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5) Radio- u. Fernsehgeräte aus saarländischer Produktion

 

 

 


 

Weitere Seiten im Rundfunk-Kapitel:  Rundfunkgeschichte - Radio Saarbrücken - Radio-Erinnerungen - Reporter & Ü-Wagen - Weissenbachs - Saarlandbrille - Wartburg - MW-Sender Heusweiler - TELESAAR - Europe No 1 -

 


 

 

Vorweg einige FRAGEN, die wir bisher noch nicht klären konnten:

(wenn Sie Antworten dazu haben, bitte > Kontakt!

 

 

a) Wer weiß noch, welche Hersteller von Fernsehgeräten es im autonomen Saarland gegeben hat? Bekannt ist uns bisher nur die

Marke "elphy" von Grenzland in Püttlingen (siehe Anzeige und Bilder

im Abschnitt B).

 

b) Haben die Radiofabriken RIWECO und JOBA auch Fernsehgeräte hergestellt?

 

c) Wer weiß, wo die Radios der Marke Westfunk gefertigt wurden? Sie wurden von 1953 bis 1957 produziert, haben eine deutsche Skala und eine deutsche Rückwand, aber französische Bauteile. Es wird vermutet, dass sie in der Gegend von Geislautern oder in Carling (Frankreich) gebaut wurden, beides ist aber unsicher und bisher nicht bestätigt.

 

Dieses Foto ist aus der Zeitschrift "Rundfunk- und Elektrotechnik" vom 5. Juni 1949     

 


  

 

A) Radio-Geräte  Text und Fotos: Michael John, Holz

 

 

Wenn die Saarländer Radios aus dem benachbarten Deutschland kaufen wollten, mussten sie hohe Zollgebühren für die Einfuhr zahlen. Radios aus Frankreich waren dagegen (weil die Saar wirtschaftlich an Frankreich angeschlossen war) wesentlich billiger hier. Deshalb wurden nach dem Zweiten Weltkrieg zahlreiche französische Radios im Saarland auf den Markt gebracht, die teilweise sogar mit einer deutschsprachigen Skala ausgestattet waren. Aus diesem Grund sind Radios aus dieser Zeit, die man heute noch bei uns auf Flohmärkten oder bei Nachlassauflösungen findet, fast ausschließlich französischer Herkunft.

 

Was aber heute nicht mehr viele Leute wissen, ist die Tatsache, dass in dieser Zeit auch drei saarländische Radiohersteller in kleinen Fabrikhallen hier im Saarland Radios gebaut haben.

 

Dies waren die Firmen JOBA (Josef Bayer) in Rohrbach, später St. Ingbert, RIWECO (Gesellschaft für Elektro- u. Rundfunktechnik m.b.H.) in Ensheim, sowie Meisterfunk-Eisvogel, die ihre Produktionsstätte in Saarbrücken auf der Lerchesflur hatte.

 

Michael John wohnt in Holz und sammelt mit viel Liebe und Zeitaufwand alte Radios. Er hat für Saar-Nostalgie.de recherchiert und viele Einzelheiten über die drei saarländischen Hersteller herausgefunden. Hier sein Bericht:

 

 

1) JOBA - Josef Bayer, St. Ingbert (weitere Infos über JOBA ganz unten!)

 

 

Die Firma JOBA war wohl der kleinste der drei saarländischen Hersteller und produzierte von 1948 bis 1952 eigene Radiomodelle.

 

Josef Bayer eröffnete 1935 in Rohrbach einen kleinen Radiohandel. In bescheidenem Rahmen stellte er dort auch schon eigene Radios her. Im Dezember 1948 zog er mit seinem Laden in die Kaiserstraße 104 in Sankt Ingbert um und begann dort unter eigenem Namen mit der Produktion von Radioempfängern. Mit einer kleinen Belegschaft von 15 Mitarbeitern wurden Gehäuse, Skalenantriebe und Chassis selbst gebaut. Die Teile dafür bezog er von französischen und saarländischen Herstellern. Im Jahre 1951 erfolgte (vermutlich aus Platzgründen) der Umzug in die alte Seifenfabrik in der Elstersteinstraße 49 in St. Ingbert.

 

Das Besondere an diesen Geräten der ersten Stunde nach dem Krieg war die Verarbeitung. Die Chassis mit dem Radioaufbau wurden aus Presspappe statt aus Blech gefertigt, vermutlich aus Materialmangel nach dem Krieg. Spätere Geräte baute JOBA auf Aluminiumchassis auf.Im Jahre 1952 erschienen dann mit den beiden Jubilar-Modellen (der eine mit Drucktasten, der andere ohne) die letzten in Sammlerkreisen bekannten Modelle von JOBA, die zugleich seine ersten Modelle mit UKW waren. Auf den Skalen findet man einen Kranz mit einer 25 in der Mitte. Welches Jubiläum damit (und mit der Bezeichnung "Jubliar") gefeiert werden sollte, ist uns leider bis heute unbekannt.

 

Über den weiteren Produktionsverlauf ist auch in Sammlerkreisen nichts bekannt. Im Oktober 1957 wurde die Firma JOBA umbenannt in "Funktechnische Werkstätte und Fabrikation".

 

Aufstellung aller bekannten JOBA-Geräte:

 

Produktionsjahr

Modell

Preis

Besonderheit

 

 

 

 

1949/50

Junior

11.750 Frs.

1949

Principal (I)

19.900 Frs.

1950

Principal (II)

1950

Senior

1951

Musikus

Musikschrank mit Plattenspieler

1952

Jubilar

UKW

1952

Jubilar mit Tasten

UKW - erstes Tastengerät

 

In zeitgenössischen Zeitungsanzeigen wurden außerdem auch ein Kofferradio und eine Laufwerkschatulle zur Saarmesse 1950 angekündigt. Da sich hiervon kein Gerät in Sammlerhand befindet, ist anzunehmen, dass es sich dabei höchstens um eine Kleinserie handelte.

 

Weitere Infos und Fotos der Firma JOBA finden Sie ganz unten auf dieser Seite!

 

 

 

2) RIWECO - Ges. f. Elektro- u. Rundfunktechnik m.b.H. Ensheim

 


Die saarländische Firma Riweco war eine Tochterfirma von Riweco in Schwenningen im Schwarzwald. Die Produktion der Radiogeräte erfolgte in den Jahren 1949 bis 1951 in Ensheim. Dort hatte man sogar eine eigene Entwicklungsabteilung und baute Geräte, die besonders im technischen Bereich erheblich von denjenigen aus bundesdeutscher RIWECO-Produktion abwichen. Die saarländischen Radios waren mit französischen Röhren und Bauteilen bestückt. Lediglich die Gerätenamen und wenige technische Einzelheiten wurden gemeinsam verwendet, z. B., sehr markant, die Skala mit zwei Skalenzeigern. Ansonsten waren die Geräte so unterschiedlich, als wären sie von unabhängigen Herstellern gebaut. Ein noch heute sehr bekannter Name ist der des Ingenieurs Rummel, der damals an der Entwicklung der Geräte beteiligt war.
 

 

Produktion

Modell

Preis

Besonderheit

 

 

 

 

1949/50

Paganini W661

21.450 Frs.

es gab ihn mit 2 versch. Skalenausführungen

1949

Caruso W770

 

1949

Saar W660

23.900 Frs.

1949/50

Caruso W666

26.600 Frs.

1949/50

 

Carola W966

 

48.800 Frs.

 

2-Kanal-Endstufe 

1949/50

W760

135.000 Frs.

Musiktruhe mit Chassis vom W966

1950/51

W662

              

 


3) Meisterfunk - RFE Eisvogel, Saarbrücken

 


Die Firma RFE Eisvogel - Meisterfunk hatte ihren Sitz in Saarbrücken. Die Radioproduktion fand von 1954 bis 1957 in einem alten Bunker statt, der umgebaut worden war und die Produktionsräume der Firma darstellte. Diese hatte die größte Produktpalette der drei hier vorgestellten Firmen. Ebenso wie JOBA und RIWECO wurden die Meisterfunk-Radios mit französischen Bauteilen und Röhren gebaut. Aber sie verfügten (laut den hier vorliegenden Originalprospekten) über verschiedene Besonderheiten. Zum Ersten die so genannte "Selbst-Eichskala". Man kann bevorzugte Sender auf der Skala mit einem Bleistift markieren, und falls nötig, kann man es wieder wegradieren. Des Weiteren waren verschiedene Radios mit Gehäusen ausgestattet, die gegen Wasser, Alkohol, Sonne, Säure und Hitze unempfindlich sein sollten. Poliert wurden diese Gehäuse mit Polyester, und sogar eine brennende Zigarette sollte keine Schäden am Gehäuse hinterlassen. Die Röhrenradios und Musiktruhen mit Plattenspieler wurden mit Laufwerken der französischen Marke Teppaz ausgestattet.


Die Geräte wurden auf Tonfunk-Basis gebaut. Die Firma Tonfunk hatte ihren Sitz in Karlsruhe und ist Sammlern heute noch ein Begriff. Meisterfunk übernahm die Typenbezeichnungen von Tonfunk und bezog einige Bauteile von dort, die in Frankreich nicht erhältlich waren, z.B. UHF-Teile und einige Gehäuse. Die meisten Gehäuse, sämtliche Chassis und die Skalen waren aus eigener Herstellung.

 

Viele Geräte wurden damals auch vom Saarland ins benachbarte Lothringen und ins Elsass exportiert, wie wir von einem französischen Sammler erfahren haben.


Die Geräte hatten fast alle den gleichen Chassisaufbau und auch oftmals sehr ähnliches Aussehen. Aus Erzählungen wissen wir, dass die Meisterfunk-Radios oftmals schon kurz nach Verkauf bereits technische Probleme hatten.


Der Firmengründer, Paul Gregor Eisvogel, wohnt heute in Saarbrücken. Er hat die Firma 1958, also kurz vor dem wirtschaftlichen Anschluss des Saarlandes an die BRD, nach Woerth im Elsass verlegt. Nach 1961 wurden dort auch Fernseh-Empfänger gebaut. Die Firma bestand bis 1963, eine Nachfolgefirma baute danach Telefonanlagen u.ä.

 

Insgesamt gab es ca. 30 verschiedene Modelle von Meisterfunk. Hier ein kleiner Ausschnitt aus dem großen Programm von Meisterfunk:
 

Produktionsjahr

Modell

Preis

Besonderheit

 

 

 

 

1955

W632-S 3D

 

Musikschrank 

1955

W631-S 3D

Musikschrank

1956

Comedia 516

 

1956 

W432-S 3D

Radio mit Plattenspieler

 

 

Während JOBA- und RIWECO-Radios heute in Nachlässen oder auf Flohmärkten sehr selten zu finden sind, trifft man Meisterfunk-Radios noch recht häufig an.

 


 

Nachfolgend einige Radiomarken aus französischer Herstellung, die damals auch im Saarland sehr verbreitet waren:


Desmet, Reela, Ralsa, Marquett, Radiola, Philips, Ondia, Minerva, Socradel, RTA, LMT, Général Radio, Schneider Frères.


Mit dem Tag X (wirtschaftliche Rückgliederung an Deutschland) verschwanden diese Geräte aus dem alltäglichen Gebrauch im Saarland. Die meisten Saarländer stiegen auf Geräte der Firmen SABA, Grundig oder Telefunken um, die in ihrer technischen Ausstattung natürlich besser entwickelt waren als die saarländischen. In Bezug auf Aussehen und Design
konnte aber kaum eine deutsche Marke den französischen und saarländischen Geräten aus der Zeit von 1945 bis 1957 das Wasser reichen. Diese sind heute beliebte Sammlerstücke geworden.

zu 1)  J O B A:

 

JOBA Junior

 

JOBA Junior (Rückansicht)

 

JOBA Principal

 

JOBA Senior

 

JOBA Musikschrank mit Plattenspieler

 

 

zwei Bilder: JOBA Jubilar ohne und mit Tasten

 

JOBA Jubilar (Rückansicht)

 


 

 

2)  R I W E C O

 

 

RIWECO Paganini W661

 


 

 

3)  RFE - M E I S T E R F U N K

 

 

Meisterfunk Comedia 516 ...

 

... mit "Wunschklangregister"

(rechts neben dem Lautsprecher)

 


 

 

Im Saarland waren ab Mitte der 50er-Jahre auch Schweizer Radios der Marke Sondyna und Biennophone zu finden. Auch die Firma RFT Stern aus der damaligen Ostzone verkaufte hier im Saarland ihr Spitzenmodell RFT Stern Erfurt. Es ist von 1957, und man findet es häufig bei uns auf Flohmärkten.

 

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Alle Farbfotos auf dieser Seite sind von Michael John, Holz;

die gezeigten Geräte stammen aus seiner privaten Sammlung.

 

Zeitungsanzeige aus den 50er-Jahren: Ein Fachgeschäft für Radio- und Fernsehgeräte >

 

 


  

 

 

B) Fernseh-Geräte aus saarländischer Produktion

 

 

Ein "Geheimnis" ist gelüftet: Wir fragten seit 2009 nach dem Hersteller eines Fernsehschranks, den Michael John, Holz, besitzt und für Saar- Nostalgie fotografiert hat (siehe unten). Im Februar 2012 meldete sich Klaus Lehnen, Riegelsberg, und überraschte uns mit folgenden Infos:

 

Dieses Fernsehgerät wurde im Saarland produziert. Genauer gesagt in Püttlingen, und zwar von der Firma Frank in der Köllner Straße 78. Die Geräte wurden dort in der Waschküche zusammengebastelt, die Gehäuse baute die schräg gegenüber liegende Schreinerei Weber (Hausnummer 93 oder 95). Später betrieb Herr Frank ein Ladengeschäft in der Breite Straße in Saarbrücken, etwa dort, wo man zur Kirche St. Josef hochgeht.

 

Das unten abgebildete Gerät trug den Markennamen "Grenzland" und zusätzlich den Schriftzug "elphy" als Name der Herstellerfirma; dieser war entstanden aus dem Begriff Elektro-Physik. Unter diesem Namen stellte die Firma Frank in Püttlingen außer dem Fernseher auch eine kleinere Anzahl von Radiogeräten her. Der in der Anzeige genannte Preis von knapp 140.000 Franken für den Grenzland entsprach (gemäß dem Umrechnungskurs von 1957) etwa einem Betrag von 1190 DM. Die Saarbrücker Firma Hoffmann, die hier für das Gerät warb, war eine "Rundfunkmechanische Werkstätte" und gehörte Heinrich Hoffmann. Sie befand sich zunächst in der Dudweilerstraße 69 und später (laut dem saarländischen Telefonbuch von 1955) in der Försterstraße 13. Hoffmann arbeitete auch bei Telesaar; er ist inzwischen, ebenso wie Herr Frank, verstorben. 

    

 

 

 

Aus französischer Produktion wurden im Saarland Fernsehgeräte der Hersteller Telemaster (siehe Anzeige unten) und Sonora verkauft.

 

 

 

 

Unser Bericht über den Beginn des Fernsehens im im teilautonomen Saarland

 

und über den privat finanzierten Fernsehsender (von 1954 bis 58)

 

ist auf unserer Seite TELESAAR

 

 


 

Anhang:

 

Weitere Infos über den

 

saarländischen

 

Radiohersteller JOBA

                                                                             (Näheres über die Firma weiter oben im Abschnitt A 1)

 

 

1) Eine Variante des Joba Senior: Gehäuse und Innenleben sind aufwändiger als bei dem Seriengerät (s. oben), es handelt sich entweder um ein Einzelstück oder eine Kleinserie. Das Gerät gehört Karl-Heinz Gützlaff, der auch die Fotos davon gemacht und uns zur Verfügung gestellt hat.

 

     

 

 

 

2) JOBA-Radio-Stand auf der Saarmesse 1950

 

 

Auf dem Foto links steht Josef Bayer in der Mitte, ganz links schaut Ministerpräsident Johannes Hoffmann mit Bewunderung auf die vielen

Radios des Herstellers.

(Fotos: Karl Abel, Rohrbach)

 

 

3) Bilder aus der Fertigungsstätte der Firma JOBA in den 50er-Jahren

 

      

Fotos: Karl Abel, Rohrbach. Noch mehr Fotos und Infos über die Firma JOBA finden Sie auf www.rohrbach-nostalgie.de

 

 

4) Bericht über die Firma JOBA aus der Saarbrücker Zeitung vom 19. April 1952

 

 

Zeitungsausschnitt: Sammlung Torsten Gatzke              

 

 

5) Auf unserer Seite Radio Saarbrücken finden Sie zwei Fotos von einem Festzug in Rohrbach aus dem Jahr 1949. Dort fuhr ein Festwagen mit, der von der Fa. JOBA gestaltet worden war und fürs Radiohören und JOBA-Radios warb. Dieser Link führt Sie direkt zu diesen Fotos.

 


 

Interessante Links zum Thema Saar-Radios:  www.saarfranzosen.de  und  www.radiomuseum.org/

 

 

 

Inhalt des Kapitels RADIO UND FERNSEHEN:

 

1)  Geschichte des Rundfunks im Saarland (von 1929 bis 1959 und später)

  

2)  Radio Saarbrücken:

     a)  Der Heimatsender der Saarländer

     b)  Radio-Erinnerungen

     c)  Reporter und Übertragungswagen

     d)  Die Familie Weissenbach  (die beliebten Moderatoren Gerdi und Fritz)

     e)  Die Saarlandbrille  (beliebte Sonntagssendung mit "Zick, Zack & Marieche")     

     f )  Die Wartburg (das Funkhaus von Radio Saarbrücken)

     g)  Der Mittelwellen-Sender Heusweiler  /  Bilder vom Heusweiler Sender

 

3)  Fernsehen im Saarland der 50er Jahre: Von TELESAAR zum SR-Fernsehen

 

4)  Europe 1

     a)  Der private französische Langwellensender Europe No 1     

     b)  Die Antennen-Anlage von Europe 1 - Mastbruch 2012

  

5)  Radio- und Fernsehgeräte aus saarländischer Produktion

 

Diese Seite wurde begonnen am 23.02.2008; zuletzt bearbeitet am 7.2.2018

 

 

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