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 4) Aufkleber und Handzettel

 

 



 

 

 

 

 

 


    

 

 

 

Ein wichtiges Mittel im saarländischen Abstimmungskampf von 1955 stellten Aufkleber (Klebezettel) dar. Parteifreunde und freiwillige Helfer brachten sie in den Städten und Dörfern an allen möglichen Stellen an, auf Wänden, Laternenpfosten, Türen, Toren usw. Die Anhänger der beiden Lager überboten sich darin, möglichst viele Aufkleber gut sichtbar anzubringen. Schulkinder und Jugendliche machten sich einen Spaß daraus, an diesem "Spiel" teilzunehmen. Man konnte sich die Zettel einfach in den Büros der einzelnen Parteien abholen, und dann wurde mit viel Spucke wild drauflos geklebt.

 

Wie die Aufkleber hergestellt wurden, sehen Sie ganz unten auf dieser Seite.

 

 


 

 

< Der Aufkleber mit dem 'falschen Bergmannssohn' wurde von der DPS geschaffen und verbreitet. Er zeigt JoHo als Bergmann verkleidet, der beabsichtige, nach der Billigung des Saarstatuts die Kohlen aus den Warndtgruben ohne Gegenleistung an die Franzosen zu verschachern. (Der Warndt ist ein rund 5.000 ha großes Waldgebiet im Südwesten des Saarlandes und stellte den weitaus größten Teil des saarländischen Kohlenreviers dar.)

 

 

 

"Der Dicke muss weg":

 

So lautete das bekannteste propagandistische Schlagwort der Nein-Sager im Abstimmungskampf. Es wurde auf Plakaten, hauptsächlich aber auf Klebezetteln verwendet.

 

"Der Dicke", das war Ministerpräsident Johannes Hoffmann, im Volksmund "JoHo" genannt. Auf dem berühmten Klebezettel war er sofort zu erkennen an der breiten Kopfform, der typischen Hornbrille und dem "Schnurres". Parole und Aufkleber wurden wie die vom falschen Bergmanssohn kreiert und propagiert von der DPS. Die Idee soll im Winter 1954/55 im Café Sartorio entstanden sein. Dort trafen sich Mitglieder der noch verbotenen Partei damals fast täglich zu einer "politischen Kaffeestunde". Dabei sei einmal dieser Slogan gefallen. Heinrich Schneider habe ihn sofort aufgegriffen und beschlossen, ihn zur Parole der Partei zu machen. Der Grafiker Hermann Müller aus Pferdsfeld (Hunsrück) soll einige Entwürfe angefertigt haben, und die Klebezettel wurden in der Druckerei Rheinland-Druck in Köln-Dellbrück hergestellt. Sie wurden ins Saarland gebracht und überall angeklebt - und sie "schlugen ein wie eine Bombe". [1]

 

[1] Heinrich Schneider: Das Wunder an der Saar, Seite 433f.

 


 

Die Aufkleber wurden in Rot oder Schwarz, in zwei Größen und mit verschiedenen Texten gedruckt.

 

       

 

Die kleineren dieser Aufkleber maßen 4 x 6 cm, also nicht viel mehr als eine Streichholzschachtel. Die größeren hatten das Format 7 x 10 cm. Alle waren gummiert und an den Außenrändern gezähnt (siehe ganz unten auf dieser Seite. - Da die Zähnungen bei den Aufklebern oft hässlich ausgerissen waren, haben wir sie bei den meisten Abbildungen weggeschnitten.)

 

     

 

     

 

Eine besondere Variante stellten die beiden folgenden Aufkleber dar. Sie kamen einige Zeit nach den bereits bekannten heraus und zeigten denselben Kopf mit Brille wie diese. Sie hatten aber einen blau-weiß-roten Hintergrund, und der Aufmacher war: "Der Dicke soll (bzw. will) bleiben -". Auf den ersten Blick dachte man, sie seien als eine Art "Retourkutsche" der Ja- Sager auf die ersten Versionen ("muss weg") kreiert worden. Erst beim Lesen der letzten drei Zeilen erkannte man die Ironie:

 

      

 

Später legte die DPS noch ein mehrfarbiges großes Plakat auf mit derselben Abbildung und der

Parole "Der Dicke muss weg - darum mit der DPS NEIN". (Siehe auf der Seite Plakate.)

 


 

 

Weitere Aufkleber der Demokratischen Partei

 

des Saarlandes (DPS)

 

 

Während ihr Parteiprogramm 1947 noch den Vorgaben der Besatzungsmacht entsprochen hatte, begann die DPS bald damit, gegen die enge Verknüpfung der Saar mit Frankreich zu protestieren. Deswegen wurde sie am 21. Mai 1951 von der Saar-Regierung verboten. Als drei Monate vor der Volks- befragung 1955 die pro-deutschen Parteien zugelassen wurden, erfolgte am 5. Mai 1955 die Wiedergründung der DPS. Sie kämpfte gegen das Saarstatut und schloss sich bald mit DSP und CDU-Saar zum Heimatbund zusammen.

Mehr über den Werdegang der DPS und der übrigen politischen Gruppierungen finden Sie auf der Seite Parteien.

 

Zu dem Adler auf den Aufklebern vgl. auch die diesbezüglichen Ausführungen auf der Seite Plakate.

 


 

 

Die Kommunistische Partei, Landesverband Saar (KP)

 

kämpfte ebenfalls gegen das Saarstatut, hatte aber andere Gründe dafür und stand daher in Opposition zum Heimatbund.

 

 

Acht Klebezettel der KP Saar

(etwa in Originalgröße)

 

  

Die KP (Landesverband Saar) war schon am 13. Februar 1946 lizenziert worden. Ihren größten Wahlerfolg erlangte sie bei der Landtagswahl 1952, bei der sie 9,5 % der Stimmen und damit 4 Mandate erreichte.

  

Nach der Rückgliederung des Saarlandes wurde sie verboten

(siehe dazu die Seite Parteien!)

 

 

Die Handzettel der KP wurden in der "NZ"-Druckerei hergestellt (NZ = Neue Zeit, Organ der Kommunistischen Partei,

Landesverband Saar). Die aufgedruckten Parolen warnten die Wähler vor bestimmten Folgen einer Annahme des Statuts.

Einige dieser Folgen traten nach dem Sieg des "Nein" aber doch ein: Preise, Löhne, Kanonen (Wehrpflicht).

 

Die Zettel wurden zum Teil von der Straße aufgelesen, man sieht noch die Schmutzabdrücke auf der Rückseite.

 

      

 

      

 

      

 


 

 

Aufkleber bzw. Handzettel der DSP

 

Der Vorsitzende der Deutschen Sozialdemokratischen Partei war Kurt Conrad.

Sie war eine der drei Heimatbundparteien, kämpfte also für das NEIN.

 

    

 

  

 

   

Auf der Rückseite des rechten Zettels steht (hier in Spiegelschrift lesbar): "Neue Grenzen verhindern Europa".

 


 

 

Drei besondere Aufkleber

 

Der Herausgeber des links abgebildeten Zettels ist nicht bekannt

 

         

 

rechts >:

 

Einer der wenigen Aufkleber

der SPS Richard Kirns. Diese hatte in den ersten Kabinetten

Johannes Hoffmanns zusammen mit dessen CVP die Regierung gebildet, war aber seit dem 17. Juli 1954 im 4. Kabinett Hoffmann nicht mehr vertreten. Sie setzte sich jedoch nach wie vor für die Annahme des Saarstatuts ein.

oben rechts:

 

Dieser Zettel stammte von der CSU-Saar, die sich Mitte der fünfziger Jahre ohne Mitwirkung und Billigung der bayrischen CSU gebildet hatte. Sie blieb eine unbedeutende Splitterpartei und erreichte bei der Landtagswahl 1955 nur 0,6 Prozent. 1957 vereinigte sie sich mit der CVP, und diese 1959 mit der CDU.

 

 

 

 

Oben: Zwei verkleinerte Original-Seiten aus den 1955 als Sammel-Alben verwendeten Schulheften

des Autors mit verschiedenen Aufklebern der CVP

 

 

              

 

Herausgeber dieser Zettel war die Europa-Bewegung des Saarlandes

 

 

 "Die Europa-Bewegung

             des Saarlandes"

 

 


 

     

 

 

 

      

 

Die beiden schwarz-rot-goldenen Aufkleber wurden vom DSB (Deutscher Saar-Bund) mit Sitz in Frankfurt/Main herausgegeben.

Man hatte sie wohl ins Saarland geschmuggelt. Eine gängige Methode dazu war der nächtliche Wurf aus einem fahrenden Zug.

 

 

Auch die linksgerichtete DDU, eine kleine Splitterpartei, war gegen das Statut:

 

 

 

Die Arbeiter- und Bauernpartei Saar war ebenfalls linksgerichtet, kämpfte aber für das Saarstatut:

 

 

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Wie die "Der-Dicke-muss-weg"-Aufkleber hergestellt wurden

 

Die Aufkleber waren kleine Klebezettel, die ähnlich wie Briefmarken neben- und übereinander auf größere Bögen gedruckt wurden. Sie waren auf der Rückseite gummiert und zwischen den einzelnen Aufklebern perforiert. So ließen sie sich leicht trennen, und die Zettel waren gezähnt. Die kleinformatigen Klebezettel wurden beispielsweise in Bögen zu jeweils 30 Stück gedruckt.

Das Bild zeigt zwei solcher Druckbögen.

(Quelle für dieses Bild: "Von der 'Stunde Null' zum 'Tag X'", Katalog zur Ausstellung des Regionalgeschichtlichen Museums. Herausgeber: Stadtverband Saarbrücken, 1990, Seite 312.)

 

 


 

Das Kapitel SAARSTATUT umfasst folgende Seiten:

 

1)  Das Saarstatut

2)  Volksbefragung und Abstimmungskampf

3)  Ergebnisse und Folgen

4)  Aufkleber (diese Seite)

5)  Flugblätter

 

 

  6)  Karikaturen

  7)  Plakate

  8)  Verse

  9)  Zeitungen

10)  Tumulte bei Kundgebungen

 


Diese Seite wurde zuletzt bearbeitet am 15.12.2015

 

 

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