oben

Home (zur Startseite) > www.saar-nostalgie.de


 

 

Die Industrie im Saarland      

 

 


 

Weitere Seiten zum Thema Industrie:

 

Bergbau (Saar-Gruben)

Dokumente aus dem Saar-Bergbau

Regelmäßigkeitsprämien für Bergleute

 

 

 

Hüttenwerke

Kokereien

Walzwerke

Glasindustrie 

   

Einzel-Beschreibungen der Gruben Viktoria Püttlingen, Hirschbach, Jägersfreude, Camphausen

Grubenomnibusse sind auf der Seite Omnibusse1 unter 1)


 

 

Einführung

 

In der Wirtschaft des Saarlandes steht die Kohle- und Stahlindustrie an oberster Stelle. Ohne sie würde es unser Land in der heutigen Form wahrscheinlich gar nicht geben - es wäre möglicherweise nur ein unbedeutender Teil der Pfalz...

 

Weitere Industriezweige sind die Metallverarbeitung, die Herstellung von Glas, Steingut und Mosaik, die Backstein- und Ziegelfabrikation, die Produktion von Kalk und Zement sowie die Holzverarbeitung (siehe Übersicht weiter unten!).

 

Dieses Saar-Nostalgie-Kapitel befasst sich ausführlich mit den Bergwerken, den Hütten- und Stahlwerken und anderen Industriezweigen im Saarland.

 

Foto: Der Stand der Unternehmensgruppe HADIR auf einer Internationalen Industriemesse in Paris 1955. (LA Saarbrücken)

 

 

Kohle, Eisen und Stahl

 

Schon vor einigen Jahrhunderten entdeckte man die Steinkohlevorkommen im Gebiet der mittleren Saar. Zunächst wurde die Kohle nur in bescheidenem Rahmen abgebaut, um sie an Ort und Stelle zu Heizzwecken zu verwenden. Erst ab etwa 1850 nahm die Industrialisierung ihren Lauf. Die Menschen an der Saar begannen allmählich damit, die riesigen Kohlenvorräte (siehe Karten weiter unten) in größerem Umfang aus der Erde zu holen. Außer zu Heizzwecken verwendete man sie nun hauptsächlich zur Erzeugung von Eisen und Stahl.

 

Als die Grenzlage des Landes an der Saar durch die Folgen des Krieges von 1870/71 beendet wurde, entstand der Wirtschafts- raum Lothringen-Luxemburg-Saar. Mit Hilfe der heimischen Kohle konnte das in der Nähe vorkommende phosphorreiche Eisenerz, die lothringische "Minette", verhüttet werden. So entstand ein Industrierevier, in dem Eisen und Stahl produziert wurden. Außerdem setzte man die Kohle auch zur Elektrizitätsgewinnung in Kohlekraftwerken ein.

 

Auch nach dem 1. Weltkrieg war das Saarland wegen seiner Kohlenvorräte für seine Nachbarn interessant. Ab 1920 erhielt Frankreich die wirtschaftliche Vormachtstellung in unserem Land und damit die Kontrolle über seine Gruben und Hütten. So sollte ein großer Teil der Schäden wieder gutgemacht werden, die es in dem durch Deutschland angefachten Weltkrieg erlitten hatte.

 

Dieselbe Situation entstand nach dem 2. Weltkrieg ab 1945. Wiederum geriet die Wirtschaft des Landes an der Saar unter die Kontrolle Frankreichs. Viele Industriestandorte waren, mit Ausnahme von Völklingen, schwer beschädigt. Es fehlten Tausende von kompetenten Arbeitskräften, die im Krieg gefallen oder in Gefangenschaft geraten waren. Erst in den frühen 50er Jahren wurden die Vorkriegszahlen der Produktion wieder erreicht und später sogar übertroffen.

 

Kurz nach dem Krieg galt es aber zunächst, die Wirtschaft wieder in Gang zu bringen. Da die Franzosen großes Interesse an einer baldigen Wiederaufnahme der Produktion hatten, begannen sie unmittelbar nach der Übernahme der Saar als Teil ihrer Besatzungszone damit, die wichtigsten Industrieanlagen wieder in Betrieb zu setzen. Als erstes übernahmen sie deren Verwaltung (siehe folgenden Abschnitt!).

 

Diese zeitgenössische Grafik erklärt, wie die Rohstoffversorgung der Schwerindustrie im saarländisch-lothringischen Raum funktionierte.

 

 

L‘administration séquestre – die Zwangsverwaltung  (Text: Karl Presser)

 

Unmittelbar nach Kriegsende stellte das französische Militär rund 60 saarländische Unternehmen unter Zwangsverwaltung. Diese gehörten überwiegend zu den Bereichen Schwerindustrie und metallverarbeitende Industrie (wie etwa Ehrhardt & Sehmer in Saarbrücken). Unter „administration séquestre“ wurden alle Banken, die Versicherungen und selbst Kinos gestellt (siehe hierzu „UT-Kino“ auf der Kino-Seite). Auch die Saargruben AG stand bis zur Gründung der Régie des Mines de la Sarre am 1. Januar 1948 unter Zwangsverwaltung. Diesen unschönen Begriff verwendete man indessen selten; man ersetzte ihn lieber durch "administration séquestre“. Die offizielle Bezeichnung der Völklinger Hütte lautete beispielsweise „Administration Séquestre der Röchling’schen Eisen- und Stahlwerke GmbH“. Wie man sieht, hatte die Sequesterverwaltung auf die handelsrechtliche Unternehmensform, hier GmbH, keinerlei Auswirkungen. Bis Ende 1947 war mehr als die Hälfte der saarländischen Arbeitnehmer, Bergleute eingeschlossen, in Betrieben beschäftigt, die unter „administration séquestre“ standen.

 

Das Hohe Kommissariat unter Grandval hatte eine eigene Abteilung für Sequesterverwaltungen. Deren „Directeur Général“ war Frédéric Schlachter. Er gehörte zum Kreis der Remigranten mit französischem Pass, die jetzt im Saarland erfolgreich agieren konnten. Er hieß eigentlich Friedrich Wilhelm mit Vornamen, war 1892 in Kirn an der Nahe geboren und 1935 nach Frankreich emigriert. Er gab sich als wahrer Tausendsassa. Nacheinander und teilweise gleichzeitig war er Leiter der Entnazifizierungsbehörde, Mitglied im Direktionskomitee der Régie des Mines, Mitbegründer der Werbeagentur SARAG, Generaldirektor der „Saarländischen Vermögensverwaltung“, Präsident des Aufsichtsrats der Saarländischer Rundfunk GmbH und Präsident, danach Vizepräsident der Industrie- und Handelskammer zu Saarbrücken. Er galt als „graue Eminenz“ im Saarstaat und wurde 1950 als Nachfolger in Personalunion von Wirtschaftsminister Singer und von Finanzminister Grommes gehandelt, wie der Spiegel am 25.5.1950 zu wissen glaubte. Da Schlachter offenbar argwöhnte, die Saarländer könnten ihm irgendwann den „Frédéric“ übel nehmen, publizierte er bereits ab 1948 wieder als Friedrich Schlachter und unterschrieb am liebsten ohne Vornamen. Adolf Blind, ab 1955 Finanzminister, war über Schlachters Kompetenz in Wirtschaftsfragen „sehr im Zweifel“. Johannes Hoffmann offenbar auch, denn er berief ihn wider Erwarten im April 1951 nicht in sein zweites Kabinett.

 

Die jeweils eingesetzten Sequesterverwalter agierten in „ihren“ Unternehmen meist als Generaldirektoren. Sie waren von sehr unterschiedlicher fachlicher und sozialer Kompetenz. (Siehe hierzu auch den Beitrag über das Bouser Röhrenwerk). Kurz nach der Gründung des Saarlandes erfolgte 1948 eine Neuordnung der Sequestrierung. Die saarländische Regierung errichtete ein Amt für Vermögensverwaltung. In seine Zuständigkeit fielen ehemaliges Reichs- und NSDAP-Vermögen sowie die Verantwortung für bestimmte öffentlich-rechtliche und gemischt-wirtschaftliche Unternehmen (Staatsbeteiligungen).

 

Die Anzahl der sequestrierten Unternehmen ging im Laufe der Zeit zurück. Im Saarstatut von 1954 wurde schließlich der völlige Fortfall der Zwangsverwaltung vorgesehen.  (Die beiden Fotos oben sind aus Zeit im Bild, Nr.11, März 1947)

.

Zuvor hatten sich die neuen Machthaber einfacher, aber erfolgreicher bilanztechnischer Tricks bedient: Unternehmen mit französischen Minderheitseignern bekamen aus Paris hohe Reparationsforderungen in Rechnung gestellt. Diese wurden nicht wirklich gezahlt, sondern auf der einen Seite den französischen Minderheitseignern zugerechnet und auf der anderen Seite vom deutschen Firmenanteil abgezogen. So entstand bilanziell die gewünschte französische Kapitalmehrheit am Unternehmen, und es konnte damit französisches oder frankophiles Führunspersonal berufen werden. Eine weitere Variante war die Übernahme durch Fusion von saarländischen mit französischen Unternehmen. Die Dillinger Hütte wurde so 1948 zusammen mit französischen Werken zur SOLLAC (Société Lorraine de Laminage Continu) verschmolzen. Dieses Vorgehen war keineswegs im Sinne der mit Amerikanern und Briten gemeinsam getroffenen Reparationsvereinbarungen. Beschwerten sich die alten Eigentümer über die kreativen Methoden der Franzosen, konnten oder wollten jedoch weder Amerikaner noch Briten dagegen einschreiten.

Für die Hütten in Neunkirchen und Völklingen schätzten die Franzosen dieses Vorgehen als chancenlos ein. Es gab dort so gut wie kein Fremdkapital. Die alten Eigentümer beider Werke zeigten sich zudem hartnäckig, wenn es um die Aufgabe von Ansprüchen ging.

 

Im Juni 1945 wurde Georges Thédrel als Sequesterverwalter und Generaldirektor in Völklingen eingesetzt. Er war ein anerkannter Fachmann und hatte auf dem Gebiet des Eisenhüttenwesens langjährige Erfahrung. Ihm war von Anfang an klar, dass er ohne das auf den Hütten noch vorhandene Führungspersonal nur geringe Chancen hatte, die Anlagen wieder anzufahren. Er degradierte deshalb viele Führungskräfte, auch wenn ihnen keine Verbrechen nachzuweisen waren, zu Arbeitern, beließ sie aber trotzdem in den alten Funktionen. 1948 wurden fast alle von dieser Maßnahme Betroffenen amnestiert. Im gleichen Jahr wurde Thédrel zusätzlich zum Sequesterverwalter des Neunkircher Eisenwerks bestimmt. (Foto: Archiv d.Saarstahl AG)

 

Thédrels Problem war, dass er kaum Mittel für notwendige Investitionen aus Paris bekam. Die Gelder, die Frankreich aus dem Marshall-Plan für die Hüttenindustrie zur Verfügung gestellt wurden, flossen nur zu 5% ins Saarland, obwohl der Anteil der Saarhütten an der Gesamt-Produktionsmenge im gemeinsamen Wirtschaftsraum 20% betrug. Das Geld wurde vorwiegend bei den lothringischen Wettbewerbern investiert.

 

Unter den gegebenen Randbedingungen ist es Thédrel umso höher anzurechnen, dass er einerseits die volle Inbetriebnahme des Neunkircher Eisenwerks bis Ende 1950 aus Marshall-Plan-Mitteln durchsetzte. Andererseits begann er 1952 mit der Verlegung der Saar in Völklingen und ab 1954 mit dem damit möglichen Bau eines dringend benötigten neuen Walzwerkes.

 

Rechts: Mme Grandval spielte eine "zündende" Rolle beim Wiederanstich im Neunkircher Eisenwerk am 15. Juli 1950.

 

(Foto: Landesarchiv Saarbrücken, Presse Foto-Actuelle)

 

Erst am 28.11.1956 wurde die Völklinger Hütte als letztes saarländisches Unternehmen aus der Zwangsverwaltung entlassen und an die Familie Röchling zurückgegeben. Die Feineisenstraße im Nauweiler Gewann, mit deren Bau Thédrel begonnen hatte, nahm am 29.5.1957 den Betrieb auf.

 

___________________________________

 

Verwendete Publikationen zu diesem Text:

 

Schneider, Dieter Marc. Saarpolitik und Exil 1933-1955. Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte. 1977, 4. Heft Oktober. Seite 543.

Blind, Adolf. Unruhige Jahre an der Saar 1947 bis 1957. Bd. 1. Quo vadis, Saarland? Frankfurt am Main. 1956.

Saarländisches Industrie- und Handelsadressbuch 1949. L. L. Kreutz Industrie-Verlag GmbH, Saarbrücken

Müller, Heinrich in: Völklinger Nachkriegsjahre 1945-1956 Teil 2, Harrer Druck GmbH, Völklingen, Juli 1998

Der Spiegel vom 09.03.1950: Saar Wirtschaft - Nichts zu sagen  (http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-44447687.html )

Der Spiegel vom 25.05.1950: Saar-Industrie - Sanfter Druck  (http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-44448458.html )

 

 

 

Überblick über die verschiedenen Wirtschaftszweige

 

im Saarland  (geschrieben für die Schulkinder der 50er-Jahre )

 

    Auf dem Bild ist das "Kraftwerk Weiher" bei Göttelborn zu sehen.

Industrie im Warndt...

   

 

... im Köllertal

 

 

Kohleabbau im Fischbach- und Sulzbachtal

 

    

     

Die hier im Faksimile wiedergegebenen Texte haben wir einem 34-seitigen Heimatkunde-Heftchen entnommen, das jeder junge Saarländer während der JoHo-Zeit in der Schule kennen gelernt hat (siehe Bild rechts!)

 

Die Angaben in dem Heft entsprechen etwa dem Stand von 1955.

 

 

 

 

... in Neunkirchen und Umgebung und in Homburg

 

Anm. zum Bild oben: Im Original war das Gefäß in der Mitte "Bessemer-Birne" genannt. Wir haben es nachträglich in "Thomasbirne" geändert. In den saarld. Eisenhütten wurden nur diese verwendet, weil das hier verarbeitete Roheisen nicht phosphor- und schwefelarm war.

 

 

Rechts:  Querschnitt durch ein Bergwerk   

 

 

 

  Hier liegt bei uns die Kohle (Skizze aus den 50er-Jahren)

 

  

 Skizze von Fritz Ludwig Schmidt, 50er Jahre                         

 

 


      

Weitere Seiten zum Thema "Die Industrie im Saarland":

  

Bergbau (Geschichte des Saar-Bergbaus, Die Gruben und Verschiedenes)

Dokumente aus dem Saar-Bergbau

Regelmäßigkeitsprämien für Bergleute

Grubenomnibusse sind auf der Seite Omnibusse

Einzelne Gruben: Viktoria (Püttlingen), Dudweiler-Hirschbach, Jägersfreude, Camphausen

 

Hüttenwerke  /   Kokereien  /   Walzwerke  /   Glasindustrie 


Diese Seite wurde begonnen am 23.02.2008 und zuletzt bearbeitet am 3.5.2017

 

 

nach oben

arrow4_u.gif

|

arrow4_L.gif zurück <---------> weiter arrow4_R.gif

wwwonline-casino.de

 

(Gesamt seit 2008)

 

Home (zur Startseite) > www.saar-nostalgie.de