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Kino in der Saarstaat-Zeit

 

 


 

Hier finden Sie allgemeine Informationen über die Entwicklung der Kinolandschaft im Saarstaat.
Auf unserer Seite
 Saarländische Kinos
 werden einzelne Lichtspielhäuser dargestellt,

und auf der Seite Star-Besuche lesen Sie über persönliche Auftritte deutscher Film- und Schlager-Stars in saarländischen Kinos.

     

 



 

 

1) Im Kino in den Fünfzigern
 

"Ins Kino gehen", das war in den Fünfzigern die beliebteste Art der Unterhaltung für die Saarländer. Dort genossen sie - neben den Filmen - das gemütliche und manchmal fast feierliche Ambiente der Lichtspielhäuser. Dazu trugen zum Beispiel die freundlichen Platzanweiserinnen bei, die bequemen Sessel (falls man nicht in ein Kino geriet, das noch hölzerne Klappsitze hatte), der in Falten gelegte (Kunst-)Stoff, mit dem die Wände zwecks Schalldämmung bespannt waren, und die dezente Saalbeleuchtung, die ganz langsam gedimmt wurde, nachdem der samtweiche Klang des Gongs (mit einem oder mehreren Schlägen) den Beginn der Vorstellung angekündigt hatte. Der Vorhang wurde langsam aufgezogen, und dann begann zunächst das Vorprogramm, meist ein Kulturfilm, und dann kam die Wochenschau.

Vorher und in der Pause vor dem Hauptfilm wurde das Publikum mit beliebten Instrumentaltiteln von Billy Vaughn oder Ray Conniff verwöhnt und durfte sich dabei die lokale "Autz"-Kinoreklame [1] anschauen, die mittels großformatiger Diapositive >
auf die Leinwand projiziert wurde. Währenddessen bot das Personal Coca Cola, Kartoffelchips (als Vorläufer zum Popcorn der späteren Jahre) und Eis am Stiel (Mischos Polar-Eis oder Miko) zum sofortigen Verzehr an. Der Erlös aus Dia-Werbung und Getränke-/Essens-Verkauf stellte neben dem Anteil am Eintrittsgeld die Einkünfte des Kinobesitzers dar. Er riss manchmal auch eigenhändig die Karten ab, um auf diese Weise seine Besucher persönlich willkommen zu heißen ... "das bindet!"

Persönliche Erinnerungen des Autors:  Als Jugendlicher freute ich mich die ganze Woche über auf den Sonntag Nachmittag, wenn ich wieder mit meinen Freunden um zwei oder um vier im Corona oder 'Burgtheater' die Kinder- bzw. Jugendvorstellung besuchen durfte. Es gab Märchen-, Dick und Doof-, Indianer-, später auch Musik- und Teenager-Filme zu sehen. In den frühen Jahren zahlten wir ganze 50 Franken für einen "Banditen-" oder "Rasier-Logen-Platz" [2]. Der Preis stieg jedes Jahr um 10 oder 20 frs. an, und der Höchststand lag kurz vor dem Tag X bei etwa 140 frs. (für einen Logenplatz musste man 300 hinlegen). Wir hatten meist viel Spaß an den lustigen oder spannenden Filmen. Für Pärchen im Backfischalter (der Begriff 'Teenager' kam erst in der 2. Hälfte der 50er-Jahre auf) war im fast dunklen Kino auch damals schon Knutschen angesagt - was in der letzten Reihe auf Loge sicher kein billiger Spaß war...

Bericht von Gerd Pannhausen, Sulzbach-Altenwald: Sonntags um 15:30 Uhr gab es die Jugendvorstellung für 50 Frs. auf allen Plätzen (Loge war allerdings gesperrt). Heißbegehrt war die erste Reihe im Sperrsitz, da hatte man eine ungehinderte Sicht über die Parkettsitze auf die Leinwand. Am liebsten schauten wir "Cowboyfilme" mit Hopalong Cassidy. Weitere Hits waren Piraten-, Abenteuer-, Tarzan-, Mantel- und Degen- oder Märchenfilme. Wir waren damals ja nicht wählerisch, andere Kinovorstellungen waren tabu und so freuten wir uns schon die ganze Woche auf die Sonntagsvorstellung. Etwas getrübt wurde die Vorfreude durch unseren selbstherrlichen Kaplan B. Um 14 Uhr war Christenlehre angesagt; dauerte normal eine Stunde - kein Problem. Aber wenn es ihm einfiel, hängte er einfach noch eine Art Andacht an, dann wurde es knapp, denn nach 15:30 Uhr wurde im Kino niemand mehr eingelassen. Fehlte man in der Kirche, gab es im Religionsunterricht "Haue"...

Zwiebelbrote mit Maggi. Petra Hallensleben erzählt: Nach dem Krieg ging die Oma meiner Mutter in einer saarländischen Mittelstadt oft ins Kino, hauptsächlich wegen der "Wochenschau". Man hatte damals ja noch kein Fernsehgerät und wollte "auf dem Laufenden" bleiben!! Tatsächlich wurde das Kino 2-3 mal pro Woche besucht, zu dritt oder zu viert, denn es kostete damals ja nur 50 Pfennige, und die drei Kinder waren noch klein... Gespielt wurden u.a. Filme mit Hans Moser (dieser nuschelnde Österreicher)... ich stell's mir grad vor... Meine Urgroßmutter nahm ab und zu Nußschokolade von zu Hause mit in die Kinovorstellung und zudem eine Kanne Milchkaffee mit Zucker!

 

Und die Leute nahmen gerne Zwiebelbrote mit Maggi als Snack mit ... es war ja "sellemols" ein bisschen anders als heute... da gab es kein Popcorn oder Eis und so'n Zeugs! Es war eine Zeit voller Entbehrungen, trotzdem glücklich, denn die Menschen hatten keine großen Ansprüche! Aber dennoch gab es genügend zu essen, man baute vieles im Garten an. Die Mahlzeiten waren schlicht, die Arbeit hart, die Erziehung war streng, die Menschen waren fromm, die Witwen verbittert ... So macht man Zwiebelbrote: Man nehme zwei frische Brotscheiben, bestreiche eine mit einer Halb/Halb-Mischung (aus Fauser's Landsieg und guter, französischer Butter). Dann schäle man eine Zwiebel, schneide diese in feine Scheiben und verteile sie gleichmäßig auf der "bestrichenen" Brotseite. Danach würze man bitte mit dem (echten) Maggi und salze die "Schmier" eventuell noch... Nun kommt der entscheidende Moment: Man lege sanft die andere Scheibe über die belegte Scheibe und drücke diese "mit Liebe" so fest, dass sie vom "Saft" benetzt wird! "Guten Appetit"! Der Kreativität sind (fast) keine Grenzen gesetzt!!

 

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[1]  8,5 X 8,5cm-Dias der Firma Adolf Autz, Saarbrücken. Sie warb mit "Annoncen-Expedition und Kinoreklame im ganzen Saarland".
      Oben
am Dia ist die Signatur der Agentur zu lesen. Es gab auch noch andere derartige Firmen im Saarland (z.B. Reklame-Knoll).
      Das oben abgebildete Original-Dia hat Ferdinand Kleineick zur Verfügung gestellt.
[2]  "Banditenloge" oder "Rasierloge" - so nannten wir die billigen Kinoreihen ganz vorne im Kino. Die (offiziellen) Namen der Plätze waren:
       2. Parkett, 1. Parkett, Sperrsitz, Loge.

 

 

 

2) Die Entwicklung der Kino-Szene in der Zeit von 1945 bis 1959
 

 

a) Kino in Trümmern

 

Schon vor dem Krieg hatten die Saarländer den Kinofilm als ein äußert interessantes Unterhaltungsmedium schätzen und lieben gelernt. In der Hauptstadt gab es z. B. im Jahr 1938 über 5130 Sitzplätze in neun Kinos, die etwa 1,6 Millionen Besucher anlockten. Sämtliche bestehenden Filmtheater wurden im Krieg zerstört oder stark beschädigt. Nach dem Einmarsch der amerikanischen Truppen im Saarland im März 1945 blieben alle Kinos zunächst geschlossen. Nach den Entbehrungen der Kriegszeit sehnten sich die traumatisierten Menschen aber nach ein wenig Ablenkung von ihrer Trauer und ihren Sorgen. Radiohören war für viele ein beliebtes Mittel der Zerstreuung, doch es fehlte etwas fürs Auge. An Fernsehen war damals noch nicht zu denken, und so wünschten sich die Leute ihre Kinos zurück. Die Saarbrücker vermissten ihren riesigen UFA-Filmpalast, das Apollo in der Kohlwaag- und das Gloria in der Trierer Straße, die Völklinger ihr Metropol, Zentral und Capitol, die Neunkircher das Corona oder Eden und die Saarlouiser ihr Capitol und Skala, um nur einige der geliebten alten Kinos zu nennen.

Als die Franzosen im Juli 1945 die Amerikaner an der Saar als Besatzungsmacht ablösten, ließen sie zunächst noch einige Monate verstreichen, bevor sie die Eröffnung von Lichtspielhäusern wieder erlaubten. Sie übertrugen die Kontrolle über die Kinos 1946 auf einen Sequesterverwalter (Administrateur-Séquestre; siehe Abb.) [1]. Dieses Amt übernahm Max Bernheim.

Wenn jemand ein Kino betreiben wollte, benötigte er zunächst die Genehmigung von der französischen Militärverwaltung. Außerdem musste er Bezugsscheine vorlegen, wenn er z. B. Holz, Leim oder Eisen für den Wiederaufbau kaufen wollte. Da es allenthalben an Brennstoffen mangelte, hatten die Kinobesucher anfangs eine bestimmte Menge an Kohlen oder Briketts mitzubringen, die sie zusammen mit dem Eintrittsgeld beim Kauf der Kinokarten abgeben mussten. Auf diese Weise konnten die Räume wenigstens notdürftig beheizt werden.

Die ersten saarländischen Kinos wurden nach dem Krieg in Saarbrücken eröffnet. Dort hatten zwei größere Veranstaltungssäle die Kampfhandlungen recht gut überstanden; in einem von ihnen ließ die französische Militärregierung das erste Nachkriegskino einrichten, und zwar im Johannishof in der Mainzer Straße 30. So konnten sich die Bürger vom 16. Oktober 1945 an, "wenn auch mit knurrendem Magen, von der Traumwelt des Filmes wieder einlullen lassen..." [2].

Die Resonanz in der Bevölkerung war so gewaltig, dass dieses erste Kino schon gleich nach seiner Eröffnung ständig überfüllt war. Deshalb schuf man kurz darauf, am 30. November 1945, im großen Saal der Wartburg (Nauwieser Straße 75) ein zweites Lichtspieltheater. Ein Jahr später, am 3. Oktober 1946, folgte das Volkshaus Burbach als drittes Nachkriegskino im Saarland. Damit standen insgesamt wieder 3000 Sitzplätze zur Verfügung.

Der große Ansturm auf die Kinos so kurz nach dem schrecklichen Krieg erklärt sich neben dem Bedürfnis nach Zerstreuung und Ablenkung auch daraus, dass die Menschen zwar noch reichlich Geld (in Reichsmark) besaßen, aber in den Geschäften nicht die Waren zum Kaufen vorfanden, die sie zum Leben dringend benötigten.

Da auch die Angst vor einer bevorstehenden Geldentwertung umging, befreiten sie  sich schnell von ihrer bisherigen sparsamen Haushaltsführung und gaben ihr ansonsten "nutzloses" Geld aus, um z. B. öfter mal ins Kino zu gehen.

Eine Kinokarte war schon ab 50 RPf zu haben. Als aber am 20. November 1947 der französische Franc als Währung eingeführt wurde, stieg das Angebot an Nahrungsmitteln, Bekleidung und Einrichtungsgegenständen in den Läden rasant an (vgl. unsere Seite "Das liebe Geld" unter B 2). Dies führte zunächst dazu, dass der Besucherstrom in den Kinos schlagartig zurückging. Nachdem etwa 1949 der größte Bedarf an täglichen Dingen gedeckt war, pendelte sich die Zahl der Kinobesuche schnell wieder auf dieselbe Höhe ein wie vorher.
 

b) Kino-Boom der 50er-Jahre

1948 öffneten in Saarbrücken drei weitere Lichtspielhäuser ihre Pforten. Sie waren klein bis mittelgroß und lagen in den Außenbezirken der Stadt. Das provisorische Kino im großen Saal des Johannishofs musste man schließen, um diesen wieder für andere Veranstaltungen verwenden zu können. Ende 1949 wurden zwei weitere Häuser wieder eröffnet, die vor dem Krieg schon in Betrieb waren: im Dezember 1949 das U.T. (Union-Theater, vor dem Krieg UFA-Palast - mehr über diese Neueröffnung finden Sie auf unserer Seite Saarländische Kinos) und das Metropol in Burbach.

1951 gab es im ganzen Land bereits über 50.000 Kinoplätze, und man zählte 15 Millionen Besucher im Jahr; das waren etwa zehnmal so viele Plätze und Besucher wie vor dem Krieg (siehe oben am Beginn des Abschnitts 2a). Die Abbildung rechts zeigt das Saarbrücker Filmangebot am 11. Januar. Im Laufe des Jahres kamen in der Hauptstadt drei weitere große neue Häuser hinzu: der Gloria-Palast in der Trierer Straße, das Passage-Kino in der Bahnhof- und der Scala-Filmpalast in der Futterstraße. Als 1952 das Kino in der Wartburg wieder geschlossen wurde (wahrscheinlich weil der große Saal immer häufiger von Radio Saarbrücken beansprucht wurde, dessen Funkhaus dort eingerichtet war), gab es jetzt in Saarbrücken zehn Lichtspielhäuser. Dieser Bestand erhöhte sich bis 1958 noch geringfügig auf zwölf.

Das war die große Zeit des Kinos. Die Anzahl der jährlichen Kinobesuche stieg im Saarland bis 1956 kontinuierlich an, wozu attraktive technische Innovationen wie Breitbild-Verfahren (CinemaScope) und Mehrkanalton wesentlich beigetragen haben. Aber von 1957 an gingen die Besuche zunächst langsam und nach dem Tag X sogar stark zurück.

Der Grund dafür lag wohl erstens in der Tatsache, dass die Saarländer ihr erspartes Geld nun lieber für den Kauf der lange entbehrten deutschen Waren ausgaben, besonders für Elektrogeräte wie Kühlschränke, Waschmaschinen, Radios, Plattenspieler u.ä. Daher sparten sie jetzt an anderen Dingen, z. B. Kinokarten...

Der zweite Grund für den Rückgang der Kinobesuche war aber, dass die bisher recht kleine Zahl von Fernsehteilnehmern an der Saar bald nach dem Tag X ruckartig anstieg. Denn als im September 1959 der neue Grundnetzsender auf der Göttelborner Höhe damit begann, das ARD-Programm mit hoher Sendeleistung (100 kW) auf Kanal 2 auszustrahlen (siehe unsere Seite Telesaar im Abschnitt 4), konnte man endlich fast im ganzen Saarland das Deutsche Fernsehen empfangen. Die Zahl der im Saarland vorhandenen Fernsehgeräte soll innerhalb eines Jahres von etwa 4 000 auf 20 000 angestiegen sein [3].

So konnten nun immer mehr Saarländer ihren Bedarf an Unterhaltung mit Hilfe des neuen Mediums decken. Ins Kino gingen sie zwar immer noch, weil man nur dort die neuesten Filme auf der riesigen Leinwand sehen und den hervorragenden Ton genießen konnte. Trotzdem sank die Zahl der verkauften Kinokarten gegenüber den Vorjahren stark ab. Als etwas später auch immer weniger große Filme produziert wurden, ging die Glanzzeit des Kinos ziemlich rasch zu Ende. Die negative Beeinflussung der Kino-Besucherzahlen durch das aufkommende Fernsehen zeigten sich nicht nur im Saarland, sondern auch im übrigen Bundesgebiet. Hier wie dort mussten viele Kinos, besonders in Dörfern und in den Vororten der Städte schließen.

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[1] Text der Verfügung aus: Journal Officiel du Commandement en Chef Français en Allemagne (Amtsblatt des französischen
     Oberkommandos in Deutschland) Nr. 51 vom 8. Januar 1947, Seite 552
[2] Siehe: Hans Trautes. Erinnerungen an Saarbrücken während des zweiten Weltkrieges 1939 - 1945. Wallerfangen und Saarbrücken, 1974.

     S. 125

[3] Siehe: Saarländischer Rundfunk (Hg.) Unser Sender an der Saar. 50 Jahre Rundfunk im Saarland. Saarbrücken, 1985. Seite 65.

Hinweis: Auf unserer Seite Saarländische Kinos finden Sie Einzelheiten und Bilder zu den Kinos in zahlreichen Orten und Städten.

 

3) Welche Spielfilme damals im Kino liefen


a) Vor 1945

Solange die Saar zu "Großdeutschland" gehörte (von 1935 bis 1945), zeigte man in den Kinos hauptsächlich Filme aus deutscher Produktion. Neben ausgesprochenen Propagandafilmen gab es auch Spielfilme zu sehen, die sich zwar meist durch eine hohe formale Qualität auszeichneten, inhaltlich aber im Grunde propagandistisch ausgerichtet waren (z.B. "Jud Süß" und ähnlicheWerke).


b) Die ersten Kinofilme in der frühen Nachkriegszeit

In den Filmen, die man nach dem Krieg im Kino spielte, wurde den Menschen wieder das dargeboten, was sie viele Jahre lang am meisten vermisst hatten: eine heile Welt. Die Menschen konnten endlich wieder, wenigstens für ein paar Stunden, ihre Alltagsorgen vergessen. Im Saarland liefen zunächst nur französische Filme, die schon vor oder während der deutschen Besatzungszeit gedreht worden waren, z. B. der allererste Film im Johannishof "Premier Bal" von 1941 oder in der Wartburg "L'Eternel Retour", 1943. Später liefen auch andere französische Werke, z. B. "La Belle et la Bête" von 1946, sowie amerikanische und britische Produktionen. Alle ausländischen Filme konnten in den ersten Jahren im Saarland noch nicht synchronisiert werden, weil es an den technischen Einrichtungen haperte. So liefen sie in der Originalfassung mit deutschen Untertiteln - die allerdings oft nur von den vorderen Sitzreihen aus zu lesen waren, weil sie auf der Leinwand häufig viel zu tief standen.

Manchmal zeigte man auch sogenannte "Reprisen", das waren deutsche UFA-Filme aus der Zeit vor 1945, die die Zensur der Militärbehörden überstanden hatten: Münchhausen (Hans Albers), Feuerzangenbowle und Quax der Bruchpilot (Rühmann), Immensee (Söderbaum) oder Die Zaubergeige (Quadflieg).

Bald jedoch begann die Welle der deutschen Heimat- und Revuefilme in unsere Kinos zu schwappen und die Leute anzulocken. Bei Kindern und Junggebliebenen waren Märchenfilme sehr beliebt, besonders solche, die als Zeichentrickwerke von Walt Disney aus den USA kamen.

Unsere Zeitzeugin "Ald Schwaduddel" erinnerte sich an ihre frühen Kinobesuche und einige Filme, die es damals zu sehen gab:

Den 1949 zur Eröffnung des UT-Kinos gezeigten Film Schneewittchen und die 7 Zwerge [das Bild zeigt den UT-Eingang mit der Filmankündigung] habe ich gesehen - helle Begeisterung! "Juchhei juchhei, die Arbeit ist vorbei", sangen die Zwerge.*)

Damals liefen die Filme manchmal sechs Wochen lang im selben Kino, und die Vorführungen der ersten Zeichentrickfilme von Walt Disney, z. B. auch Bambi, wurden geradezu gestürmt. An der Abendkasse gab es oftmals nur noch mit viel Glück eine Eintrittskarte, etwa wenn Tickets zurückgegeben wurden. Es war also sicherer, seine Karte im Vorverkauf zu besorgen. Geld hatten wir ja nur sehr wenig, aber bei so Kinobegeisterten, wie wir es waren, konnte man das Geld für schöne Filme immer irgendwie zusammenkratzen. Für gewöhnlich pflegte ich zu maulen, wenn ich zu Besorgungen losgeschickt wurde, aber zum Vorverkauf bin ich beinahe gerannt, um auch wirklich noch Karten zu bekommen.

Herrliche französische Filme (siehe auch weiter unten!) hat man gesehen, etwa Kinder des Olymp (Les enfants du Paradis, von 1945) oder Die Schöne und das Biest (La Belle et la Bête) und Orphée (1949), beide von Jean Cocteau und mit Jean Marais, La Symphonie Pastorale (1946) mit der jungen Michèle Morgan, und dann die schwungvollen amerikanischen Revuefilme wie Badende Venus (von 1944) mit Esther Williams. Seit diesem Film liebe ich südamerikanische Musik! Den Art-Déco-Stil, so vornehm, so elegant, bewundere ich seit den Revuefilmen mit Ginger Rogers und dem wunderbaren Fred Astaire... die Liste ließe sich unendlich verlängern! Damals konnte man auch noch ins Kino gehen ohne geschockt zu werden durch hemmungslose Sex-Szenen, das heißt, die allermeisten Filme waren jugendfrei. Die Kinder tobten noch nicht herum, denn sie waren noch unter einer gewissen Aufsicht, es gab noch kein Gekreische und keine Popcorn-Schlachten, Getränkedosen-Kicken und lauten Unterhaltungen. Schöne alte Kino-Zeiten!

*) Anm. v. R. Freyer: "Schneewittchen und die 7 Zwerge" - das war der erste Film meines Lebens! 1949 war ich sieben, und mein Vati war erst ein knappes Jahr zuvor aus der Kriegsgefangenschaft heimgekommen (siehe hier). Als er mit mir ins Corona in Neunkirchen ging, damit ich diesen Film sehen konnte, war ich tief beeindruckt - und natürlich begeistert! Auch meinem Vati schien er gefallen zu haben, denn danach hat er mich eine ganze Weile nur noch "Nieselpriem" genannt... (das war der Name von einem der Zwerge).

Jean-Claude Pinck berichtet: An die erwähnte Premierenaufführung von Disneys Schneewittchen kann ich mich erinnern. Ich war etwa 2 1/2 Jahre alt…. Als die Hexe erschien, ging ich auf Tauchstation unter dem Vordersitz!
 

c) In den 50er-Jahren

Die Saarländer konnten sich z. B. alleine im Jahr 1951 insgesamt 559 verschiedene Spielfilme anschauen. Der Anteil französischer Filme hatte inzwischen stark abgenommen. 89 Filme kamen in diesem Jahr aus Deutschland, 188 aus den U.S.A., 58 aus Oesterreich und nur noch 53aus Frankreich.1 Hinzu kamen noch 43 aus England, 17 aus Italien und 11 aus Spanien, Schweden, Argentinien und der Schweiz.

In diesem Jahrzehnt zeigte man Historienfilme ("Das Gewand"), Krimis oder "Thriller" ("Der dritte Mann"), Dramen ("Der Hauptmann von Köpenick"), verfilmte Romane ("Dany, bitte schreiben Sie"), Science-Fiction-Filme ("Kampf der Welten"), Western ("Vera Cruz") und meist anspruchslose Lustspielfilme ("Die drei von der Tankstelle", "Drei Männer im Schnee") oder auch rührselige Stücke wie "Grün ist die Heide" und "Moselfahrt aus Liebeskummer", für jüngere Zuschauer z.B. "Das doppelte Lottchen" und "Heidi", und dann kamen bald auch - noch sehr dezente! - Aufklärungsfilme ("Worüber man nicht spricht" oder "Falsche Scham"). Kassenknüller waren auch Filme wie "Die Brücke am Kwai", "Liane - das Mädchen aus dem Urwald" oder "Die Trapp-Familie".

Einen hohen Besucherandrang erlebten Rock'n'Roll-Filme wie "Rock around the Clock" (mit Bill Haley, 1954) sowie deutsche Musikfilme mit Caterina Valente und Peter Alexander, z.B. "Du bist Musik" oder "Bonjour Kathrin" (beide 1956). Nicht zu vergessen die Teenagerlieblinge Cornelia Froboess und Peter Kraus in "Wenn die Conny mit dem Peter" (1958) und "Conny und Peter machen Musik" (1960). Zahlreiche Stars von Bühne und Leinwand besuchten damals das Saarland persönlich und traten oft auf den Bühnen der Kinos auf (siehe dazu unsere Seite Star-Besuche im Saarland!)

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Literatur:

Hans Trautes. Erinnerungen an Saarbrücken während des zweiten Weltkrieges 1939 - 1945. Wallerfangen und Saarbrücken, 1974. Seite 125.
Inge Plettenberg. Schicksalhaftes Geschehen in Dur und Moll. In: Von der Stunde Null zum Tag X. S. 381 - 396.
Lichtspieltheater in Saarbrücken. Ein statistischer Überblick. In: Verwaltung und Statistik der Stadt Saarbrücken. Herausgegeben vom Statist. Amt der Stadt Saarbrücken, 1960. Seite 47ff.

Das Bild oben zeigt Kinostühle und Filmplakate der 50er-Jahre, die im Historischen Museum Saarbrücken ausgestellt sind.
(Foto: R. Freyer)

 

 

 4) Wie die Saarländer im Kino Französisch lernen sollten

 (Siehe auch ganz unten auf dieser Seite die SaarlandAlbum-Folge 59 von Bernd Kissel zu diesem Thema!)

Nach dem Krieg besetzten zunächst amerikanische Truppen unser Land. Im Juli 1945 lösten die Franzosen sie als Besatzungsmacht ab. Sie lösten das Saarland sehr bald aus der übrigen französischen Zone heraus und bereiteten den wirtschaftlichen Anschluss der Saar an ihr Land vor (er wurde Ende 1947 vollzogen). Im Zuge dieser Bestrebungen wollten sie offensichtlich die Bevölkerung auf ihre vorgesehene "französische Zukunft" oder zumindest auf eine enge Zusammenarbeit mit den Franzosen vorbereiten. Eine der Methoden, die ihnen dafür geeignet erschien, schildert unsere Zeitzeugin, die die Nachkriegszeit als Kind in Saarbrücken erlebte und 1946 zehn Jahre alt war. Unter dem Pseudonym "Die Ald Schwaduddel" beschreibt sie, was sie damals in den Kinos erlebt hat:

Für eine gewisse Zeit geschah in jeder Kinovorstellung die folgende Lächerlichkeit: Um uns vor Augen zu führen, dass wir uns doch besser von Deutschland lösen sollten, und um uns auf diesen Schritt vorzubereiten, lief als erstes immer ein Sprachkurs auf der Leinwand. Man sollte laut nachsprechen, was uns dort an französischen Vokabeln vorgesagt wurde. Natürlich hat das keiner getan. Daher mussten nach einiger Zeit die Platzanweiserinnen auf die Bühne, um laut nachzusprechen und das Publikum durch ihr schönes Beispiel zum Nachahmen zu animieren - das klappte aber auch nicht. Welcher Naivling bei den Franzosen sich davon versprochen hatte, dass wir Leute jetzt im Kino begeistert Französisch lernen wollten, weiß ich nicht. Wie lange das so ging, weiß ich auch nicht mehr.
(Siehe auch in
Erinnerungen der Ald Schwaduddel unter der Überschrift "Saarbrücker Kinos kurz nach dem Krieg".)

Bild rechts: Sogar im Kinoprogramm in Zeitungen und Zeitschriften wurde auf die Sprachlehrfilme hingewiesen! (aus Zeit im Bild Nr. 11 v. 9.3.1947)


Wir haben mehrere weitere Zeitzeugen befragt, ob sie sich an solche Französisch-Kurse im Vorprogramm saarländischer Kinos kurz nach dem Krieg erinnern könnten. Zunächst schüttelten alle den Kopf. Einige der Befragten meinten anfangs sogar, unsere "Schwaduddel" habe sich diese ganze Geschichte wohl nur ausgedacht. Aber schließlich wurden alle Zweifel zerstreut: Wir entdeckten in unseren Unterlagen eine kleine Broschüre von 1947 mit dem Titel "Sprach-Film-Kurse, System Mimephon" trug. In der Einleitung auf Seite 5 ist zu lesen:

"Lieber Leser! Der Inhalt dieses Büchleins dient dazu, Dir noch einmal gedruckt vor Augen zu führen, was Du zuvor im Kino bei der Vorführung des Miméphone-Films gesehen und gehört hast."

Damit war eine eindeutige Bestätigung für die Existenz der unfreiwilligen Sprachkurse gefunden, von denen unsere Zeitzeugin erzählt hatte.


Die Broschüre ist 1947 erschienen. Auf ihrer dritten Seite ist vermerkt:



Die Verlagsangabe lautete:


("Amt zur Verbreitung der französischen Sprache, Sulzbach/Saar")

Das Büchlein hatte 120 Seiten und wurde herausgegeben von MIMEPHONE, 30, Rue Grammont, Paris. Die Genehmigung dazu war nach Angabe im Heft erteilt worden "d. G. M. 110 v. 30.1.1947" (d. G. M. bedeutet wahrscheinlich "durch Gouvernement Militaire" = Militärregierung).

Inzwischen haben weitere Zeitzeugen darüber berichtet: Manfred Montag war z. B. kurz nach dem Krieg als Filmvorführer in mehreren Kinos in Dudweiler tätig. Er erzählte uns, dass dort ebenfalls solche Sprachkurse durchgeführt wurden, aber nach seiner Erinnerung nur in einem der Filmhäuser, nämlich im Union Theater (UT Dudweiler; siehe Seite Saarländische Kinos). Er meinte, den Franzosen wäre es damals am liebsten gewesen, wenn die gesamte Bevölkerung möglichst schnell Französisch sprechen gelernt hätte. Bei den Kinobesuchern seien die Kurse aber überhaupt nicht angekommen. Die Leute hätten ein so großes Desinteresse gezeigt, dass die Besatzungsmacht das Unterfangen bald wieder aufgab.

Auch Adolf Blind erwähnt die Sprachkurse in den Kinos. Im Band 1 seiner Zeitzeugenerinnerung "Unruhige Jahre an der Saar 1947 bis 1957" schreibt er über den Beginn der fünfziger Jahre unter anderem: "...In den Straßenbahnen waren keine Plätze mehr für Franzosen reserviert. Und in den Kinosälen gab es keine französischen Sprachübungen mehr vor den Vorstellungen." [1]

[1] Adolf Blind. Unruhige Jahre an der Saar 1947 bis 1957. Band 1. Quo vadis, Saarland? 1945 bis 1955. Frankfurt am Main, 1996. Seite 128.

Weitere Einzelheiten zu diesem Thema "Obligatorische Französisch-Kurse im Kino" siehe unten am Ende dieser Seite!
 


5) "Re-education" durch Vorführung von KZ-Filmen

Außer den unerwünschten Sprachkursen erwarteten die Kinobesucher in der frühen Nachkriegszeit noch andere Strapazen.

Die Besatzungsmächte legten großen Wert darauf, dass alle Deutschen genau darüber informiert wurden, welche Verbrechen Adolf Hitler und seine Gefolgsleute begangen hatten. Viele Menschen behaupteten ja nach dem Krieg, "nichts davon gewusst" zu haben. Manche sagten auch, sie hätten während des Krieges zwar durch Mund-zu-Mund-Propaganda oder durch heimliches Abhören sogenannter "Feindsender" (wie BBC London) von Gräueltaten des Naziregimes erfahren. Aber sie seien sich nicht sicher gewesen, ob diese Berichte der Wahrheit entsprachen, oder ob es sich nur um "Feindpropaganda" handelte.

Um dieser Unwissenheit bzw. Ungewissheit der Deutschen ein Ende zu bereiten, ließen die Militärregierungen nun in den Kinos vor dem Hauptprogramm kurze Dokumentarfilme vorführen, welche die Alliierten bei der Befreiung der Konzentrationslager gedreht hatten. So sahen die Kinobesucher jetzt zum ersten Mal die halbverhungerten Menschen, die aus den Lagern herauswankten, die Leichenberge und die anderen grauenhaften Zeugnisse von Misshandlungen der KZ-Insassen durch die Nazis. (Einige dieser Filme werden in letzter Zeit zum Zwecke der Dokumentation in unseren Fernsehprogrammen wieder gezeigt.)

Unsere Zeitzeugin "Die Ald Schwaduddel" erzählt: "All die Gräuel, die die Amerikaner nach der Befreiung der KZ in Deutschland entdeckt und gefilmt hatten, liefen da auf der Leinwand ab, auch in der Kindervorstellung oder in der Abendvorstellung, wenn die Eltern dabei waren. Bei den KZ-Filmen hielt mein Vater mir die Augen zu. Danach folgte dann "Dumbo, der fliegende Elefant", "Rintintin" oder "Zorro" oder ein Wildwestfilm.

Diese Art der "Umerziehung" der Deutschen war Teil der von den Allierten gewollten "Re-education" [1]. In einigen Gebieten der Westzonen versuchte man das Anschauen dieser KZ-Filme dadurch zu erzwingen, dass man den Menschen die zum Einkauf von Nahrungsmitteln zwingend notwendigen Lebensmittelkarten nur dann aushändigte, wenn sie durch die Vorlage von Kinokarten nachweisen konnten, dass sie im Kino waren und sich dabei die KZ-Filme angeschaut hatten. [2]

Ob die Vorlage von Kinokarten auch im Saarland zum Erlangen von
Lebensmittelkarten vorgeschrieben war, ist nicht überliefert. Aber die Militärregierung in Saarbrücken hatte sich noch etwas anderes einfallen lassen: Wer erst in der kurzen Pause zwischen Vorprogramm und Hauptfilm in den Saal zu schlüpfen versuchte, um sich so die KZ-Filme zu ersparen, wurde nicht mehr eingelassen, selbst wenn er im Besitz einer gültigen Eintrittskarte war. Es nutzte also nichts, eine Karte zu lösen und sich dann auf der Straße oder im Foyer herumzutreiben, bis der Hauptfilm begann. Vielleicht gab es einen entsprechenden Aushang im Foyer, etwa mit den Worten "Kein Eintritt mehr nach Beginn des Vorprogramms". Unsere "Ald Schwaduddel" erinnerte sich z. B. an herumschimpfende Kinokarteninhaber im Foyer des Johannishof-Kinos, die nach Beginn des Vorprogramms nicht mehr in den Saal gelassen wurden.

 

6) Filmzensur zur Saarstaat-Zeit

Neue Filme mussten im Saarland von einer Filmkommission begutachtet werden, bevor man sie aufführen durfte. Häufig wurden dabei anstößige oder gewalttätige Szenen herausgeschnitten. Dafür war die "Filmprüfungsstelle des Saarlandes" eingerichtet worden; sie hatte ihren Sitz in Saarbrücken, Am Staden 27. Viele Filme wurden erst ab 16 oder 18 Jahren freigegeben ("Charley's Tante" mit Heinz Rühmann wurde z. B. "ab 18" eingestuft!), und es sollen sogar Filme erst "ab 21" zugelassen worden sein.

Die "Zensurvorstellungen" fanden im Union-Theater (UT) statt. Ein großer Teil der Filme wurde in der deutschen Fassung geprüft. Sie hatten die Zensur der Alliierten und ab 1949 diejenige der bundesrepublikanischen FSK (freiwillige Selbstkontrolle) bereits passiert und dort eine Altersfreigabe erhalten, gegebenenfalls auch angeordnete Schnitte erlitten. Die saarländischen Zensoren sahen sich die Filme aber schwerpunktmäßig noch einmal an, allerdings durch eine noch strengere (religiöse!) Brille. Dabei achteten sie zusätzlich darauf, dass in ihnen sowohl Frankreich als auch das Saarland nur positiv dargestellt wurden.

Zum Thema Filmzensur berichten Zeitzeugen:

Im Saarland war ja eine Reihe von Filmen nur "Jugendfrei ab 18", und die Einhaltung wurde auch des Öfteren durch Polizeikontrollen nach der Wochenschau überwacht. Dieser Altersgrenze unterlag damals im Saarland auch der Film "Das Gänseblümchen wird entblättert", mit Brigitte Bardot in der Hauptrolle. Aber in Forbach, also in Frankreich, war der Film (unter dem Titel "En effeuillant la marguerite") bereits ab 16 Jahren zugänglich. Da fuhr dann so mancher Schüler mit der Straßenbahn bis zur Goldenen Bremm und nach Umsteigen weiter nach Forbach. In welchem Jahr das war? Ich denke, 1956 oder 1957. (Dietrich Arbenz)

Ich kann mich erinnern, dass eines Tages in einem Film mit der Tänzerin Marika Rökk eine vier bis fünf Minuten lange Tanzszene fehlte - obwohl sie bestimmt nicht "obszön" war. Man fragte den zuständigen Kommissar, warum er dies veranlasst habe. Er soll geantwortet haben, sie sei ihm "zu langweilig" gewesen... (Ernst Becker)

Hier folgt eine Anekdote zur Filmzensur in den 50er-Jahren, erzählt von dem Völklinger Günther Theis, (geb. 1927) [1] und aufgeschrieben von Karl Presser:

"Damals mussten wir beispielsweise Filme aus Deutschland importieren und verzollen. Und obwohl die Filme in Deutschland schon durch die Zensur gelaufen waren, wurden sie hier noch einmal zensiert, ehe sie gespielt werden durften. 1951 kam der Film "Eva und der Frauenarzt" ins Kino - eine Mischung aus Drama und Erotik. Der Film war erst ab 18 Jahren freigegeben, und die Kinobetreiber wurden angewiesen, ihn nur in getrennten Vorstellungen für Frauen und Männer zu zeigen (!).

Wir haben uns nicht daran gehalten und einfach ein Seil in der Mitte des Kinos gespannt. Links davon saßen die Damen, rechts die Herren. Doch das reichte den Sittenwächtern nicht. Als das rauskam, gab's einen Riesenärger."

[1] Anm. zu Günter Theis: Die Kinogeschichte des Saarlandes ist eng mit dem Namen der Völklinger Familie Theis verbunden. Günther Theis, in zweiter Generation Besitzer und langjähriger Betreiber mehrerer Kinos (siehe Seite Saarländische Kinos unter Völklingen), war bis 1997 der letzte Vorsitzende des bis dahin eigenständigen 'Wirtschaftsverbandes saarländischer Filmtheater'.

 

7) Kino-Technik in den Fünfziger-Jahren

 

Die folgenden beiden Bilder zeigen Ernst Becker, der ab 1952 im Funkhaus von Radio Saarbrücken in der Wartburg als Toningenieur arbeitete. Davor war er seit seinem Studium von 1949 an beim technischen Dienst der saarländischen Post angestellt. Dabei arbeitete er in seiner Freizeit nebenher in zwei Kinos als Filmvorführer: im Gloria-Palast und im UT Saarbrücken, sowie im REX und Metropol in Burbach. Er übernahm dort jeweils die Vertretung, wenn die hauptberuflichen Vorführer ihren freien Tag hatten. Im ersten Bild sehen wir ihn 1950 an einem der beiden Ernemann-Projektoren des Burbacher Metropol-Kinos. Das Foto unten rechts wurde 1952 im UT-Kino an einem Projektor der Fa. Eugen Bauer gemacht.

 

Filme wurden in den Kinos üblicherweise auf zwei meist nebeneinander stehenden Projektoren vorgeführt. Die Bedienung erfolgte vom Zwischengang aus. Filme wurden in mehrere "Akte" aufgeteilt angeliefert, die jeweils etwa 600 Meter lang waren und bis zu 22 min. liefen. Für einen Film benötigte man also vier bis fünf Akte. Diese kamen früher in Blechdosen oder Kartons verpackt an, später meist in Kunststoff-Runddosen. Der Vorführer startete einige Sekunden vor dem Ende eines Aktes den zweiten Projektor mit dem nächsten Akt und musste dann so genau umschalten, dass die Zuschauer den Übergang nicht bemerkten. Dazu wurden Lichtklappen am Projektor oder vor dem Projektionsfenster des Vorführraums benutzt, die den Strahlengang sperrten bzw. öffneten. Als Hinweise für Start und Überblendung waren früher kurze Blinkzeichen (Aktwechselmarken) in die rechte obere Ecke des Bildes einkopiert, die auch für die Zuschauer sichtbar waren. Deshalb hatte jeder Projektorplatz auch ein Beobachtungsfenster (siehe Bild unten)

 

Ernst Becker erzählt: Wir hatten damals eine einmalige Taktik, die wir zuweilen anwendeten. Bei der Erstaufführung eines Films lief dieser in zwei Kinos gleichzeitig - mit "Aktversatz"! Die Anfangszeiten waren verschoben. Als der 1. Akt in dem einen Kino zu Ende war, wurde er sofort mit einem Pkw zu dem anderen Kino gefahren. Und so ging es weiter, bis der Film zu Ende war. Wehe es kam mal was dazwischen... es war reine Nervensache! Wir haben zum Beispiel einmal im Gloria mit der Wartburg "gependelt", und zwar mit dem Film "Nachtwache" mit Dieter Borsche in der Hauptrolle. Die zweite Pendelei fand dann mit dem UT-Kino (früher Ufa-Palast) statt, ich glaube mit dem Marika-Rökk-Film "Kind der Donau" (er lief 1951 in Deutschland an). In Burbach wurde im Rex und im Volkshauskino ebenfalls gependelt, und zwar mit der Wochenschau. Den genauen Grund für das Pendeln weiß ich nicht mehr, entweder gab es nicht genug Kopien, oder es sollten vielleicht Verleihgebühren gespart werden?  (Fotos: Ernst Becker, Heckendalheim)

 

 

In den Projektoren wurden früher Lampen verwendet, die man als Kohle- oder Lichtbogenlampen bezeichnet. In diesen befanden sich Kohlestäbchen, die horizontal aufeinander zugeführt wurden. Wegen des Abbrands der Kohlen musste man ihren Abstand ständig nachregulieren, damals noch von Hand, später mit Hilfe eines Automaten. Da sich der Brennpunkt durch den ungleichmäßigen Abbrand ebenfalls verschob, musste er für beste Lichtausbeute ebenfalls nachgestellt werden. Dann trat die Beck-Effekt-Kohle auf den Plan, eine wesentlich dünnere Anodenkohle, die zur Erhöhung der Stabilität mit einem dünnen Kupfermantel umgeben war. In ihrer "Seele" waren ein Effektsalz und andere Zusatzstoffe integriert. Sie brachte eine wesentlich höhere Lichtleistung, hatte allerdings auch einen höheren Stromverbrauch.

 

Ernst Becker berichtet von einer Aktion, wegen der er Ärger mit seinem Chef bekam:

Bei der Premiere des Films "Der Dieb von Bagdad" ließ er den letzten Akt mit der neuen, wesentlich helleren Beck-Kohle laufen, die probeweise schon im Vorführraum lag. Ein Raunen ging durch das Publikum: So ein helles Bild hatten sie im Kino noch nicht gesehen. Beckers Chef aber war sauer auf ihn, weil er die Lampe eigenmächtig und ohne seinen Auftrag eingesetzt hatte.

 

Karl Presser ergänzt zum Thema Filmtechnik:    

Im Oktober 1953 schreckte das in den USA eingeführte Farbfernsehen die amerikanische Filmindustrie auf. Sie versuchte, dieser richtig eingeschätzten Bedrohung mit neuer oder verbesserter Technik entgegenzutreten. Ziel war die Einführung von Breitbildverfahren mit Mehrkanalton.

 

Durchsetzen konnte sich letztendlich auf breiter Front das im September 1953 erstmals bei einer öffentlichen Vorführung gezeigte CinemaScope-Verfahren. Das Seitenverhältnis war 2,55:1. Aufgenommen und vorgeführt wurde auf dem üblichen 35 mm breitem Filmmaterial. Den Breitbild-Effekt erzielte man dadurch, dass bei Aufnahme und Wiedergabe Vorsatzlinsen (Anamorphoten) zum seitlichen Stauchen und späteren Verbreitern des Filmbildes verwendet wurden. Für den Magnetton waren vier Kanäle (Spuren) auf den Vorführkopien untergebracht, wodurch Bild und Ton im Kino zwangsweise synchron liefen.

Im Gegensatz dazu verwendete ab 1955 das Todd-AO-Verfahren einen 65 mm breiten Film für die Aufnahme. Dieser wurde später für die Vorführung auf einen 70 mm breiten Film umkopiert, der mit sechs Magnetspuren für den Ton versehen wurde. Das Verfahren erforderte besondere Projektoren und stark gekrümmte Bildwände. (Abbildung links aus Wikipedia. Autor: Magica)

 

Die Rechte am System, das nach Michael Todd, einem Filmproduzenten und Ehemann von Liz Taylor, benannt war, hatte 20th Century Fox. Die Kameras waren schwer und teuer, das Arbeiten mit den beiden unterschiedlichen Filmformaten verursachte weitere Kosten.

 

Anfang der 60er Jahre erwarb Panavision die Rechte und führte CinemaScope als Panavision und Todd-AO als Super Panavision weiter. Die erfolgreiche Geschäftsidee der Firma war, zur Einsparung von Kosten die zur Produktion eines Filmes benötigte Technik an die Studios zu vermieten. 

 

Bis Ende 1956 waren in Saarbrücken Passage-Kino, UT, Scala und Gloria-Palast für CinemaScope-Vorführungen ausgerüstet. Es dauerte nur rund ein Jahr länger, bis fast alle Kinos nachgerüstet waren. Bei Billiglösungen wurde auf der alten, schmalen Bildwand einfach das Breitbild per Vorsatzlinse vorgeführt. (Einen ähnlichen Eindruck vermittelten viel später 16:9 Filme auf 4:3 Fernsehern.)

 

Todd-AO-Filme konnte man nur im Gloria Palast in Saarbrücken, später auch im Theater am Ring in Saarlouis und in der neu gebauten Filmbühne in Völklingen bestaunen.  

 

In Kinos mit Bildwandbreiten bis zu 16 Metern bei CinemaScope wurden auch Xenon-Hochdrucklampen eingesetzt. Die Projektoren waren luftgekühlt. Charakteristisch sind die dicken Abluft- und Abgasleitungen an der Oberseite des Lampengehäuses (siehe Bild oben links). Das Bildfenster mancher Projektoren hatte sogar Wasserkühlung. Trotzdem durfte der Film nicht stehen bleiben, damit er nicht durch die Hitze beschädigt wurde. Da die Kohlen eine Brenndauer von etwa 45 Minuten hatten, musste man sie danach wechseln. Beim Einatz von Xenonlampen entfiel der Kohlewechsel. Deshalb konnte man nun endlich mehrere Akte auf größere Filmspulen oder Teller hintereinander kleben (“koppeln“). Die Bestrebungen, den Kinobetrieb in Multiplex-Kinos weitgehend zu automatisieren, führten in den 70er Jahren zum Einsatz von Endlostellern, die ein Rückspulen des Filmes überflüssig machten.

 

Lichtspieltheater wurden in den 50ern wegen ihres “Kinotons“ geliebt. Da leistungsstarke Röhrenverstärker fast unerschwinglich waren, verwendete man neben besonderen Hochtonhörnern auch für tiefe Frequenzen große Hornlautsprecher, weil diese einen hohen Wirkungsgrad hatten. Man baute sie hinter den eigens dafür perforierten Bildwänden ein. Der Ton sollte ja aus der Bildmitte kommen. Das übliche Tonformat der Filme war der einkanalige Lichtton. In modernen, großen Kinos wurden bereits Breitwandfilme mit Vierkanal-Magnetton (rechter, linker, Mitten-, Effekt-Kanal) vorgeführt. Die Kopien dieser Filme waren teuer in der Herstellung und mussten wegen der empfindlichen Tonspuren sorgfältig behandelt werden.

 

Die eingesetzten technischen Verfahren wurden meist im Vor- oder Nachspann erwähnt, galten sie doch häufig als Qualitätskriterien. Bekannt sind beispielsweise CinemaScope für das Bild, Technicolor für die Farbe, ARRI für die Kameras, Klangfilm für das Tonsystem, und oft tauchte auch der Name des Kopierwerks auf, wie etwa Geyer-Werke.  

 

Ausblick: Das Aus für den 35-mm-Kinofilm in Europa ist absehbar. Grund dafür sind hohe Kosten für Herstellung und Transport der Kopien bei gleichzeitig schlechterer Qualität. Das Leben einer Filmkopie ist ohnehin endlich. Sie verschleißt, wenn sie abgespielt wird, sie verrottet, wenn sie zu lange aufgespult und nicht richtig klimatisiert gelagert wird. CinemaScope-Filme mit Magnetton können bereits nicht mehr als Originalkopie aufgeführt werden. In Deutschland werden immer weniger Filme im 35-mm-Format verliehen.

 

Produziert und bearbeitet werden sie heute überwiegend digital. Ernst Becker könnte sich freuen. Musste er damals im Bildwerferraum schwitzen, so ist dieser heute für den Digitalprojektor klimatisiert.

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Die Annonce vom Passage-Kino weiter oben haben wir einer Ausgabe der Saarbrücker Zeitung vom Juli 1956 entnommen.

Verwendete Literatur zur Projektorentechnik: Eugen Bauer GmbH, KinotechnischesTaschenbuch, September 1955.

 


 

 

Anhang zu Abschnitt  4) "Wie die Saarländer beim Kinobesuch Französisch lernen sollten":


Die erwähnte Broschüre ist 1947 erschienen. Möglicherweise war es die erste Auflage; es kann aber sein, dass es auch frühere Auflagen gab (1946?). Auf der dritten Seite ist vermerkt:



Die Verlagsangabe lautete:


("Amt zur Verbreitung der französischen Sprache, Sulzbach/Saar")

Das Büchlein hatte 120 Seiten und wurde herausgegeben von MIMEPHONE, 30, Rue Grammont, Paris. Die Genehmigung dazu war nach Angabe im Heft erteilt worden "d. G. M. 110 v. 30.1.1947" (d. G. M. bedeutet wahrscheinlich "durch Gouvernement Militaire" = Militärregierung).

Damals wurden also vor dem Hauptprogramm in vielen Kinos zunächst ein oder mehrere dieser Miméphone-Filme mit Szenen in französischer Sprache gezeigt. Danach erschienen einzelne Vokabeln und kurze Sätze mit Aussprachehinweisen und deutscher Übersetzung auf der Leinwand, und die Zuschauer wurden zum Nachsprechen aufgefordert.

 

Der Zeichner Bernd Kissel hat diese Unglaublichkeit in seiner Saarland-Album-Folge 59 karikiert (ganz unten auf dieser Seite).

 

Die Broschüre wurde wohl nach der Vorführung der Mimephon-Filme (oder erst nach dem Ende des Hauptfilms?) an die Zuschauer verteilt, damit sie zu Hause "weiter üben" konnten.

 

Dies ist der vollständige Wortlaut der Einleitung auf den Seiten 5 und 6 des Büchleins:

 

 

Hier sehen Sie ein Beispiel für die etwa zwölf zweisprachigen Dialoge in dem Kino-Sprachlehrbuch. Diese entsprachen wahrscheinlich den Szenen, die in den kurzen Filmchen gezeigt wurden. Hinzu kamen noch zahlreiche Vokabel-, Konjugations- und Leseübungen.  

 

 

 

Das M.R.S. bot aber auch Deutschkurse für die zahlreichen Franzosen an, die nach dem Krieg in unser Land kamen: nicht nur Angehörige der Besatzungstruppen, sondern auch viele Beamte und Angestellte, die nun Positionen in der Verwaltung der Saargruben sowie in Industrie und Handel einnnahmen. Sie benötigten in Ausübung ihres Berufes und im privaten Bereich Kenntnisse der deutschen Sprache. Die Abbildung der Teilnehmerkarte hat François Touret zur Verfügung gestellt.

 

               

 

Er erzählt, dass er den Kurs zusammen mit seinen Eltern besuchte (wobei er immer schon vor ihnen eine Antwort auf die Fragen des Unterrichtenden gab). Auf den Teilnehmerkarten wurde die Zahlung der Gebühren bescheinigt. Die hier abgebildete Karte ist auf einen Franzosen ausgestellt, der in der Max-Braun-Straße, heute Großherzog-Friedrich-Straße wohnte. Der Stempel beinhaltet die Inschrift "Mouvement pour le Rattachement de la Sarre à la France, Secrétariat de la Ville Sarrebruck".

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Am 7. Mai 2011 erschien in der Saarbrücker Zeitung auf Seite B3 diese Folge des Saarland-Albums des saarländischen Zeichners Bernd Kissel:


 

Auf unserer Seite Saarländische Kinos werden einzelne Lichtspielhäuser in vielen Orten des Saarlandes in Wort und Bild ausführlich dargestellt. Auf der Seite Star-Besuche lesen Sie über persönliche Auftritte deutscher Film- und Schlager-Stars in unseren Kinos.

 


Diese Seite wurde begonnen am 13.11.2010, zuletzt bearbeitet am 16.4.2017                 

 

 

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