. Wenn die Flagge als Bannerfahne aufgehängt wird, stehen die Farbstreifen senkrecht, und das Wappen steht aufrecht, die Seite des Wappens mit dem silbernen Löwen auf blauem Grund zeigt dann zu dem schwarzen Feld.

 

 

(Näheres zu dem in der Fahne abgebildeten Wappen siehe unten unter C,d)

 

Die Einzelheiten der Landesfahne werden beschrieben im Gesetz Nr. 508 vom 9. Juli 1956, veröffentlicht im Amtsblatt des Saarlandes Nr. 95 vom 10.9.1956, Seite 1213 und 1215.

 

Zu der Frage, welche Flaggen und Wappen man heute als Bürger verwenden darf, siehe weiter unten, am Ende von Abschnitt C).

 


 

 

 

C) Die Landeswappen des Saarlandes

 

 

Hinweis: In der Heraldik (Wappenkunde) beziehen sich bei der Beschreibung eines Wappens die Seitenangaben "rechts" und "links" nicht auf die Sicht eines Betrachters von vorne, sondern auf diejenige eines gedachten Schildträgers, der das Wappen wie einen Schild vor seinem Körper hält.

 

 

  a)  von 1920 bis 1935

 

 

 

Das Wappen des Saargebiets unter Völkerbundverwaltung

 

Das Wappen bestand aus einem Geviert, das rechts oben ein silbernes Zugrad mit zwei gekreuzten Schlägeln im schwarzen Feld enthielt, links oben eine rote Rose im silbernen Feld, rechts unten eine aufgehende goldene Sonne über blauen Wolken im silbernen Feld und links unten einen silbernen Löwen mit vier Kreuzen im blauen Feld. Es galt bis zum 28. Februar 1935.

(Nach der Verordnung Nr. 113, betreffend das Wappen des Saargebiets vom 28. Juli 1920, veröffentlicht im Amtsblatt der Regierungs-Kommission, S. 43).  

 

Abbildung: Pierre Audité; lizenziert gemäß http://creativecommons.org/licenses /by-sa/3.0/deed.de

 

 

 

 

 

b)  von 1946 bis 1948

 

 

 

Wappen als Übergangslösung von 1946 bis zum 13.12.1948*)

 

Nachdem das Saargebiet aus der übrigen französischen Besatzungszone ausgegliedert worden war, wurde (für nur zwei Jahre) ein neues Landeswappen eingeführt. Es bestand aus dem kleinen Saarbrücker Stadtwappen (sog. "Siegelwappen", gültig von 1911 bis 1973) in leicht abgewandelter Form: Das Siegelwappen war noch von einem schwarz und silber gestückten Schildrand umgeben, der beim Landeswappen entfiel. Das Wappen trug oben auf silbernem Grund rechts eine rote Rose (für den Stadtteil St. Johann) und links Schlägel und Eisen gekreuzt über einer Zange (für die Stadtteile Malstatt-Burbach); darunter einen silberner Löwe und vier Tatzenkreuze auf blauem Grund.

 

 

*) Dieses Wappen ist wenig bekannt. Es war auch auf zwei Werten der    "Allgemeinen Freimarken-Ausgabe" der Französischen Zone abgebildet (gültig    vom Dezember 1945 bis November 1947) - siehe Seite Briefmarken unter A) 2

 

 

 

c)  von 1948 bis 1956

 

 

Das Wappen des autonomen Saarlandes  (14.12.1948 bis 1956)

 

Dieses Wappen war aus einem Preisausschreiben hervorge-

gangen (Einzelheiten siehe weiter unten). Man wollte nicht auf ein früheres Wappen zurückgreifen, sondern etwas ganz Neues

schaffen.

 

Das daraus resultierende Wappen bestand aus der Landesflagge, die in einen Schild mit einem schmalen silbernen Schildrand gesetzt wurde, und einer darüber befindlichen roten Brückenkrone, die als Symbol einer "Brücke der Verständigung" die europäische Mittlerstellung des Saarlandes zwischen Frankreich und Deutschland darstellen sollte.

 

 

(vgl. die anschließende Beschreibung aus dem Amtsblatt v. 1948)

 

 

 

 

 

 

In dem Gesetz vom 14. Dezember 1948 wurde das Aussehen des Landeswappens (Abb. oben rechts) wie folgt festgelegt:

 

 

 

(Amtsblatt des Saarlandes Nr. 95 von 1948, Seite 1549)

 

 

Einzelheiten zu dem Wappen-Preisausschreiben von 1948:

 

Es wurde im Februar von der Regierung des Saarlandes veranstaltet. Dabei war als Symbol des Hoheitszeichens eine "Brücke mit Taube" vorgegeben. Der 1. Preis (10.000 frs.) ging im April an den Grafiker Helmut Beck, der 2. Preis (5.000 frs.) an Walter Bauer, der 3. (3.000 frs.) an Josef Wack. Man hielt aber keinen der Entwürfe dafür geeignet, unverändert als Vorlage für das neue Wappen zu dienen. Deshalb beauftragte man Boris Kleint (Kunstprofessor an der Staatlichen Schule für Kunst und Handwerk in Saarbrücken) und Arthur Kossow aus Schafbrücke mit der Ausarbeitung einer endgültigen Fassung, die aus Elementen der ersten beiden prämiierten Entwürfe bestand. Von der in der Ausschreibung geforderten "Taube" war keine Rede mehr.

 

Zwei Schreiben des Staatssekretärs Edgar Hector mit den Ergebnissen des Preisausschreibens finden Sie auf  >dieser Extraseite.

 

 

Die Sportler des autonomen Saarlands trugen auf ihrer Sportkleidung bei internationalen Wettkämpfen (z.B. bei den Olympischen Spielen in Helsinki 1952) einen Aufnäher. Dem darauf abgebildeten Wappen fehlte aber die Brücke. Sie war durch die Bezeichnung SAAR ersetzt (Bild links)

 

Auf einigen modernen Aufklebern mit dem alten Saarwappen (Beispiel im Bild rechts), die heutzutage viele Autobesitzer zur Erinnerung an das autonome Saarland an ihrem Fahrzeug anbringen, ist über der Brücke das Wort "SARRE" (manchmal auch "Saarland") eingedruckt. In dieser Verbindung wurde aber das Saarwappen in der Saarstaatzeit nie verwendet.

Ganz unten auf dieser Seite sehen Sie einige weitere Beispiele für solche modernen Aufkleber.

Autoaufkleber mit dem Saarwappen gab es z.B. lange Zeit bei der Firma Stempel Ernst, Eisenbahnstraße 58 in Saarbrücken zu kaufen; ob sie heute noch dort erhältlich sind, müssten Sie dort erfragen.

 

Häufig sind solche aktuellen Ausführungen des Wappens leider fehlerhaft in Bezug auf die Proportionen seiner Bestandteile. Im Wappengesetz (s. oben) wurden diese genau festgelegt. So war z.B. das Verhältnis der Länge zur Breite des Wappenschildes mit 5 : 4 vorgeschrieben, und auch die Größenverhältnisse der Farbfelder, des weißen Kreuzes und der Randstreifen sowie der Brückenbögen zueinander wurden exakt definiert.

 

In der weiter oben unter  c) von 1948 bis 1956  abgebildeten Ausführung von Fritz Stöhr sind diese Vorgaben so genau wie möglich eingehalten worden. Daher empfehlen wir, falls Sie eine kopie des Wappens selbst erstellen möchten, sich an diese Vorlage zu halten. Sie können die Zeichnung (auch in hoher Auflösung) von Saar-Nostalgie auf Anforderung gerne erhalten (> Kontakt). - Zu den juristischen Vorgaben einer Verwendung von Wappen: siehe weiter unten!

 


 

 

d) Das Landeswappen seit 1957

 

 

Das neue Wappen (das bis heute gültig ist) wurde durch das Gesetz über das Wappen des Saarlandes (Gesetz Nr. 509 vom 9. Juli 1956, veröffentlicht im Amtsblatt des Saarlandes Nr. 95 vom 10.09.1956 auf Seite 1213) eingeführt. Es trat am 1. Januar 1957, dem Datum des Beitrittes des Saarlandes zur Bundesrepublik Deutschland, in Kraft.

 

Das Wappen greift zurück auf die Geschichte des Saarlandes und berücksichtigt die vier größten Territorien, zu denen das Gebiet unseres heutigen Landes vor der Französischen Revolution gehörte (siehe oben unter A!):

Nassau-Saarbrücken:

gekrönter silberner Löwe mit neun weißen Fußspitz-Tatzenkreuzen auf hellblauem Grund.

 

 

Herzogtum Lothringen:

roter Schrägrechtsbalken mit drei gestümmelten silbernen Adlern (so genannten Alérions) auf goldenem Grund.

 

Kurfürstentum Trier:

rotes geschliffenes Balkenkreuz

auf silbernem Grund.

 

 

 

Herzogtum Pfalz-Zweibrücken:

goldener Löwe mit roter Krone

und roter Bewehrung auf

schwarzem Grund.


Literatur: Lehne, Kohler. Wappen des Saarlandes. Landes- und Kommunalwappen. 1. Auflage, Saarbrücken 1981.

 

Hinweis: Die Originalfassung des derzeit gültigen Saar-Wappens dürfen wir aus rechtlichen Gründen nicht abbilden (siehe nächsten Abschnitt "Rechtliche Hinweise"!) Deshalb zeigen wir hier oben das 2005 von der Saar-Regierung für private Zwecke geschaffene genehmigungsfreie neue "Saarland-Symbol".

 


 

 

Rechtliche Hinweise zur Verwendung von Wappen und Flaggen

an Fahrzeugen, auf Internetseiten und Druckerzeugnissen (nach einer informellen Mitteilung aus dem Ministerium, daher ohne Gewähr!)

 

1) Die Verwendung des derzeit gültigen offiziellen Landeswappens

ist nach § 3 Absatz 1 des Saarländischen Hoheitszeichengesetzes durch nicht führungsberechtigte Stellen verboten. Das Ministerium für Inneres und Sport kann von diesem Verbot nur unter sehr engen Voraussetzungen eine Ausnahme machen. Hierbei ist Folgendes zu berücksichtigen: Das Landeswappen als staatliches Hoheitszeichen ist besonders geschützt und darf grundsätzlich nur von Landesbehörden geführt werden. Eine Verwendung des Wappens durch andere Institutionen oder Privatpersonen ist daher nicht zulässig. Insbesondere darf nicht der Eindruck einer staatlichen Maßnahme, Beteiligung oder Förderung entstehen. Zur Wahrung des Charakters des Landeswappens als staatliches Hoheitssymbol wird daher eine Genehmigung an Privatpersonen, Firmen, Verbände und Organisationen zur Verwendung des Landeswappens in Briefköpfen, Broschüren und sonstigen Druckerzeugnissen, auf Internet-Seiten sowie auf Gebrauchsgegenständen usw. nur unter sehr engen Voraussetzungen und ausnahmsweise erteilt.

 

Dennoch bestehen zwei Möglichkeiten, die Verbundenheit mit dem Saarland und die Zugehörigkeit zum Ausdruck zu bringen:


a) Im Jahre 2005 wurde ein kosten- und genehmigungsfreies neues Saarland-Symbol geschaffen, das von jedermann benutzt werden darf (siehe Abbildung über diesem Abschnitt!). Es hat das Aussehen eines stark vereinfachten Saarlandwappens, das mit der Landesbezeichnung „Saarland“ verbunden ist. Das Symbol darf nicht verändert oder verfremdet werden. Im Internet kann es unter
www.saarland.de/10151.htm heruntergeladen werden.

 

b) Alternativ kann auch kosten- und genehmigungsfrei von jedermann die Landesflagge verwendet werden.

 

2) In der Vergangenheit verwendete historische Wappen des Saarlandes

unterfallen nicht dem Saarländischen Hoheitszeichengesetz und dürfen deshalb grundsätzlich verwendet werden. Hierzu gehören demnach auch das Wappen des Saarstaats von 1947 bis 1956 (siehe oben, unter Cc) und alle anderen auf dieser Seite abgebildeten Wappen. Auch das Anbringen dieser Wappen auf Fahrzeugen usw. ist daher gestattet. 

 

Die Wappen der saarländischen Gemeinden, Landkreise und des Regionalverbandes Saarbrücken dürfen von Dritten nur mit Genehmigung der Gemeinden, Landkreise bzw. des Regionalverbandes verwendet werden (§ 3 Absatz 1, § 142 Absatz 1, § 196 Absatz 1 Kommunalselbstverwaltungsgesetz).

 

Nach § 90a Absatz 1 Nummer 2 des Strafgesetzbuches wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft, wer öffentlich, in einer Versammlung oder durch Verbreiten von Schriften die Farben, die Flagge, das Wappen oder die Hymne der Bundesrepublik Deutschland oder einer ihrer Länder verunglimpft.

 


 

 

 

D) Die Siegel des Saarlandes von 1949 - 1956

 

 

Gemäß Gesetz Nr. 119 über die Siegel des Saarlandes (Landessiegelordnung) vom 30. Juni 1949. Amtsblatt Nr. 56 (S), Seite 710.

 

 

 

Im Gesetz über die Siegel des Saarlandes vom 30.6.49 waren Aussehen und Größe der

verschiedenen Siegel des neu gegründeten Saar-Staats festgelegt.

 

 

In der Anlage zum Gesetz wurde für

das Staatssiegel und das große Landessiegel ein Durchmesser von 48 mm, für das kleine Landessiegel ein solcher von 36 mm bestimmt.

 

 

 


 

 

 

E) Saar-Lieder und Hymnen

 

 

Schon seit dem 16. Jahrhundert wurde das alte Steigerlied "Glück auf, Glück auf, der Steiger kommt" (siehe unten, Text a) in allen deutschen Bergbaugebieten gesungen. Es war das "Lied der Bergleute"; sein Ursprung lag wohl im Erzgebirge.

 

1920, als das Saargebiet gerade vom Deutschen Reich abgetrennt und unter das Mandat des Völkerbunds gestellt worden war, dichtete Hanns Maria Lux (1900 - 1967) zusammen mit einer Schulklasse einen neuen Text zur Melodie dieses Steigerlieds: Da er dem Wunsch vieler Menschen an Saar und Blies nach ihrer baldigen Rückkehr zu Deutschland Ausdruck gab, sangen sie gerne dieses Lied mit dem neuen Text "Deutsch ist die Saar, deutsch immerdar" (s. unten, Text b), bis das Saargebiet 1935 wieder an Deutschland angeschlossen wurde (und darüber hinaus). Der Text war aber nicht etwa als ein "Nazi-Lied" verfasst worden: Lux soll sich schon früh gegen die Nazis gestellt haben (siehe dazu: http://www.saarlied.de/). Es wurde auch nie zu einer offiziellen "Saarlandhymne".

 

  

a) Das Steigerlied

   

(Dieser Text stellt die überlieferte

Urform aus dem 16. Jahrhundert dar.)

 

Glück auf, Glück auf, der Steiger kommt.

Und er hat sein helles Licht bei der Nacht,

Und er hat sein helles Licht bei der Nacht,

schon angezündt', schon angezündt'.

 

Schon angezündt'! Das gibt ein'n Schein,

und damit so fahren wir bei der Nacht

und damit so fahren wir bei der Nacht

ins Bergwerk ein, ins Bergwerk ein.

 

Ins Bergwerk ein, wo die Bergleut' sein,

die da graben das Silber und das Gold bei der Nacht,

die da graben das Silber und das Gold bei der Nacht

aus Felsgestein, aus Felsgestein.

 

Aus Felsenstein, hau'n wir das Gold,

doch dem schwarzbraunen Mägdelein, bei der Nacht,

doch dem schwarzbraunen Mägdelein, bei der Nacht,

dem sein wir hold, dem sein wir hold.

 

Ade, nun ade! Lieb' Schätzelein!

Und da drunten in dem tiefen finst'ren Schacht, bei der Nacht,

Und da drunten in dem tiefen finst'ren Schacht, bei der Nacht,

da denk' ich dein, da denk' ich dein.

 

Und kehr ich heim, zum Schätzelein,

dann erschallet des Bergmanns Gruß bei der Nacht,

dann erschallet des Bergmanns Gruß bei der Nacht,

Glück auf, Glück auf! Glück auf, Glück auf!

 

b) Das Saar-Lied:

               

Deutsch ist die Saar

   

Text von Hanns Maria Lux, 1920,

auf die Melodie des Steigerlieds

(siehe linke Spalte)

 

 

Deutsch ist die Saar, deutsch immerdar!

Und deutsch ist unsres Flusses Strand

und ewig deutsch mein Heimatland,

mein Heimatland, mein Heimatland.

 

Deutsch bis zum Grab, Mägdelein und Knab,

und deutsch das Lied und deutsch das Wort,

und deutsch der Berge schwarzer Hort,

der Berge schwarzer, schwarzer Hort

 

Deutsch schlägt das Herz, stets himmelwärts

deutsch schlug's als uns das Glück gelacht,

deutsch schlägt es auch in Leid und Nacht,

in Leid und Nacht, in Leid und Nacht

 

Reicht euch die Hand, schlinget ein Band

um junges Volk, das deutsch sich nennt,

in dem die heiße Sehnsucht brennt

nach dir, o Mutter, nach dir, nach dir!

 

Ihr Himmel hört, ganz Saarvolk schwört,

lasset uns es in den Himmel schrein:

Wir wollen niemals Knechte sein,

wir wollen ewig Deutsche sein!

 

Der Text des Steigerlieds ist auch auf unserer Bergbau-Seite (ziemlich weit unten) zu finden, mit zwei zusätzlichen Strophen und hübschen Illustrationen aus dem Bergbaubereich.

Mehr über den Autor des Saarlieds ("Deutsch ist die Saar"), Hanns-Maria Lux, finden Sie auf www.saarlied.de.

 

 

Hinweis:  Zwei Pausenzeichen des Saarländischen Rundfunks bestanden aus der Melodie der zweiten Zeile des Steigerlieds ("... und er hat sein helles Licht bei der Nacht...")

Das eine gehörte zum 1.Programm ab Anfang der 60er Jahre und zur Europawelle: (Anhören)

Das andere kennzeichnete das 2. Hörfunkprogramm des SR, das 1956 startete:     (Anhören)

Für jüngere Leser: Pausenzeichen wurden früher in den Sendepausen eines Rundfunksenders gespielt, damit man auf der Radioskala einen Sender auch finden und erkennen konnte, wenn kein Programm ausgestrahlt wurde. Mehr über Pausenzeichen im Allgemeinen und alle Zeichen von Radio Saarbrücken und des SR finden Sie hier.

 

 

Das Lied "Deutsch ist die Saar" wurde zu manchen Zeiten als eine Art "inoffizieller Saarhymne"verwendet. Es gab (bzw. gibt) aber auch eine offizielle saarländische Nationalhymne:

 

 

 

c) Die offizielle saarländische Nationalhymne - Das Saarlandlied / Saarlied

 

 

Die offizielle Nationalhymne des Saarlandes geht auf ein Lied zurück, das Richard Limberger 1892 über das

"Land der Saar" geschrieben hatte. Es wurde 1921 von Karl Hogrebe, einem Musiklehrer aus Saarbrücken, vertont.

 

 

 

Hier können Sie eine instrumentale Fassung der Nationalhymne hören.

Etwa so wurde sie z. B. bei Sportveranstaltungen gespielt:

(Anhören)

(Aufnahme des Gebirgsmusikkorps Garmisch-Partenkirchen

CD Deutsche Lieder und Hymnen - Jahr 2000)

 

 

 

Der Originaltext des Liedes von R. Limberger lautet:

 

Ich weiß wohl ein liebliches, freundliches Tal,
von waldigen Bergen umgeben,
da blitzen die Wellen im Sonnenstrahl,
es blühn auf den Hügeln die Reben
und Dörfer und Städte auf grünender Flur,
und Menschen von kernigem Schlage:
Das ist meine Heimat im Lande der Saar,
laut preis ich sie all meine Tage.
Das ist meine Heimat im Lande der Saar,
Laut preis ich sie all meine Tage.

Wer einmal gewandert am Ufer der Saar
und einmal den Saarwein getrunken,
wem einmal die Blicke der Mädchen so klar
in glühende Seele gesunken,
der zieht nicht mehr weiter, es sagt ihm so wahr
das Herz mit gewaltigem Schlage:
Hier ist meine Heimat am Strande der Saar
laut preis ich sie all meine Tage!

Hier ist meine Heimat am Strande der Saar
laut preis ich sie all meine Tage!

O Saartal, du Kleinod von strahlender Pracht
du Grenzmark der deutschen Gefilde,
wir halten in Treue wohl über dich Wacht
es dient jede Brust dir zum Schilde!
So kling es denn stolz in die Lande hinaus
wenn freudigen Herzens ich sage:
Hier ist meine Heimat am Strande der Saar
laut preis ich sie all meine Tage!

Hier ist meine Heimat am Strande der Saar
laut preis ich sie all meine Tage.

< Zum Anhören: gesungene Aufnahme der 1. und 2. Strophe mit dem Düppenweiler Kinderchor

 

 

Der Text der Saar-Hymne ab 1950:        

 

Die Regierung unter Johannes Hoffmann änderte 1950 die ersten vier Zeilen der ursprünglichen dritten Strophe um, weil ihr Text sich allzu deutlich zu Deutschland bekannte. Statt dessen wurde ein neuer Text in Auftrag gegeben, der besser zur Autonomie des Landes und seiner frankreichfreundlichen Politik passte. Die zweite Strophe wurde ab 1950 meist weggelassen.

 

Die so entstandene "neue" Nationalhymne wurde erstmals am 14. Dezember 1950 zur Feier des Saarländischen Verfassungstages gesungen. Außerdem wurde sie bei den Spielen der saarländischen Fußballnationalmannschaft und bei den Olympischen Spielen 1952 in Helsinki aufgeführt. Trotzdem war sie bei den meisten Saarländern weder sehr bekannt noch beliebt.

 

Nach der Volksbefragung 1955 war sie so gut wie gar nicht mehr zu hören, weil sie zu sehr mit der Regierung Hoffmann in Zusammenhang gebracht wurde. Sie ist aber auch nach der Rückgliederung des Saarlandes an Deutschland als Landeshymne bis 2003 (siehe weiter unten!) nie außer Kraft gesetzt und manchmal zu offiziellen Anlässen gespielt worden:

 

Ich weiß, wo ein liebliches, freundliches Tal,
von waldigen Bergen umgeben,
da blitzen die Wellen im Sonnenstrahl,
es blühn auf den Hügeln die Reben
und Dörfer und Städte auf grünender Flur,
und Menschen von kernigem Schlage:
Das ist meine Heimat im Lande der Saar,
laut preis ich sie all'meine Tage.
Das ist meine Heimat im Lande der Saar,
Laut preis ich sie all meine Tage.

O Saarland, du Kleinod von strahlendem Glanz,
O Land, du, von Kohle und Eisen,
Dir will ich gehören, dir weihen mich ganz,
Nichts soll mich dir fürder entreißen.
So kling es denn stolz in die Lande hinaus
wenn freudigen Herzens ich sage:
Hier ist meine Heimat im Lande der Saar
laut preis ich sie all meine Tage!

Hier ist meine Heimat im Lande der Saar
laut preis ich sie all meine Tage.

 

 

Hier noch einmal die neue letzte Strophe, mit Noten:    

 

 

Der Zeichner Bob Strauch machte sich in der satirischen Zeitschrift "Der TINTENFISCH" lustig über die Hymne, indem er eine ihrer Zeilen ein wenig umdichtete:

 

                                                                                                               Zeichnung Bob Strauch

 

Neuer Text der Saar-Hymne ab 2003:

Im Jahr 2002 ließ das saarländische Ministerium für Bildung, Kultur und Wissenschaft in einem Wettbewerb einen neuen Text für das Saarlandlied zu der alten Melodie suchen. Gewinner war Gerhard Tänzer aus Berus. Das so entstandene "neue" Saarlandlied sollte ursprüglich bei feierlichen Anlässen und zur Repräsentation des Saarlandes gespielt werden. Es kam und kommt in Wirklichkeit jedoch nur äußerst selten zur Aufführung.

Der neue Text des Saarlandliedes lautet seit 2003: < Anhören! *)

Ich rühm' dich, du freundliches Land an der Saar,
von friedlichen Grenzen umgeben.
Nie wieder bedrohe dich Krieg und Gefahr,
in dir möcht' ich immerzu leben.
Und gibst du uns Arbeit, so hat's keine Not,
wir werden die Mühen nicht scheuen,
und Feste auch feiern zum täglichen Brot,
denn du, unser Land, sollst uns freuen.

 

*) Tondokument: Saarland - Die Hymne (2003), bearbeitet von Friedel Hary für 3-stimmigen Männerchor. Ensemble: Chor der

Hochschule für Musik und Theater, Saarbrücken, Leitung Andreas Göpfert. Produktion: Saarländischer Rundfunk

 

 


 

 

d) Eine bisher unbekannte Saarhymne von Johannes Kirschweng, um 1947 (Melodie: Josef Reichert)

 

Der aus Wadgassen stammende Dichter und Schriftsteller Johannes Kirschweng (mehr über ihn auf der Seite Literaturszene) hat die folgende Saarhymne geschrieben. Sie ist allerdings in der Neuausgabe der Werke Kirschwengs nicht enthalten und wurde bisher auch sonst nirgends erwähnt.

 

 

 

Weißes Kreuz in Blau und Rot - Glaube zwischen Gott und Erde

Blüte, Frucht und Wein und Brot - Eins und Alles, Hirt uns Herde.

 

Was wir haben, was wir sind, glüht die Fahne treu zusammen.

Mann und Weib und Greis und Kind - Morgenrot und Abendflammen.

 

Jeder, der zu uns gehört, den das Land im Leid geboren,

gläubig auf das Zeichen schwört, das als Freie wir erkoren.

 

Weißes Kreuz in Blau und Rot - Glaube hoch bis in die Sterne,

Saarland, Freiheit, Licht und Brot, Liebe aller Näh' und Ferne.

 

 

Hinweis: Mit "Weißes Kreuz auf Blau und Rot" bezieht sich Kirschweng auf die Landesfahne des damals neu gegründeten Saarstaats.

 

Quelle: Siegfried Bach. Zeit und Zeitung. Die Region Wadgassen-Bous im Spiegel der Zeit zwischen 1913 und 1990. Wadgassen 2000, Seite 805.

 

 


 

 

ANHANG zu Punkt B c): Zeitgenössische Wimpel mit der Saarflagge

 

Die folgenden Abbildungen zeigen drei Wimpel aus der Zeit des autonomen Saarlands, die die Saarflagge beinhalten. Sie stammen aus der Sammlung von Gerd Schulthess, St. Ingbert († 2013). Der Wimpel rechts außen zierte lange sein NSU-Fahrrad, später seine Vélosolex.

 

 

   

 

 

 

 

Die Saarfahne in

einer Metallplakette

für Autos (um1954)

 

(Das Bild hat Torsten Gatzke

zur Verfügung gestellt.)

 

 

 

 

 

ANHANG zu Punkt C b): Moderne Ausführungen des Saar-Wappens

 

 

Bitte beachten:  Diese Wappen-Ausführungen entsprechen in verschiedenen Punkten nicht den amtlichen Vorgaben aus

der Saarstaat-Zeit!  Insbesondere gab es damals nie ein Wappen mit einer darübergestellten Aufschrift ("Saarland" oder "Sarre").

Dies ist die Erfindung heutiger Aufkleber-Hersteller. Ein schlimmer "Stilbruch" ist es aber nicht, denn "Sarre" ist

ja das französische Wort für "Saar" (Fluss oder Land bzw. Bundesland) ...

 

 

1

2

 3

 

4

 

Diese vier modernen Wappen-Aufkleber wurden erst in den letzten beiden Jahrzehnten kreiert und enthalten jeweils einen Schriftzug mit einer Landesbezeichnung (Saarland oder [La] Sarre). Zu Zeiten des autonomen Saarlands war es nicht üblich, einen Landesnamen über dem Wappen anzubringen. Einzige Ausnahme waren die Aufnäher für die Kleidung der saarländischen Sportler, die über dem Wappen anstelle der Brücke das Wort "SAAR" trugen (siehe oben unter Punkt C, b und im Kapitel Olympia 1952).

 

Die oben dargestellten Aufkleber entstanden wie folgt:1988 hat Gerd Schulthess aus St. Ingbert einen Aufkleber (Bild 1) mit dem Wappen nach dem Muster der Originalzeichnung auf der Broschüre "Wille und Weg des Saarlandes" und mit dem Schriftzug "Saarland" bei der Fa. Mock in Scheidt herstellen lassen und unters Volk gebracht. Etwas später hat der Betreiber von Jacques' Weindepot in der Saarbrücker Halbergstaße diesen Aufkleber nachdrucken lassen, aber dabei "Saarland" durch "Sarre" ersetzt (Bild 2). Man konnte ihn lange Zeit bei ihm kaufen, und sie zieren heute noch viele Autohecks im Saarland und anderswo. Sogar am Heck eines Bootes konnte man ihn 2007 im Saarbrücker Yachthafen sehen.

 

Den Aufkleber im Bild 3 gab es lange Zeit in Saarbrücken zu kaufen. Leider ist bei diesem Modell das Wappen im unteren Teil "missglückt", denn der Halbkreis beginnt zu tief und hat den falschen Radius. Woher der Aufkleber in Bild 4 (mit "La Sarre") stammt, ist nicht bekannt. - Autoaufkleber gab es z.B. lange Zeit bei der Firma Stempel Ernst, Eisenbahnstraße 58 in Saarbrücken zu kaufen; sie ähnelten dem oben in Bild 2 gezeigten und waren in zwei Größen zu haben. Ob sie heute noch dort erhältlich sind, müssten Sie dort erfragen.

 

Nach heutigen Bezugsquellen für das Saarwappen können Sie auch beim Webmaster dieser Seite fragen (>Kontakt).

 

Auf dem Foto rechts ist ein Wappen aus Metall mit "Sarre" zu sehen, bei dem aber die Abbildung der Brücke fehlt. Michael Lohrmann aus Saarbrücken berichtet zu seiner Entstehung folgendes: "Ein Bekannter von mir ließ diese Teile 1994/95 in England anfertigen, exklusiv für den Volvo-Stammtisch Saar. Dieses Saar-Wappen sollte die Kühlergrills unserer alten Volvos zieren, die Auflage betrug ca. 50 Stück. Wir mussten ewige Zeiten warten, bis diese Teile aus England geliefert wurden und dann mussten wir mit Schrecken feststellen, dass die Brücke fehlte. Eine Reklamation in England war sinnlos, deshalb kam das Wappen eben ohne Brücke in Umlauf und an unsere alten Volvos." (Herzlichen Dank für diesen Bericht und die Überlassung eines intakten Exemplars.) -

 

Den kleinen Anstecker ("Pin") im Foto links (er ist noch keine 14 mm hoch) konnte man vor einigen Jahren eine Zeitlang in Saarbrücken kaufen.

 

 


Diese Seite wurde begonnen 2008 und zuletzt bearbeitet am 17.7.2017

 

 

 

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