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Eisenbahnen im

 

 

Saarstaat

 

 

 

 

2) Die Merzig-Büschfelder

 

 

Eisenbahn (MBE)

  

 

Von Karl Presser und Rainer Freyer   

 

 

In diesem Teil 2 des Eisenbahnkapitels berichten wir über

die private Eisenbahn MBE zwischen Merzig und Büschfeld.

 

Teil 1) behandelt die staatlichen Eisenbahnen SEB und EdS.

 

 

 

Das MBE-Gelände in Losheim vor dem Zweiten Weltkrieg       

 

 

Die "Kleinbahn Merzig-Büschfeld GmbH" nahm 1903 ihren Verkehr auf. Die 22,5 km lange normalspurige Eisenbahnstrecke führte von Merzig (an der EdS-Bahnlinie Saarbrücken - Trier gelegen) nach Büschfeld (an der Primstalbahn Lebach-Nonnweiler). Diese Kleinbahn war keine Staatsbahn, sondern gehörte zu gleichen Teilen dem preußischen Staat, dem Provinzialverband der Rheinprovinz und dem Kreis Merzig.

 

Die Bahn fuhr von Merzig aus entlang des Seffers-bachs über Brotdorf nach Bachem, dann weiter nach Losheim und längs des Nonnweiler Baches hinab zur Prims und über Münchweiler und Nunkirchen bis Büschfeld. Die größte Bedeutung hatte der Streckenabschnitt von Merzig-Süd bis Losheim.

 

Schwerpunkt des Eisenbahnbetriebs waren die Personenbeförderung aus dem Hochwald nach Merzig, die Zufuhr von Rohstoffen sowie die Abfuhr von Fertigprodukten für das dortige Villeroy & Boch-Werk und die Holzindustrie in Losheim.

 

Die eingleisige Strecke wurde mit Tender-Dampfloks befahren. Zur Zeit des Völkerbundes (1920 und 1935) überquerte die Bahn die Saargrenze. Bachem lag noch im damaligen Saargebiet, Losheim dagegen bereits im Deutschen Reich.

 

Während des Zweiten Weltkrieges befuhren Militärtransporte die Bahnstrecke und setzten ihr erheblich zu. Die Eisenbahn-gesellschaft erhielt 1942 den Namen "MBE, Merzig-Büschfelder Eisenbahn GmbH". Bei Kriegsende wurde der Betrieb zunächst eingestellt, aber schon Ende 1945 konnte er ab Merzig-Ost bis zur zerstörten Primsbrücke in Büschfeld wieder aufgenommen werden. Ab 21. Juli 1947 war auch die Gesamtstrecke wieder befahrbar.

 

Kurz danach gingen die Gesellschaftsanteile der MBE auf das Saarland über. Die MBE hatte eine eigene Betriebsführung und war weder Teil der staatlichen SEB noch der 1951 daraus hervorgegangenen EdS (siehe unsere Seite Eisenbahnen).

Das Bild vom Brotdorfer Bahnhof sehen Sie noch einmal ganz unten auf dieser Seite in einem Vergleich mit einem Foto von heute!

 

Bereits 1953 begann die Gesellschaft, den Personenverkehr von der Schiene auf die Straße zu verlagern und beschaffte hierfür eigene Omnibusse (Bilder davon sehen Sie auf unserer Seite Omnibusse 1 unter 3b).

 

Am 1. November 1959 wurde der Personenverkehr auf dem Bahnabschnitt Losheim-Büschfeld ganz eingestellt, am 27.5.1962 auch auf dem Streckenabschnitt Merzig-Losheim. Der Güterverkehr lief auf dem kleinen Teilstück zwischen Nunkirchen und Büschfeld zunächst weiter, wurde aber 1962 ebenfalls aufgegeben.

 

Ende 1987 stellte die MBE den Eisenbahnverkehr vollständig ein, da ihre Betriebsgenehmigung abgelaufen war. Der Omnibusbetrieb wurde von der Deutschen Bundesbahn übernommen.

 

Der Museums-Eisenbahn-Club Losheim (MECL) konnte den Streckenabschnitt von Merzig-Ost bis zur Dellborner Mühle "retten" und dort einen Museumsbahnbetrieb einrichten, der bis heute weiterbesteht (siehe ganz unten!).

 

Das Bild oben zeigt eine MBE-Lok mit einigen Waggons auf dieser Strecke im Jahr 2012.  (Foto: Ivonne Pitzius)

 

 

 

 

Fahrzeuge der MBE

 

Der Eisenbahnbetrieb wurde 1903 mit drei dreiachsigen Tender-Lokomotiven aufgenommen, die aus den Werken von Orenstein & Koppel (O&K, siehe Bild weiter oben) stammten; sie sollten bis 1959 in Betrieb bleiben. Eine weitere gleiche Lokomotive wurde 1906 beschafft, aber 1939 wieder verkauft.

 

Nach dem Krieg requirierten die Franzosen drei noch vorhandene DeDietrich-Triebwagen (Bild rechts) aus dem Bestand der MBE und brachten sie zur Westerwaldbahn. Nur einen Triebwagen konnte die MBE weiter verwenden; er stammte aus den Deutschen Werken Kiel (DWK). Unbeschädigte Personenwagen gab es keine mehr.

 

1951 gelang es, drei Triebwagen des Typs FNC und drei dazu passende Beiwagen des französischen Herstellers Billard & Cie zu beschaffen:

 

Dieser exotische Fahrzeugtyp war nach dem Krieg in Rekordzeit für französische Departemental-Bahnen entwickelt worden.

 

Die drei Triebwagen für MBE hatte man so gebaut, dass sie zusammengekuppelt dank ihrer Kanzeln, die die Wagendächer überragten, mit Hilfe einer eingebauten Dreifachsteuerung von nur einem Triebfahrzeugführer gefahren werden konnten. Die Rahmenkonstruktion stammte von Schienenfahrzeugen ab, Aufbauten, Motoren und mechanische Getriebe waren dem Omnibusbau entliehen. 40 Fahrgäste konnten sitzend und zusätzlich 42 stehend befördert werden.

Ihr Vierzylinder-Dieselmotor mit 80 PS von Panhard machte die Triebwagen etwas mehr als 60 km/h schnell. Sie ersetzten ab 1952 den Personenverkehr mit Dampfzügen. 1956 beschaffte die MBE noch ein weiteres dieser Fahrzeuge. 1963 wurden die Beiwagen an die SWEG (Südwestdeutsche Eisenbahngesellschaft) verkauft. Die älteren drei Triebwagen wurden 1965 verschrottet, der als Letzter gelieferte wurde an der Dellborner Mühle abgestellt.

("Freaks" des Triebwagens Typ FNC können sich einen interessanten Film in französischer Sprache unter diesem Link anschauen)

 

Für den Güterverkehr standen seit 1959 zum Ersatz für die drei unwirtschaftlich gewordenen Dampflokomotiven zwei Dieselloks R30 C des Herstellers Jung zur Verfügung. Sie wurden mit ihrer Leistung von je 330 PS bis zur Aufgabe des Betriebs im Jahr 1987 eingesetzt.

 

 

Alle nicht mit dem Namen eines Fotografen versehenen Bilder sind

von der ehemaligen Merzig-Büschfelder Eisenbahn GmbH.

 

 

Triebwagen Typ FNC des französischen Herstellers Billard & Cie, die auch bei der MBE fuhren, von der anderen Seite gesehen.

 

1953 feierte die Merzig-Büschfelder Eisenbahn ihr 50-jähriges Jubiläum.

Die Saarbrücker Zeitung berichtete darüber am 4. Juli 1953 und würdigte u.a. die Bedeutung der MBE für die saarländische Industrie.

 

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Literaturhinweise:

 

- Wolff, Gerd, Deutsche Klein- und Privatbahnen Teil 4, Hessen/Rheinland-Pfalz/Saar, Verlag Wolfgang Zeunert, Gifhorn 1975

- Festschrift der Merzig-Büschfelder Eisenbahn. Herausgegeben von der Betriebsdirektion der Merzig-Büschfelder Eisenbahn GmbH, o.D.

 


 

Anhang:

 

 

Der MECL veranstaltet nach eigenen Angaben auf seiner Website seit dem 12. Juni 1982 dampflokbetriebene Museumsfahrten auf den Bahnanlagen der ehemaligen Merzig-Büschfelder-Eisenbahn (MBE). Die Strecke ist ca. 15 km lang und führt durch eine der schönsten und abwechslungsreichsten Landschaften des Saarlandes. Die Gesamtfahrtdauer (Hin- und Rückfahrt) beträgt etwa zwei Stunden. Alle Züge sind bewirtschaftet, Fahrkarten gibt es im Zug. Der Club bietet auch einen kostenlosen Fahrradtransport an.

 

Weitere Infos finden Sie auf der Website http://www.museumsbahn-losheim.de/home.aspx

 

 

Das Eisenbahnmuseum Losheim am See

 

befindet sich auf dem ehemaligen Betriebsgelände der Merzig-Büschfelder Eisenbahn im Zentrum von Losheim. Das Museum ist Teil des Erlebnisbahnhofs Losheim am See, zu dem auch das Kulturzentrum Eisenbahnhalle und die Museumseisenbahn Losheim gehören.

Das Museum zeigt Fotos, Dokumente und Exponate aus der Geschichte der Merzig-Büschfelder Eisenbahn und der saarländischen Eisenbahngeschichte. Filme über die Geschichte der Merzig-Büschfelder Eisenbahn sowie der Film der Reihe Eisenbahnromantik über die Museumsbahn sind ständig zu sehen. Auf dem Gelände des Museums kann man vier Dampfloks (davon sind zwei fahrbereit), mehrere Dieselloks sowie zahlreiche Personen- und Gepäckwagen besichtigen.

Die ehemaligen Werkstätten der Merzig-Büschfelder Eisenbahn sind noch erhalten und dienen heute dem Museums-Eisenbahn-Club Losheim (MECL) zur Aufarbeitung historischer Wagen. Besucher können den Mitarbeitern beim Arbeiten am historischen Material zuschauen.

 

Weitere Infos finden Sie auf der Website http://www.losheim-stausee.de/tourismus/museumsbahn/eisenbahnmuseum.html

 

 

Bahnhof Brotdorf gestern und heute:

 

Oben links: Der Bahnhof Brotdorf in den 50er-Jahren,

die Farbbilder oben rechts und unten sind von 2016 (Farbfotos: Stefan Haas)

 

 

   

 

        Teile des mechanischen Stellwerks im Bahnhof sind noch erhalten.         Im Bild oben sind zwei Fahrstraßenhebel zu erkennen,

        im Bild rechts die Hebelbank für Signale und Weichen.

 

 

 

 > zu unserer 1. Eisenbahn-Seite (staatliche Bahnen SEB und EdS)

 

 


Diese Seite wurde begonnen am 21. Februar 2016 und zuletzt bearbeitet am 27.Mai 2016

 

 

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