oben

 

A) Die Wartburg: 1927/28 als evangelisches Gemeindehaus erbaut

 

Hinweis: Die Aufnahmen der Wartburg im Teil A) zeigen das Gebäude von der Rückseite (Bühnenhaus), also vom Hessenweg aus gesehen; Bilder der Vorderfront (in der Nauwieser bzw. Martin-Luther-Straße) sind unten im Teil B).

 

 

< Sie macht schon einen recht trutzigen Eindruck, die Wartburg in Saar- brücken, die 1927/28

als Gemeindehaus

für die damals finanziell gut ausgestattete evangelische Kirchen- gemeinde St. Johann errrichtet wurde.

 

Erbauer war der Architekt Rudolf Seifert (Foto). Die Wartburg stand im damals östlichen Teil der Nauwieser Straße, der seit 1951 Martin-Luther-Straße heißt.

 

Die Wartburg vom Hessenweg aus gesehen. Das Foto links ist von etwa 1949 (Stadtarchiv Saarbrücken). - Unten: So sieht das Gebäude heute aus. (Foto: R. Freyer, 2010; )

Die Wartburg war ein typisches Beispiel für den Kunst- und Architekturstil, der in den 20er und 30er Jahren von Frankreich aus unter dem Begriff "Art-Déco" in die ganze Welt ging. Damit trat er die Nachfolge des damals bereits abgeklungenen Jugendstils an und wurde zum Stil der "goldenen 20er Jahre". Er zeichnete sich durch geometrische Strukturen und stilisierte natürliche Formen aus. Ein typisches Beispiel dafür ist der rückwärtige Teil der Wartburg, also das Bühnenhaus (auf den Fotos oben im Vordergrund zu sehen und zum heutigen Hessenweg hin gelegen) mit seinen senkrechten und waagerechten geraden Linien, die im Laufe der Zeit leider fast gänzlich Opfer der verschiedenen Renovierungen des Gebäudes geworden sind (kleines Farbfoto oben). Auch die Gestaltung des großen Festsaales weist Züge des Art-Déco-Stils auf; ein Beispiel ist die große Leuchte über der Bühne (siehe die Innenaufnahmen weiter unten!).

 

 

Die Bauherren verliehen dem Gemeindehaus den Namen "Wartburg" in Erinnerung an die Wartburg in Eisenach, Thüringen, auf welcher der Reformator Martin Luther 1521/22 Zuflucht gesucht und das neue Testament ins Deutsche übersetzt hatte. Der Saarbrücker Pfarrer Wilhelm Reichard schrieb dazu in der Festschrift zur Einweihung der Wartburg "Wir dachten an die Wartburg als an die sagenumwobene, mit deutscher Geschichte und Kultur verknüpfte romantische Feste." Ein weiterer Grund für die Namensgebung sei die Tatsache gewesen, dass das Saarbrücker Gebäude "wie ein steingewordener Ausdruck trotziger Kraft" in den Himmel ragte und mit seinem "gewaltigen Saalbau" und den "burgartigen, zinnengekrönten Formen seines Bühnenhauses" wie eine Burg erschien [1].

 

Da die Gemeinde sehr viele Mitglieder hatte und einen großen Saal benötigte, wurde das Gebäude mit einem großzügig bemessenen Festsaal ausgestattet, der viele Jahre lang der weitaus größte Veranstaltungssaal im ganzen Saargebiet war (siehe Fotos weiter unten!). Er fasste 1400 bis 1700 Personen.

 

Am 11. November 1928 wurde die Wartburg in feierlich-kirchlichem Rahmen eingeweiht. Oben die Einladung an "hochwohlgeborene" Gäste.

Die Wartburg wurde etwa gleichzeitig mit der Versöhnungskirche in Völklingen gebaut und eingeweiht. Beide Gebäude tragen in ihrer ursprünglichen Baugestalt und Nutzung "einer vom Nationalismus durchdrungenen Glaubensidee Rechnung" [2].

 

[1] W. Reichard: Festschrift zur Vollendung und Einweihung des Ev. Gemeindehauses "Wartburg" Saarbrücken-St.Johann. Saarbr., 1928.

[2] http://www.memotransfront.uni-saarland.de/sakralbauten.shtml.

 

 


 

 

 

1928:  Bilder aus der Wartburg  kurz vor ihrer Einweihung

 

Unten: Blick von der Mittelempore auf die Bühne. Rechts: Die Mittelempore im großen Festsaal. Das Farbfoto darunter links zeigt die Wandelhalle der Wartburg.

(Bilder von 1928: Fotograf L. Werner; Stadtarchiv Saarbrücken)

 

 

 

 

1935: Stimmenauszählung der Volksabstimmung am 13. Januar

 

Vom 13. bis 15. Januar 1935 wurden die Stimmzettel der Volksabstimmung in der Wartburg ausgezählt. Unter strenger Bewachung durch internationale Polizeieinheiten wurden die versiegelten Abstimmungsurnen aus allen saarländischen Gemeinden am Abend des 13. Januar 1935 in den Festsaal der Wartburg gebracht und an den folgenden Tagen dort gezählt.

 

Das Abstimmungsergebnis verkündete am 15. Januar um neun Uhr morgens der schwedische Präsident der Regierungskommission, Rohde. Dieses Ereignis übertrug der Reichsrundfunk direkt aus der Wartburg. Zur Erinnerung daran wurde später im Eingangsbereich der Wartburg eine Tafel aufgehängt (s. Bild). Nach dem 2. Weltkrieg ließen die Franzosen sie entfernen, weil sie an die Volksabstimmung erinnerte, die 1935 zur Rückkehr der Saar zum Deutschen Reich geführt hatte. Nach der Volksbefragung im Oktober 1955 beschloss der Saarbrücker Stadtrat in seiner Sitzung vom 30.10.1956, die Tafel wieder zu errichten und am 13. Januar 1957 einzuweihen [1]. Sie ist noch heute dort zu sehen; an der Wand gegenüber der Tafel ist auch ein altes Foto des großen Festsaals angebracht. Es findet sich dort aber heute kein Hinweis auf die spätere Verwendung der Wartburg als Funkhaus von Radio Saarbrücken.

 

[1] Stadtratsbeschluss vom 30.10.1956 (Stadtarchiv Saarbrücken)

Foto: R. Freyer

 

 

1935 bis 1944: Nutzung der Wartburg durch den Reichssender Saarbrücken

 

 

Nach dem Anschluss des Saargebiets an das Deutsche Reich wurde im großen Saal der Wartburg am 4. Dezember 1935 die Eröffnung des Reichssenders Saarbrücken gefeiert.

 

Danach wurden bis zum Krieg zahlreiche größere Aufführungen im Wartburgsaal veranstaltet und im Radio übertragen. Es gab volkstümliche Programme (z.B. "Sperlings Bunte Bühne", die häufig im ganzen Reich ausgestrahlt wurde), aber auch Sinfonie-Konzerte des Rundfunkorchesters.

 

(Die eigentlichen Studios des Reichssenders waren aber in anderen Gebäuden der Stadt untergebracht - siehe Seite Rundfunkgeschichte im Abschnitt 1).

 

(Foto: Stadtarchiv Saarbrücken)

 

 

B) Die Saarbrücker Wartburg nach dem 2. Weltkrieg

 

Die Wartburg wurde im Krieg stark beschädigt. 1945 übernahm sie die französische Militärregie- rung, um sie notdürftig zu reparieren. Die evang. Kirchengemeinde konnte sie zwar weiterhin als ihr Gemeindehaus mitbenutzen, im großen Festsaal wurden aber schon am 30. November 1945 die Wartburg-Lichtspiele eingerichtet. Dies war damit (nach dem Kino im Johannishof) das zweite Lichtspielhaus der Stadt nach dem Krieg.

(Näheres dazu auf unserer Kino-Seite.)

 

Es fanden auch größere Veranstaltungen aller Art dort statt, wie zum Beispiel die erste öffentliche Nachkriegsversammlung der saarländischen Sozialdemokraten im Januar 1946. Auch die Oper des stark zerstörten Stadttheaters führte anfangs einige Vorstellungen in der Wartburg auf.

 

Diese beiden Fotos von 1951 bzw. 2010 zeigen die Wartburg von der Martin-Luther-Straße aus gesehen. Aus dieser Perspektive lässt sie ihre riesigen Ausmaße nur erahnen. Das eigentliche Gebäude erstreckt sich zwischen Martin-Luther-Straße und Hessenweg.

Foto links: Stadtarchiv Saarbrücken; Foto rechts: R. Freyer

 

Die Wartburg wird zum Funkhaus von Radio Saarbrücken

 

Die Franzosen wollten in Saarbrücken einen Radiosender zur Verfügung haben, der sie bei der Durchsetzung ihrer Ziele im Saarland unterstützen konnte. Und so gab es am 17. März 1946 in der Wartburg gut 10 Jahre nach der Eröffnung des Reichssenders eine erneute feierliche Einweihung.

 

Der neue Sender trug den Namen Radio Saarbrücken. Die Wartburg wurde zum Sitz und Funkhaus des Senders, der den Festsaal (Bild unten) als Großen Sendesaal verwendete. Daneben richtete er verschiedene Studios ein, die er zu unterschiedlichen Zwecken benutzte:

 

- Sprecherstudios für Wortsendungen, besonders die Nachrichten, die Stimme des Tages, religiöse Sendungen, Frauen- und Kinderfunk, die Saarlandbrille u.v.m.

 

- Sendesäle, die für Proben und Aufnahmen der verschiedenen Orchester verwendet wurden.

 

Fotos und weitere Informationen aus der Funkhauszeit der Wartburg finden Sie weiter unten.

 

Mehr über die Entwicklung des Rundfunks an der Saar im Allgemeinen und über Radio Saarbrücken im Besonderen können Sie nachlesen auf den Seiten Rundfunkgeschichte und Radio Saarbrücken..

Bild rechts:

Plakat zur RS-Eröffnung in der Wartburg am 17. März 1946. (Stadtarchiv Sbr.)

 

 

 

 

Die "Umwidmung" ...

 

... der Wartburg nach dem Krieg in ein Funkhaus und ein Lichtspielhaus löste bei deren Eigentümerin, der evangelischen Kirchengemeinde St. Johann, keine Freude aus.

 

In der Festschrift "375 Jahre evangelische Kirche an der Saar" von 1950 [1] ist in einem Bericht der Gemeinde St. Johann Folgendes zu lesen:

 

 

 

[1] Superintendent Wilhelm Engel, Dirmingen.

     375 Jahre evangelische Kirche an der Saar.

     1950. Seite 67.

 

Über die "Qualitäten" der Wartburg

 

In seinem autobiographischen Roman "La troisième personne" [1] beschreibt François-Régis Bastide (er stammte aus Biarritz) die Wartburg, so wie er sie Ende 1945 bei seiner Ankunft in Saarbrücken vorfand, als er dort eine Stelle im Informationsbüro der französischen Militärregierung einnahm (siehe auch auf unserer Seite Radio Saarbrücken im Abschnitt 8 Pausenzeichen, Fußnote 1.)

Über die Wartburg schrieb er in seinem Roman auf Seite 139ff:

(deutsche Übersetzung von Rainer Freyer)

 

"Die Wartburg in Saarbrücken ist ein riesiges Gebäude aus roten Steinen, dessen Architektur ziemlich afrikanisch anmutet. Sie überschaut ein Stadtviertel mit kleinen sumpfigen Schrebergärten, und man weiß nicht genau, ob sie ein Kino, eine Kathedrale, ein Museum, ein Spielkasino oder ein Hallenschwimmbad ist. Vor den Bombenangriffen war sie nur ein kleiner friedlicher Ort für protestantische Sozialarbeit. In dem großen Saal, der 1200 Personen fasst, wurden die Stimmzettel des 13. Januar 1935 ausgezählt, durch die die Saarländer zu ihrer geliebten deutschen Nation zurückkehrten, wobei 5 % der Stimmen (aus purer Höflichkeit) dem beschützenden Frankreich zugestanden wurden.

 

Dieser Saal hat eine wunderbare Akustik. Die politischen Reden, die lutherischen Predigten, die Chöre und Orchester haben die Schönheitsfehler ausgebügelt, die der Architekt so breit über sein Werk verstreut hat: Die Töne und die Stimmen haben die Wände geputzt und die Decken mit einer wundersamen Patina überzogen, sie haben die Unebenheiten geglättet und die Unschönheiten ausgeglichen, um einen Tempel des vollkommenen Klangs zu schaffen. Die Bomben und Geschütze haben die Wartburg verschont [2], während sie die gesamte übrige Umgebung zerstörten. (...)

 

Da der Saal gut beschützt war, wird er dem ganzen Saarland als künstlerisches Zentrum dienen, bis das Theater wieder aufgebaut ist. Diese Tatsache hält aber natürlich keinesfalls die kurzerhand neu organisierten politischen Parteien davon ab, sich dort jeden Sonntag vor den Gottesdiensten prächtigen Rededuellen hinzugeben. Das Wort geht dem Gebet voraus. Das Gebet der Musik."

 

[1] François-Régis Bastide. La Troisième Personne. Mulhouse, Paris, Lausanne 1948.

[2] Diese Aussage des Autors steht im Widerspruch zu derjenigen im Textausschnitt

     in der linken Spalte im zweiten Satz: "...mit schwersten Beschädigungen...".

 

 

Die Sendestudios von Radio Saarbrücken in der Wartburg  (Nach der Erinnerung von Ernst Becker, 2015)

 

Radio Saarbrücken hatte in der Wartburg sechs Studios zur Verfügung, von denen fünf für die laufenden Sendungen und für die Produktion verwendet wurden:

 

Studio 1

 

war der Große Sendesaal. Man benutzte ihn für öffentliche Veranstaltungen und für Orchesteraufnahmen. Sonntags vormittags wurden die technischen Einrichtungen auch als Sendestudio verwendet, z.B. für Schallplattenkonzerte.

Studio 2

Aufnahmen von Wort- und Gemischtproduktionen, wie Kabarettsendungen u.ä. So war z.B. A.C. Weiland häufig hier tätig.

Studio 3

 

 

Allgemeinproduktion: hier wurde "alles Mögliche" aufgenommen, z.B. Zeitfunksendungen. Außerdem diente es ab 1953 als Studio für die ersten eigenen Sendungen des UKW-Programms von Radio Saarbrücken ("2. Programm"); dieses zog später um ins Studio 26 (siehe weiter unten!).

Studio 4

Hörspielstudio

Studio 5

(keine Funktion)

Studio 6

Hier waren die beiden Abhör- oder Cuträume 6 und 7 untergebracht. Sie wurden u.a. für Überspielungen aller Art benutzt.

Studio 26

 

Dieses Studio beherbergte das UKW-Programm von Radio Saarbrücken ("2. Programm"), nachdem es aus dem Studio 3 ausgezogen war. Es befand sich ebenfalls in der Martin-Luther-Straße, aber in einem Haus weiter oberhalb der Wartburg.

 

 

1961: Umzug des Senders ins Schloss Halberg

 

Nachdem der Saarländische Rundfunk am 1. Mai 1959 in die ARD aufgenommen worden war (siehe hier auf der Seite Rundfunkgeschichte) erwies sich die Wartburg als immer weniger geeignet für den Betrieb eines Funkhauses. Sie war z.B. nicht genügend schalldicht: Wenn eine Straßenbahn oder ein großer Lkw durch die Nauwieser Straße fuhr, musste man die Produktion in den Tonstudios unterbrechen.

 

1958/59 wurde das neue Funkhaus auf dem Halberg gebaut, und 1961 zog der Saarländische Rundfunk dort ein; Stichtag war der 4. 9. 1961. Nur Hörspiele wurden noch einige Monate lang in der Wartburg produziert, bis die neuen Hörspielstudios auf dem Halberg fertiggestellt waren. Der Sender nannte sich nun nicht mehr "Radio Saarbrücken", sondern "Saarländischer Rundfunk", 1. bzw. 2. Programm.

 


 

              Fotos aus der Wartburg, als sie Funkhaus von Radio Saarbrücken war

 

 

Da der große Festsaal des Gemeindehauses eine wunderschöne Bühne und Platz für etwa 1500 Zuschauer hatte, eignete er sich hervorragend für die vielen öffentlichen Veranstaltungen des jungen Senders. Und so wurde er zum großen Sendesaal von Radio Saarbrücken.

 

Generaldirektor Losson und seine Mitarbeiter (ca. 1950)

 

V.l.n.r.:

Jean-Bernard Schiff, Leiter der literarischen Abteilung

Edwin Müller, Verwaltungsdirektor

Gérard Losson, Generaldirektor

Pierre Séguy, Sendeleiter

Harald Boeckmann, Chefredakteur

Dr. Rudolf Michl, Musikalischer Oberleiter

 

 

Blick in die verschiedenen Studios, Aufnahme- und Technikräume der Wartburg

 

Radio Saarbrücken war schon in den frühen 1950er Jahren "ein bestens ausgestattetes Unternehmen mit fünf vollständig ausgerüsteten Studios, Zehntausenden von Schallplatten und Bändern und über 200 fest angestellten Mitarbeitern.  (Website des SR von 2012)

Die folgenden Bilder bieten einen Einblick in die Einrichtungen des Funkhauses in der Wartburg.

 

Die ersten zehn Fotos sind der Broschüre "DREI JAHRE RADIO SAARBRÜCKEN" entnommen (Saarbrücken 1949; Landesarchiv Saarbrücken, B2482-A). Die Beschreibungen sind von Ernst Becker, Heckendalheim, der damals Toningenieur in der Wartburg (und später auch auf dem Halberg) war.

 

Der zentrale Schaltraum des Funkhauses

Studio III: Sprecherraum für Nachrichten und Wortsendungen

 

Regieraum1 zu verschiedenen Zeitabschnitten. Das linke Fenster zeigt zum Großen Sendesaal (Studio 1), das rechte zum Sprecherraum.

 

Studio 3

Hörspielstudio 4

 

Vorne zwei Magnetophonband-Geräte, hinten zwei tragbare Verstärker

Fernschreibraum der Nachrichtenredaktion

 

 

  Oben: Schallplatten- und Magnetophonband-Archiv

  Links: Studio 1: Sprecherraum, z.B. für die Nachrichten (Handgong!)

 

Sendepult im Regieraum zum Sprecherstudio "Regie 8". Fritz Lukas, einer der Tontechniker, steuert eine laufende Sendung aus.

 

       

Bild links: Sprecherraum Regie 8 - Bilder Mitte u. re: Einige Mitglieder des technischen Personals auf der Wartburg (sie waren später auch auf dem Halberg tätig):  Abteilungsleiter Studiotechnik Max Dietz, Aufsichts-Ing. Erich Engel und Fritz Lukas / Fritz Lukas und Ernst Becker

 

Links: Ernst Becker aus Heckendalheim; er hat uns die letzten neun Fotos zur Verfügung gestellt.- Rechts: Else Buchholz und Fritz Lukas

 

Der Regieraum zum Studio 2

Links eine Bandmaschine; darüber sieht man ein Fenster zum Hof.

Rechts das Regiepult mit den Reglern, durch die Glasscheibe dahinter hatte man Sichtverbindung zum Studio.

Vorne rechts zwei Plattenspieler, davor ein Verstärker-Gestell-Rahmen

 

 

Die Schallplatten-abspielgeräte der Senderegie 8

 

Hier wurde der Jahreswechsel im Regieraum direkt am Studio-Plattenspieler gefeiert.

Die Personen, v.l.n.r.: Rosel Wack, Uschi Eich, Waltraud Margraf (fast verdeckt vom LVD Fritz Müller); der Lockenschopf gehörte Marliese Mathis, hier geküsst von Josef Becker

 


 

 

C) Die Orchester von Radio Saarbrücken  (mit Bildern aus der Wartburg)

 

 


 

Der Reichssender Saarbrücken hatte bis 1945 über das "Große Orchester des Reichssenders Saarbrücken" verfügt. Nach dem Krieg wurden neue Rundfunkorchester aufgebaut.

 

Das Große Radio-Orchester

 

hier auf der Bühne des Sendesaals der Wartburg

 

Dr. Rudolf Michl leitete diesen kurz nach dem Krieg entstandenen Klangkörper des Saarbrücker Senders, der sich unter seiner Leitung zum Sinfonieorchester von Radio Saarbrücken (RSO) entwickelte.

 

Aus ihm heraus stellte Karl Ristenpart in den 50er-Jahren zusätzlich das Kammerorchester des Senders zusammen. Die beiden Musikergruppen entwickelten sich aufgrund ihres hohen künstlerischen Niveaus zu musikalischen Botschaftern des Saarlandes in Europa.

 

Karl Ristenpart lebte von 1900 bis 1967. 1913 kam er nach Berlin. Dort leitete er ab 1932 ein Kammerorchester, das seinen Namen trug, und nach dem Krieg ab 1946 das Kammerorchester des RIAS-Berlin. 1953 wechselte er ins Saarland und gründete dort zunächst das Kammer-Orchester Saarlouis. Dieses wurde kurz darauf in Saarländisches Kammerorchester umbenannt und hieß nach 1957 Kammerorchester des Saarländischen Rundfunks. Bekannt wurde Ristenpart vor allem als Bach- und Mozart-Dirigent. Er produzierte Hunderte von Aufnahmen für das Saarbrücker Radio und außerdem etwa 170 Langspielplatten, von denen mehrere mit dem Grand Prix du Disque ausgezeichnet wurden. Man sagt, dass verschiedene seiner Aufnahmen eine ganze Generation von Musikern in Frankreich und in den USA geprägt haben sollen. Posthum wurden auch zahlreiche CDs mit seiner Musik veröffentlicht.

 

Auch heute noch greift man offensichtlich (besonders in Frankreich) noch gerne auf Aufnahmen von Karl Ristenpart zurück:

Als im März 2015 im Fernsehsender ZDF-Kultur der 1999 gedrehte Film "Sade" von Benoît Jacquot lief, staunte ich nicht schlecht über eine Angabe im Abspann des Films unter 'Musique': "Sicilienne de Nicolas Fiorenza. Orchestre de Chambre de la Sarre dirigé par Karl Ristenpart." Eine späte Ehrung in einem Film, der erst 32 Jahre nach seinem Tod gedreht wurde... (R.F.)

 

Das Radio-Tanz- und

 

Unterhaltungsorchester,

 

Leitung Heinz Gebhardt

  

(später übernahm Edmund Kasper die Leitung dieses Orchesters)

 

Das Kleine

 

Unterhaltungs-Ensemble

 

unter

 

Rudi Braun

 

Foto: Funkwoche 1948

        Rudi Braun (im Bild ganz rechts) war ein ausgezeichneter Pianist und Akkordeonist und leitete das Unterhaltungs-Ensemble (auch

        Musik-Ensemble genannt) von Radio Saarbrücken. Das Bild links zeigt die Instrumentalgruppe im Jahr 1946.

 

Das

 

Radio-Unterhaltungsorchester

 

wurde von August Antoni

 

dirigiert.

 

 

Es ist hier im Studio 4 des Hörspielkomplexes der Wartburg zu sehen. Das Fenster im Hintergrund mit dem Vorhang zeigte zur Martin-Luther-Straße. Die Tür hinten führte zu dem Tonträgerraum, der zum Regieraum 4 gehörte (Hörspiel).

 

 

Weitere Orchester von Radio Saarbrücken:

 

Ende der 40er/Anfang der 50er-Jahre gab es für kurze Zeit ein Saar-Radio-Tanzorchester unter der Leitung von Michael Jary.

 

Das Tanzorchester von Radio Saarbrücken  leitete zunächst Manfred Minnich, ab 1964 Eberhard Pokorny.

 

Die Halberger Musikanten  spielten unter der Leitung von Wolfgang Kowatsch.

 


 

Quellenangaben:

 

Die Fotos der Orchester sind der Broschüre "DREI JAHRE RADIO SAARBRÜCKEN", Saarbrücken 1949, entnommen.

Copyright : Landesarchiv Saarbrücken (B2482-A). Bildbearbeitung: Rainer Freyer

 

Literatur-Hinweise zum Abschnitt C) Orchester:

 

Frank Rainer Huck. Die SR-Unterhaltungsorchester. In: Saarbrücker Hefte Nr. 96 (2006)

Zum Bericht über Karl Ristenpart: wikipedia

Mehr über:  Minnich, Hammerschmidt, Kowatsch und Pokorny: Bünte*) S. 108

                 Michl und Jary: Bünte S. 45

                 Braun: Bünte S. 45, S. 180

 

*) "Bünte": Bünte, Hans u.a. - Geschichte und Geschichten des Senders an der Saar. 50 Jahre Saarländischer Rundfunk.

    Freiburg, 2007.

 


 

 

Auch andere Orchester, Bands und Ensembles traten in der Wartburg auf.

 

Hier zwei Beispiele aus 1958 und 1960 (Fotos: Walter Gehring)

 

 

 

 

 

 

 

 

         

 

Ein Zeitzeuge berichtet, dass er eines Tages auch einmal Lionel Hampton bei einem Jazz-Konzert in der Wartburg erlebt hat. Als dieser auf dem Vibrafon spielte, kletterte er plötzlich auf sein Instrument, um von dort aus in gebückter Stellung weiterzuspielen. (Wolfram Grundhoff, 3.6.16)

 

 

Opern- und Operettenaufführungen sowie Ballet-Abende lockten während und nach der Saarstaatzeit das Publikum ebenfalls in die Wartburg. Beim Dreimäderlhaus (Bild links) sind die Preise in Mark angegeben; demnach fand die Veranstaltung 1946/47 statt (vor der Einführung des Franken). Auch die Aufforderung "Sammelt Bucheckern!" weist auf die frühe Nachkriegszeit hin.

 

 

Die Operette "Ein Walzertraum" von Oscar Straus wurde im August 1946 dreimal in der Wartburg und einmal in Saarlouis aufgeführt.

(Programm aus dem Bestand des Heimatmuseums Wellesweiler, M.J. Licht):

 

       

 

Künstlerische Leitung: Paul Maquaire; Saarländische Chöre von Hans Gillessen, Orchester von Radio Saarbrücken unter Dr. Rudolf Michel

 


 

 

 

 

Inhalt des Kapitels RADIO UND FERNSEHEN:

 

1)  Geschichte des Rundfunks im Saarland (von 1929 bis 1959 und später)

  

2)  Radio Saarbrücken:

     a)  Der Heimatsender der Saarländer

     b)  Radio-Erinnerungen

     c)  Reporter und Übertragungswagen

     d)  Die Familie Weissenbach  (die beliebten Moderatoren Gerdi und Fritz)

     e)  Die Saarlandbrille  (beliebte Sonntagssendung mit "Zick, Zack & Marieche")     

     f )  Die Wartburg (das Funkhaus von Radio Saarbrücken)

     g)  Der Mittelwellen-Sender Heusweiler  /  Bilder vom Heusweiler Sender

 

3)  Fernsehen im Saarland der 50er Jahre: Von TELESAAR zum SR-Fernsehen

 

4)  Europe 1

     a)  Der private französische Langwellensender Europe No 1     

     b)  Die Antennen-Anlage von Europe 1 - Mastbruch 2012

  

5)  Radio- und Fernsehgeräte aus saarländischer Produktion

 

Diese Seite wurde erstellt am 28.01.2010. Zuletzt geändert am 26.7.2017

 

 

nach oben

arrow4_u.gif

|

arrow4_L.gif zurück <---------> weiter arrow4_R.gif

wwwonline-casino.de

 

(Gesamt seit 2008)

 

Home (zur Startseite) > www.saar-nostalgie.de