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                  g)  Walter Lorang - Saar-Abstimmung 1955 - Erinnerungen eines Sohnes

                  h)  Kurt Diedrich - Im Exil - Lohnt es sich wirklich, das Saarland zu verlassen?

                   i)  Ursula Meier geb. Weiand, früher Türkismühle: Kindheitsgeschichten

 

    Weitere Zeitzeugenberichte finden Sie unter Vati kehrt heim und Geschichten von der Grenze.

   

 

 

 

g) Erinnerungen von Walter Lorang ( jun.) 

 

 

Walter Lorang (jun., Foto), geboren 1938 in Neunkirchen/Saar, "Scheiwer Atzel", Abitur am Krebsberggymnasium 1958. Studium der Theologie in Trier und München.
1964 - 1968 Kaplan in Daun (Eifel).
1968 - 1974 Militärpfarrer im Standort Büchel (Eifel).
1974 - 1999 Leiter des Katholischen Bildungswerkes Frankfurt am Main.
1994 - 1998 beurlaubt, um als geschäftsführender Vorsitzender des Fördervereins für die "Internationale Jugendbegegnungstätte Kreisau-Krzyzowa/Polen" Aufbau und Inbe- triebnahme dieser Begegnungsstätte in Polen zusammen mit der "Stiftung Kreisau für Europäische Verständigung" mit Sitz in Breslau/Wroclaw zu verwirklichen.

Ich bin verheiratet und habe zwei Söhne. Gemeinsam mit meiner Frau verbringe ich den Ruhestand im niederbayrischen Bäderdreieck. Zu den unvergessenen Erinnerungen meiner Kindheit zählen die Streifzüge durch die Wälder, Felder und Sandgruben auf der "Scheib", aber auch die Bombennächte, unsere Evakuierung nach Hünfeld/ Rhön und die Zeit des Hungerns nach Kriegsende.

Besonders geprägt haben mich die Zeit in der so genannten Illegalität, d.h. die Zeit, in der die deutschen Parteien an der Saar noch verboten, aber bereits sehr aktiv waren mit Blick auf den 23. Oktober 1955, sowie die ersten Monate des Kampfes um das Saarstatut ab dem 23. Juli 1955, dem Datum der offiziellen Zulassung der deutschen Parteien.

In den politischen Diskussionen in meinem Elternhaus in den Jahren unmittelbar nach dem Krieg spielte das Schicksal der Vertriebenen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten eine grosse Rolle. Damals konnte ich mir weder vorstellen noch ahnen, dass die Versöhnungsarbeit zwischen Deutschen und Polen einmal zu einem meiner Arbeitsschwerpunkte werden sollte. Für diese Tätigkeit wurde ich 1999 mit dem Kavalierskreuz des Verdienstordens der Republik Polen und 2010 mit der Dankbarkeitsmedaille des Solidarnosc-Zentrums-Gdansk/Danzig ausgezeichnet.



Walter Lorang ( jun.) 

Saar - Abstimmung 1955 - Erinnerungen eines Sohnes


 

 

Übersicht und Gliederung: (Ein Klick bringt Sie direkt zu dem entsprechenden Abschnitt!)

 

1.    Zur Einführung

2.    Persönliches zur Motivation. Beweggründe.

3.    Voraussetzungen des 23. Oktobers 1955 – aus meiner Sicht und Erfahrung

3.1  Schikanen der französischen Besatzungsmacht

3.2  „Nie wieder deutsch“

3.3  Die Erfahrung des Hungers

3.4  Katholische Kirche und Katholische Jugend an der Saar

4.    Die Zeit der Illegalität und des Abstimmungskampfes

4.1  Keine Rede- und Versammlungsfreiheit

4.2  Europäisches Saarstatut und / oder Deutschland – ein Widerspruch?

4.3  „Die Zeit war nicht reif“

4.4  Die angebliche ökonomische Attraktivität der Bundesrepublik Deutschland

4.5  Zur Situation am Vorabend der Abstimmung in Neunkirchen – Verhaftung

5.    Die Einigung des christlichen Lagers, ein beschwerlicher Weg

Anmerkungen

 

Alle Rechte vorbehalten. Kopien oder Nachdrucke sind ohne meine Einwilligung nicht erlaubt, Zitate nur mit Quellenangabe.

 

1. Zur Einführung

Die hier vorgelegten Ausführungen sind meine ganz persönlichen Erinnerungen, die sich tief in mein Gedächtnis und in mein Herz eingegraben haben. Ich bin mir dabei bewusst, dass andere Zeitgenossen zu den gleichen von mir berichteten Vorgängen unterschiedliche, womöglich gegensätzliche Erinnerungen haben. Ich bin daher offen für Widerspruch und Gespräch und auch bereit, mich gegebenenfalls zu korrigieren.

Zusammengeschrieben habe ich diese Erinnerungen erstmals im Winter 2007/2008 während eines Skiurlaubs in Bad Hofgastein, Österreich. Überarbeitet habe ich das Manuskript im Winter 2009/2010, endgültig abgeschlossen im Sommer 2010.

Ich habe das Erstellen des Textes als „Zusammenschreiben“ bezeichnet, d.h. ich habe mir im Laufe meines Lebens, vor allem dann, wenn mir Zeitungsberichte zu einzelnen Aspekten der Abstimmung von 1955 zugänglich wurden, die ich von sehr einseitiger Darstellung empfand, meine eigenen Notizen gemacht, stichwortartig und in kurzen Skizzen meine Erinnerungen festgehalten und in einer Mappe gesammelt. Später wollte ich sie dann in einer Art Familiengeschichte oder -chronik zusammenfügen. Die aktuellen Beweggründe werden nachfolgend beschrieben. Außerdem habe ich da, wo es mir sinnvoll erschien und möglich war, auch schriftliche Quellen, die größtenteils aus dem Nachlass meines Vaters stammen, herangezogen.

Schließlich habe ich das Manuskript meiner Schwester Martina Tholey und meinem Cousin Gerhard Lorang zur kritischen Durchsicht zugesandt. Beiden verdanke ich wichtige Informationen, die in den Anmerkungen eigens aufgeführt sind. Dem jetzigen Vorsitzenden der CDU Neunkirchen und ihrer Stadtratsfraktion, Herrn Karl Albert, habe ich das Manuskript ebenfalls zur Verfügung gestellt. Im Juni 2010 führten wir ein intensives Gespräch darüber, wofür ich äußerst dankbar bin. Im Verlauf dieses Gespräches wurde mir u.a. klar, dass es notwendig ist, meine Unterlagen noch einmal genauestens zu durchforsten nach historisch exakten Angaben zur Wirkungszeit meines Vaters und diese in meine „Erinnerungen“ aufzunehmen. In diesem Gespräch gab Herr Albert auch die Anregung, meine „Gedanken und Erinnerungen“, so die ursprüngliche Titelformulierung, als „Erinnerungen eines Sohnes“ zu benennen. Diese Anregung habe ich bei der Neuformulierung der Überschrift gerne aufgenommen.

In Erinnerung an den 23.Juli 1955: Sammarei, den 23. Juli 2010, Walter Lorang                                                                 arrow4_u.gifzur Übersicht

2. Persönliches zur Motivation. Beweggründe.

Es geht mir um Gedanken und Erinnerungen

- an den 23.Oktober 1955 und die Zeit davor, die nicht in Vergessenheit geraten dürfen

- an Tatsachen und Ereignisse um die Saarabstimmung 1955, die offensichtlich und gern in Vergessenheit geraten sollen

- an Erlebnisse und Erfahrungen, sowie Denken und Handeln eines damals 17-Jährigen

sowie um die Würdigung der Verdienste der vielen Menschen, die bei den Gedenkfeierlichkeiten zum 50. Jahrestag des Saarlandes mit und ohne Absicht namenlos geblieben sind, obwohl ohne deren furchtlosen Einsatz damals dieses Jubiläum nicht hätte gefeiert werden können und es vor allem kein Bundesland Saarland gäbe.

Einer dieser Namenlosen - gerade in der Stadt Neunkirchen und im Altkreis Ottweiler - ist mein Vater, der Schreinermeister Walter Lorang (sen., siehe Bild rechts), der in Stadt und Kreis die CDU gegründet hat. Seine ersten und engsten Mitarbeiter in Neunkirchen waren:

- der damalige Oberstudienrat Josef Scher, direkter Nachbar, der unmittelbar nach dem 23. Juli 1955   den Vorsitz der Stadt-CDU übernahm,
- der Redakteur
Hans Staut, ebenfalls in unmittelbarer Nähe in der Hermannstraße wohnend.

Diese drei Genannten haben besonders in der Zeit vor dem 23.Juli, in der Zeit der so genannten Illegalität, eng und konspirativ zusammengearbeitet. Getroffen haben sich die drei in der Regel in unserer Wohnung, im sog. Stübchen. Ich musste während der Treffen vor unserem Hause „Schmiere“ stehen, d.h. mich in der Nähe des Hauses aufhalten, um rechtzeitig vor ungebetenem Besuch durch die Polizei warnen zu können. Treffen im größeren Kreis fanden z.T. in unserer Schreinerei in der Zweibrückerstraße 11 statt. Die Namen derer, die auf Kreisebene bei der Gründung in der Illegalität mitgewirkt haben, sind mir entfallen, mit einer Ausnahme: Otto Arend, Lehrer aus Landsweiler-Reden. (Das Bild zeigt Walter Lorang sen., Ende der 50er Jahre. Foto: Foto Hartmann.)

Wenn heute nach 50 Jahren die noch lebenden Gründungsmitglieder geehrt werden, dann ist das nur recht und billig. Schließlich waren es anfangs doch nur wenige, die den Mut hatten, im Untergrund bei Aufbau und Gründung der CDU mitzuwirken. Sie haben auch die Hauptlast z.B. bei der Verteilung von Schriften und Flugblättern, die ja nur bei Nacht und Nebel erfolgen konnte, getragen. Mich persönlich macht es schon sehr betroffen und es verletzt mich auch, dass bei diesen Ehrungen nicht meines Vaters gedacht wird, der die Gründung der CDU auf Stadt und Kreisebene initiiert hat. Es gab in der Illegalität ein Netzwerk von Kontakten und Verbindungen derer, die in der Stadt Neunkirchen und im Kreis Ottweiler konspirativ die Voraussetzungen geschaffen haben, dass am 23. Juli 1955 ein Parteibüro für Stadt und Kreis am Hüttenberg eröffnet werden konnte. Man muss sich dabei klar machen, dass ein enormer Zeitdruck herrschte: Nur drei Monate standen für Gründung und Aufbau der Struktur der CDU zur Verfügung, und gleichzeitig musste der Wahlkampf zur Abstimmung am 23. Oktober inhaltlich und organisatorisch bewältigt werden. Und die Spinne in diesem Netzwerk vor dem 23. Juli war mein Vater, der dann mit seinen Freunden in Stadt und Kreis ganz legal nach dem 23. Juli die einzelnen Ortsverbände gründen konnte. Ich erinnere mich, dass mein Vater oft erst spät in der Nacht nach Hause zurückkehrte, da an einem Abend manchmal mehrere Ortsverbände gegründet wurden.

Mit der Konspiration und Geheimhaltung in der Illegalität war es offensichtlich nicht sonderlich weit her. Die Polizei wusste Bescheid, und mein Vater bekam das zu spüren und zu wissen. Ich erinnere mich sehr genau, wie atemlos und gehetzt mein Vater nach einer für ihn noch gut ausgegangenen Verfolgungsjagd durch die Polizei zu Hause ankam. Mein Vater hatte einen Informanten bei der Polizei, der ihn in der Regel rechtzeitig vor den Razzien warnen konnte. Manchmal hat das aber nicht geklappt. Ein auch mir bekannter Neunkirchener Polizist hat einmal meinem Vater gesagt: „Wir wissen genau Bescheid. Am 23. Juli macht Ihr Eure Geschäftsstelle am Hüttenberg auf.“ Von daher ist es nur allzu verständlich, dass meine Mutter, meine Schwester und ich in großer Unruhe waren, wenn mein Vater zu versteckten Treffen wegfuhr bzw. abgeholt wurde. Zudem wussten wir das auch nicht immer vorher, oft haben wir erst im Nachhinein erfahren, dass er wieder in Sachen CDU unterwegs war. Selbst nach dem 23. Juli dauerte diese Angst und Sorge noch lange an.

Ausschnitt aus dem Briefkopf der Schreinerei Gebr. Lorang.

So ist es für mich nicht hinnehmbar, dass der Name meines Vaters verschwiegen wurde, als auf Stadtebene der Gründung der CDU nach 50 Jahren gedacht wurde. Darüber hinaus - so mein Eindruck - ist das politische Wirken meines Vaters weitgehend in Vergessenheit geraten, aus welchen Gründen auch immer. Das hat er nicht verdient. Schließlich hat er neben seiner Familie auch seine berufliche Existenz gefährdet.

Gewiss ist die schriftliche Quellenlage über die Aktivitäten in der sog. „Illegalität“, d.h. vor dem 23. Juli 1955, unbefriedigend. Aber in der Zeit danach? Das Urteil der Zeitgenossen und politischen Weggefährten über den Menschen Walter Lorang und sein politisches Wirken ist unmissverständlich. So hat z.B. nach einem Bericht der Saarbrücker Zeitung vom 29. März 1966 der Kreisparteitag, auf dem Werner Scherer zum Nachfolger meines Vaters gewählt wurde, „MdL Walter Lorang mit allen Stimmen bei einer Stimmenthaltung zum Ehrenvorsitzenden mit Sitz und Stimme auf Lebenszeit gewählt.“ In dem Bericht heißt es dann weiter: „Dank und Anerkennung übermittelte Dr. Röder dem scheidenden Kreisvorsitzenden. In den zehn Jahren seines Wirkens habe Walter Lorang die Partei im Kreis Ottweiler nicht nur repräsentiert, sondern auch durch sein menschlich und politisch sauberes Wesen geformt.“ In einem Nachruf der „Saarbrücker Zeitung“ vom 5. April 1972 zum Tode meines Vaters heißt es abschließend: „Den CDU-Kreisverband Ottweiler führte Lorang vom Juli 1955 bis März 1966. Als ihn damals der jetzige Kultusminister Werner Scherer ablöste, ernannte ihn die Delegiertenversammlung spontan zum Ehrenvorsitzenden des Kreisverbandes (...) Walter Lorang (...) war ein Mann des Ausgleichs. Aktiv im Ringen um die Wiedereingliederung des Saarlandes in die deutsche Heimat, hat er schon bald nach dem Abstimmungserfolg 1955 mit die Wege zur Einigung des christlichen Lagers bereitet. Es war viel der Aktivität und Umsicht dieses erfahrenen Mannes zu danken, dass Trennendes nach harter politischer Auseinandersetzung so schnell überwunden wurde.“ In einem weiteren Beitrag der „Saarbrücker Zeitung“ (vom 8. April 1972) heißt es: „Walter Lorang (...) erfreute sich insbesondere in seiner Heimatstadt großer Beliebtheit und Wertschätzung. (...) Er half überall dort, wo er konnte, ungeachtet der politischen oder religiösen Einstellung der Bittsteller, die mit ihrem Anliegen zu ihm kamen. So wird sein Name nicht nur in der CDU, die er in Neunkirchen und im Kreis Ottweiler maßgeblich mit aufbauen half, sondern auch in der Kommunal- und Landespolitik, vor allem aber in Kreisen jener , denen er stets mit Rat und Tat zur Seite stand, unvergessen bleiben“.

Weiterhin erscheint es mir geboten, darauf hinzuweisen – gerade weil es viele heute nicht mehr wissen bzw. gar nicht wahrhaben wollen – dass es vor dem 23. Juli keine Rede- und Versammlungsfreiheit gegeben hat; oder mit den Worten meines Vaters, der lange genug diese Einschränkungen ertragen musste: „Bislang gab es an der Saar keine Redefreiheit in Wort und Schrift. Nur diejenigen, die französisch-europäische Politik machten, hatten das Recht der freien Meinungsäußerung.“ (1)

Außerdem wurden diejenigen, von denen in der Illegalität bereits bekannt wurde, dass sie „bei de annere sin“ (= bei den anderen sind, also Neinsager) und dann später nach dem 23. Juli die Ortsverbände gründeten, schief angesehen, gerade im „christlichen“ Lager. Das hatte einen eindeutigen Hintergrund: In den Hirtenbriefen zu den Wahlen in vorausgegangener Zeit wurde immer wieder aufgefordert: „Wählt christlich“! Häufig wurde dies direkt mit „Wählt CVP“ von den Kanzeln auch so vorgelesen, zumindest war es so gemeint. Die CVP, das waren die "besseren" Katholiken. Dazu einige Beispiele:

Meinem Vater, der Mitglied des Kirchenvorstandes war und daher bei den hl. Messen „mit dem Körbchen gehen“ musste, also Geld einsammelte, wurden immer wieder Zettel in das Körbchen geworfen mit der Aufforderung, aus der Kirche zu bleiben. In einem anonymen Brief heißt es: „Sie katholischer Kommunist, bleiben Sie endlich aus der Kirche raus. Niemand kann zwei Herren dienen.“ (2)

Bei seinem Heimatpastor, dem damals in Neunkirchen allseits bekannten Dechanten Wilhelm Wein, hat sich mein Vater als Stadt – und Kreisvorsitzender der CDU vorgestellt. Er bat seinen Pastor, dafür Sorge zu tragen, dass die Christen in der CDU in ihrer Gewissens- entscheidung für Deutschland respektiert und nicht weiter diffamiert werden. Die Antwort lautete: „Ich weiß das schon, ich bin informiert. Walter, ich bin froh, dass Du wenigstens dabei bist.“ Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Was aus der Sicht des Pastors Anerkennung und Vertrauensbeweis für meinen Vater sein sollte, war für alle anderen CDU-Engagierten eine schallende Ohrfeige. Mein Vater hat diesen Satz auch nicht als Kompliment aufgefasst.

Der Slogan „Wählt christlich“ diente in den Augen meines Vaters auch dazu, die Ergebnisse der Landtagswahlen zu verfälschen: „Die durchgeführten Landtagswahlen konnten daher nie ein klares Bild ergeben, weil man angeblich ja nur weltanschaulich, d.h. christlich oder sozialistisch zu wählen hatte. Versteckt in der Politik dieser beiden Parteien hatte man den Anschlussgedanken getarnt. Wer eine der Parteien aus wirklich weltanschaulichen Gründen gewählt hatte, der hatte nach Auffassung dieser Männer den wirtschaftlichen Anschluss an Frankreich befürwortet.“ (3)

Es ist für mich nicht einsehbar und auch nicht nachvollziehbar, dass aus der Spitze der Bundes- wie der Landes-CDU die Weisung ausgegeben wurde, bei der 50-Jahrfeier alles zu vermeiden, was die alten Gräben wieder aufreißen würde. „Die Wahrheit wird euch frei machen“, steht schon im NT (Joh. 8, 32). Diesem Satz fühle ich mich verpflichtet. Und nach 50 Jahren müsste es in diesem biblischen Geist möglich sein, dass diejenigen, die von Anfang an bei der CDU - die Zeit der Illegalität mit einbegriffen - dabei waren und diejenigen, die aus dem Lager der CVP zur CDU gestoßen sind bzw. sich auch heute noch dieser Seite verpflichtet fühlen, offen und ehrlich miteinander umgehen, nichts verschweigen, sagen, was jeder für notwendig erachtet. Nur so ist Versöhnung möglich! Ich weiß, wovon ich rede: Ich habe den Versöhnungsprozess zwischen Werner Scherer und meinem Vater teilweise mitverfolgen können.
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3. Voraussetzungen des 23. Oktober 1955 – aus meiner Sicht und Erinnerung

Damit meine ich Fakten und Faktoren, die die Stimmung der Menschen an der Saar über lange Zeit beeinflusst haben. Sie haben später im Abstimmungskampf bewusst oder unbewusst eine besondere Rolle gespielt.

3.1 Schikanen der französischen Besatzungsmacht

Ich beschränke mich darauf, nur das zu berichten, was meiner Familie widerfahren ist.

So war z.B. bekannt, dass die französische Armee von Amerikanern und Briten aus der Gefangenschaft entlassene deutsche Soldaten bei ihrer Ankunft auf ihren saarländischen Heimatbahnhöfen sofort verhaftete und in französische Gefangenschaft verbrachte. Meinem Vater blieb durch Glück, Fügung oder ein kleines Wunder dieses Schicksal erspart. Und das verhielt sich so:

Mein Vater war in britischer Kriegsgefangenschaft, genauer gesagt in „Reservation“, auf der Insel Fehmarn in der Ostsee. (Er erzählte später, dass sich in diesem Lager das Gerücht hartnäckig halten konnte, Briten und Amerikaner wollten die deutschen Kriegsgefangenen so schnell wie möglich entlassen, damit aus ihnen wieder eine Armee für den Einsatz gegen die Sowjetunion zusammengestellt werden konnte.)

Briten und Amerikaner – so mein Vater – hatten bevorzugt in ihre jeweiligen Besatzungszonen entlassen. Da der letzte Aufenthaltsort, den mein Vater von seiner Familie wusste, in der damaligen amerikanischen Besatzungszone lag, ließ er sich dorthin entlassen: Hünfeld/Rhön (wir waren dorthin evakuiert worden, siehe Abschnitt 3.3). Als er dort ankam, war meine Mutter mit uns Kindern wenige Tage vorher abgereist.

 

Also machte sich mein Vater auf den Weg nach Neunkirchen. Zwischen Wiebelskirchen und Neunkirchen stoppte der Zug: Keine Einfahrt in den Hauptbahnhof von Neunkirchen, Zeitpunkt der Weiterfahrt ungewiss. So entschloss sich mein Vater, auf freier Strecke auszusteigen und in Richtung Wagwiesental, Steinwaldstraße, Scheib und Hermannstraße, wo wir wohnten, zu marschieren. Am Ende der Steinwaldstraße/Anfang Scheib trifft er einen Klassenkameraden, der ihn heftig am Arm packt und ihn in den nächsten Hauseingang zerrt. Wie er denn so in seiner Marineuniform frei herumlaufen könne, fragte er meinen Vater, da die Franzosen doch jeden deutschen Soldaten schon am Bahnhof gefangen nehmen würden. Er solle äußerst vorsichtig sein beim Weitergehen. Nun, etwas anderes als seine Uniform hatte mein Vater nicht am Leib . Aber er war ja schon ganz in der Nähe unseres Hauses, das er dann auch sicher und unerkannt erreichte.

Die Zollkontrolle in Saarhölzbach war berühmt und berüchtigt, gerade unter Frauen. Denn hier tat sich eine bestimmte französische Zöllnerin besonders durch ihre Leibesvisitationen hervor. In Saarhölzbach – Grenzstation des neuen „Saarlandes“ zum ebenfalls französisch besetzten Rheinland-Pfalz – mussten alle Zugpassagiere mit ihrem Hab und Gut den Zug verlassen und wurden durchsucht. Gepäck durchwühlen, Abtasten und Beschlagnahme von Nahrungsmitteln waren normale Prozedur. Manche Frauen, nicht alle, wurden von einer französischen Zöllnerin in einer Kabine einer Leibesvisitation unterzogen, die jegliches Schamgefühl vermissen ließ. Meiner Mutter blieb dieses Schicksal erspart. Sie wusste aber von mitreisenden Frauen, die noch auf der Weiterfahrt berichteten, was ihnen widerfahren war, und von Bekannten, die Ähnliches erlebt hatten.

In späteren Jahren wurden die Zollkontrollen humaner. Man musste nicht mehr aussteigen, die Zöllner kamen in den Zug, kontrollierten Abteil für Abteil, und da auch nicht jeden Reisenden. Ich war auf dem Weg nach Trier zu meinem Patenonkel, um dort die Ferien zu verbringen. In meinem Rucksack hatte ich fein säuberlich und mit einer gewissen Systematik meine Wäsche und sonstige Utensilien verpackt. Ein Zöllner betritt das Abteil, schaut zum Gepäcknetz hoch, deutet auf meinen Rucksack und schaut in die Runde. Zunächst warte ich ab, stehe aber dann auf, nachdem der Zöllner sich an dem Rucksack zu schaffen machte. Er öffnet den Rucksack und fängt an, wahllos Wäsche herauszuholen und zu wühlen. „Est ce que c'est ça, la politesse francaise?“ spreche ich ihn an, worauf er sofort aufhört. „C'est à moi, si vous voulez, je vous présente tout ce qui se trouve dans mon sac à dos.“ (Ist das die französische Höflichkeit? Das gehört mir, wenn Sie wollen, zeige ich Ihnen alles, was in dem Rucksack ist.“) Der Zöllner entschuldigte sich kurz bei mir. Dass ich ihn auf Französisch ansprach, hatte ihn beeindruckt. Aber das Durcheinander in meinem Rucksack musste ich schon selbst beseitigen.
                                                                                                                                                                                  
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3.2. „Nie wieder deutsch

An den Anfang – auch von der geschichtlichen Entwicklung her - gehört für mich der Satz Johannes Hoffmanns, den ich hier nur sinngemäß wiedergebe: Das Land, in das ich zurückkehren werde, wird wohl nie wieder deutsch werden." Dieser Satz war lange Jahre vor seiner Erwähnung in „Der Spiegel“ (4) fester Bestandteil der Kritik meiner Eltern an Johannes Hoffmann und mir so geläufig und vertraut wie die Erfahrung des Hungers unmittelbar in den Jahren 1945/47. Schließlich zählten meine Eltern zu den wenigen Saarländern, die 1935 bei der Saarabstimmung auf der Seite von Johannes Hoffmann standen und für den Status quo stimmten. Auch hatten sie noch Verständnis dafür, dass Johannes Hoffmann nach der Abstimmung aus dem Saargebiet geflohen ist. Kein Verständnis hatten sie aber dann nach seiner Rückkehr für seine Hinwendung nach Frankreich und sein Bemühen, die Saar dort anzubinden. Im Gegenteil: Sie versagten jede Mithilfe dazu und setzten sich von diesem Moment an für die Rückkehr der Saar nach Deutschland ein. Deutschland, das es jetzt aufzubauen galt, war und bleibt für meine Eltern das Vaterland. Das war nicht gegen Frankreich und gegen „die“ Franzosen gerichtet, geschweige denn so etwas wie eine Kampfansage, obwohl die Saarländer nach den Erfahrungen mit der französischen Besatzungsmacht einer deutsch-französischen Verständigung nicht unbedingt zugeneigt sein mussten. Dies war der Tenor der Gespräche in unserer Familie, an die ich mich gut erinnern kann.

Wie schon berichtet, hatte mein Vater das Glück, nach dem Krieg sehr schnell aus englischer Kriegsgefangenschaft entlassen zu werden. Als er begann, zusammen mit seinem Bruder die Schreinerei wieder in Betrieb zu nehmen und um Aufträge bemüht war, wurde er von einem alten Bekannten aus der katholischen Szene auf eine Gründung der CVP in Neunkirchen angesprochen. Es war der langjährige Direktor der "Neunkirchener Buchdruckerei und Verlag“, Josef Staub. Mein Vater sprach nur - wie das in Neunkirchen so üblich war - vom „Staub Sepp“, der ihn - und das über Jahre hinaus - für eine Mitarbeit in der CVP gewinnen wollte. Ein Motiv für Staub waren das persönliche Ansehen und die Stellung, die mein Vater innerhalb des saarländischen Handwerks, besonders im Schreinerhandwerk, einzunehmen begann. Mein Vater ließ sich für eine Mitarbeit gewinnen, ist aber sehr bald, noch im Gründungsjahr und vor den Landtagswahlen 1947, wieder ausgetreten. An dieser Stelle muss ich offen gestehen, dass die anfängliche Mitgliedschaft meines Vaters in der CVP mir völlig unbekannt war und nicht zu meinen Erinnerungen zählt. Diese Information habe ich dem Handbuch „Landtag des Saarlandes. Saarbrücken 1957, S. 359 entnommen. Aber einer der Gründe, weshalb mein Vater auf Distanz zur CVP gegangen ist und auch späteren Versuchen, ihn umzustimmen, widerstanden hat, ist mir sehr genau in Erinnerung geblieben : Er werde alles tun, um zu verhindern, dass sein Sohn einmal als Soldat der französischen Armee in Algerien oder Marokko kämpfen müsse. Das wiederum wies der „Staub Sepp“ empört zurück und appellierte an das christliche Gewissen meines Vaters: Die Christen müssten zusammenstehen und die Gefahr des Kommunismus bekämpfen. Dieses Argument kann für die damalige Situation an der Saar nicht hoch genug eingeschätzt werden: Es wurde besonders der katholischen Bevölkerung im Vorfeld der Abstimmung über die Verfassung 1947 immer wieder vor Augen gehalten, wie noch zu zeigen sein wird. Ironie der Geschichte: Johannes Hoffmann hat der Kommunismus nicht sonderlich geschert: Von Anfang an gab es unter ihm kommunistische Abgeordnete im Landtag. Die deutschen Parteien hingegen wurden bekämpft, bzw. gar nicht erst zugelassen, oder wie die DPS, erst zugelassen und dann verboten.

Meine eigene, konkrete Erfahrung mit der Politik der Anbindung an Frankreich liegt im Schulalltag: Ab dem 2. Schuljahr hatten wir regelmäßig Französisch-Unterricht. Da wir eine Französisch-Lehrerin hatten, die eine begeisterte Anhängerin des Anschlusses der Saar an Frankreich war, nahm der Französisch-Unterricht einen solchen Umfang an, dass wir kaum noch in deutscher Sprache unterrichtet wurden. Meine Eltern hatten da- gegen mehrfach protestiert, allerdings ohne Erfolg. In diese Zeit, grob gerechnet vor 1949, dem Jahr, in dem ich zum Gymnasium wechselte, gehört ein anderes Detail, mit dem mir die Loslösung der Saar von Deutschland belegbar war: Der damalige Kultusminister, Emil Straus, hatte damals verkündet, er habe entdeckt, dass die Saarländer einen eigenen Rassetypus darstellten.

Johannes Hoffmann ist - trotz allem, was ihm heute zugute gehalten wird - seiner antideutschen Haltung treu geblieben. Wenige Wochen vor der Landtagswahl 1952 erklärte er am 19.10. in Radio Saarbrücken: „Die Saar wird nie wieder zu Deutschland zurückkehren.“ (5)

Dabei hätte Johannes Hoffmann bei dieser Wahl – so mein Vater in der Zeit der härtesten Auseinandersetzung im Abstimmungskampf und später im Kontext der Versöhnungsbemühungen zwischen CDU und CVP – noch eine letzte Chance gehabt, von seinem bisherigen Kurs abzuweichen und eine Politik hin zu Deutschland einzuleiten. Ich kann nicht sagen, womit mein Vater diese Behauptung belegt hat. Ich weiß nur, dass mein Vater mit dieser Meinung nicht allein stand und dass er sich in diesem Punkt mit Heinrich Schneider einig war. Für diese Auffassung spricht auch die Tatsache, dass ein beachtlicher Teil der Saarländer „weiß“ gewählt hatte.
  
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3.3. Die Erfahrung des Hungers

Diese gehört zu den schlimmsten Erinnerungen meiner Kindheit, nur noch vergleichbar mit denen an die Bombardierungen, besonders nachts, und den Beschuss durch Tiefflieger.

Abgesehen davon, dass ich immer das Gefühl hatte, mich nicht satt essen zu können und mit leerem Magen herumlaufen zu müssen, ist mir eine Szene in unserer Familie aus diesen Tagen in bleibender Erinnerung. Wir saßen um den Tisch in der Küche, Vater, meine Schwester und ich, Mutter hantierte am Herd. Sie stellte dann einen großen Topf in die Mitte des Tisches und öffnete den Deckel. Außer Wasserbrühe sah ich nur Kartoffelschalen im Topf herumschwimmen. Ich sagte: „Das sind ja nur Kartoffelschalen“, woraufhin meine Mutter in Tränen ausbrach, aus der Küche rannte und sich im Schlafzimmer auf das Bett fallen ließ und fürchterlich weinte. Sie war fix und fertig, verzweifelt darüber, mehr ihrer Familie nicht zum Essen anbieten zu können. Dabei hatte sie stets alles versucht, um etwas auf den Tisch stellen zu können.

Ich erinnere mich, dass sie einmal mit uns Kindern in den Hochwald zu Verwandten gefahren war. Aber unsere Rucksäcke und Körbchen blieben leer. Allein fuhr sie mehrfach nach Hünfeld/Rhön, wo wir evakuiert waren und das Kriegsende erlebten. Dort bettelte sie um das Nötigste. Nie umsonst. Ihre Freundin Thea Jüngst, seit Jahrzehnten in den USA lebend, hat sie nie im Stich gelassen: Jedes Mal, wenn sie nach Hünfeld aufbrach, wussten wir Kinder, wenn Mutter zurückkommt, dann wird es uns etwas besser gehen. Satt wurden wir allerdings immer noch nicht, die Vorräte mussten ja für einen längeren Zeitraum reichen. Außerdem hatte der französische Zoll – wir lebten ja in der französisch besetzten Zone – ihr bei jeder Kontrolle an der Grenze einiges weggenommen. Bis heute bin ich davon überzeugt, dass die Fahrten nach Hünfeld zu ihrer Freundin Thea uns vor dem Verhungern bewahrt haben. In diesem Zusammenhang nicht unerwähnt bleiben darf ein mehrwöchiger Aufenthalt in einer befreundeten Bauernfamilie in Böckweiler bei Homburg, während dieser Hungerszeit. Mir kamen diese Wochen wie das Leben im Paradies vor, da es an nichts mangelte. Vor allem Milch konnte ich trinken, soviel ich wollte.

Eine Szene in der Werkstatt meines Vaters - sie muss sich kurz nach der Rückkehr meines Vaters aus der Kriegsgefangenschaft abgespielt haben - ist mir auch heute noch in guter Erinnerung: Mein Vater stand an der Hobelbank, rechts vor dem Ausgang, ich werkelte etwa in der Mitte der Schreinerei. Die Tür geht auf, drei Personen betreten die Schreinerei. Ich bekomme schnell mit, dass es sich um Verwandte aus Hangard handelt, Eltern mit Tochter. Sie wollen u.a. eine komplette Küche bestellen, da die Tochter demnächst heiraten wird. Mein Vater lehnte sofort ab. Es entwickelte sich ein längeres Gespräch, in dessen Verlauf mein Vater immer wieder ablehnte. Dann fiel der entscheidende Satz: „Ihr kriegt auch ein Kälbchen“, worauf mein Vater erwiderte: „Solange in Neunkirchener Krankenhäusern Kranke auf dem Fußboden liegen müssen, nehme ich mein Holz und mache Betten daraus“. Im gleichen Augenblick machte er die Tür auf und forderte die Verwandten zum Gehen auf. Für mich brach eine Welt zusammen: Ein Kälbchen hätten wir haben können, das hätte doch bedeutet, dass es wieder etwas mehr zum Essen gegeben hätte, und jetzt war das Kälbchen weg! In späteren Jahren habe ich über diese Szene mit meinem Vater geredet, nicht nur einmal. Er hat mir sie so bestätigt, wie ich sie geschildert habe und hinzugefügt, er würde wieder so handeln.

Ich kann heute nicht mehr sagen, ab welchem Zeitpunkt sich die Versorgungslage an der Saar gebessert hat [Näheres dazu finden Sie hier.], aber zwei Begebenheiten sind mir noch in lebendiger Erinnerung: Ich kann jedem heute noch die Stelle in der Hermannstraße zeigen, an der meine Mutter, bepackt mit zwei großen Taschen mit Brot und anderen Lebensmitteln, ihrem auf sie zurennenden Sohn sagte: „Bub, ab heute kannst du dich immer satt essen“. Und: Meine Eltern haben diese Zeit des Hungerns eindeutig den damals politisch Verantwortlichen, vor allem Johannes Hoffmann, angelastet. Schließlich ist es den Saarländern nach den sogenannten Hungerwahlen 1947 deutlich besser gegangen als den Deutschen in den übrigen Besatzungszonen. Das Hungernlassen der saarländischen Bevölkerung hatte für meine Eltern eine klare politische Dimension: Die Bevölkerung dazu zu bringen, der Verfassung zuzustimmen und den Landtag zu wählen. [Präzisierung von R. Freyer: diejenigen Parteien in den Landtag zu wählen, die die Verfassung und damit den wirtschaftlichen Anschluss an Frankreich billigten.]

Aus dieser Zeit ist mir auch noch der ironische Spruch in Erinnerung haften geblieben: Die nördlichste Spitze der saarländischen Hamsterer hat die Südspitze Schwedens erreicht. Die damals geläufige Interpretation des Kürzels „MRS“ ist mir ebenfalls in guter Erinnerung. Es bedeutete [in Wirklichkeit]: Mouvement pour le rattachement de la Sarre à la France. Diese Bewegung hatte sich – wie im Namen eindeutig ausgesagt – zum Ziel gesetzt, die Saar an Frankreich anzugliedern. In ihr arbeiteten auch Saarländer mit (5a). Dass diese Bewegung von den Saarländern eindeutig mit dem Hungern in Verbindung gebracht wurde, besagt die [volkstümliche] Deutung des Kürzels: Mehr Rapp-Supp. In einer Wassersuppe gibt eine Kartoffel, auf einem Reibeblech gerieben (im Dialekt: gerappt) und dann mit Wasser gestreckt und aufgekocht, eben mehr her, als wenn sie nur in Stücke geschnitten wird!

Zum Thema MRS erlaube ich mir, meinen Vater zu zitieren: „Wenn heute Herr Hoffmann behauptet, er allein habe den MRS zerschlagen, so können wir, die es erlebt und beobachtet haben, doch nur etwas anderes festhalten. Nachdem sich die Wogen der Nachkriegserscheinungen wie Ausweisungen, Epurationen usw. geglättet hatten, ist doch der MRS sanftentschlafen. Viele waren hineingezwungen worden, andere mit Rücksicht auf ihre frühere politische Tätigkeit eingestiegen. Die wenigsten aber, glaube ich behaupten zu dürfen, waren aus innerer Überzeugung dabei. Wann und wo haben Sie davon gehört, dass CVP und SPS sich auch nur dagegen gewehrt hätten, als man von ihnen seitens des MRS verlangte, bestimmte Kandidaten auf die Wahlliste zu setzen? Heute noch sitzen z.B. in Neunkirchen, soviel wie mir bekannt ist, zwei Vertreter des inzwischen sang- und klanglos begrabenen MRS bei der CVP-Fraktion im Stadtrat.“(6)

Die Zeit des Hungerns hat ein gleichaltriger saarländischer Zeitgenosse auch nicht vergessen. In seinem Gedicht „Sechseferzisch/Siwenne- ferzisch“ (46/47) hat er ähnliche Erfahrungen, wie ich sie habe, beschrieben. (7) 
  
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3.4. Katholische Kirche und Katholische Jugend an der Saar

Von vornherein will ich klarstellen: Ich kann hier keine erschöpfenden Aussagen machen. Ich will nur schildern, was ich von dieser Proble- matik in meinem Elternhaus mitbekommen und was ich selbst auf Grund meines Engagements in der Jugend unserer Pfarrei erlebt habe.

Unbestritten ist, dass die Rolle der Katholischen Kirche an der Saar nach 1945, genauer gesagt, die Rolle der zuständigen Diözesanbischöfe, und für uns besonders die der Trierer Bischöfe, sowie die Rolle des saarländischen Klerus für die politische Entwicklung von großer Bedeutung sind.

Ich bin in einem politisch wachen, tief religiösen und der Kirche eng verbundenen Elternhaus aufgewachsen. Gespräche über die aktuellen politischen und kirchlichen Ereignisse waren gerade bei Tisch an der Tagesordnung. Ein Engagement in Kirche und Staat war selbst- verständlich. Meine Eltern standen wie in der Nazi-Zeit, so auch nach Ende des Krieges immer treu und fest zum Bischof von Trier. Dies galt insbesondere für Bischof Bornewasser, der mit seinem klaren Hirtenwort zur Abstimmung über die Verfassung und Wahlen 1947 meine Eltern in ihrer Haltung gegen Johannes Hoffmann bestärkte. (Dieser Hirtenbrief wurde dann im Abstimmungskampf 1955 von den deutschen Parteien immer wieder zitiert).

Zu diesen Wahlen und zur Abstimmung über die saarländische Verfassung von 1947 gibt es eine Stellungnahme der damaligen Dechanten an der Saar, die für Johannes Hoffmann alles andere als schmeichelhaft war. Da nach meinem Kenntnisstand und meinen Beobachtungen diese Stellungnahme der Dechanten vom 16.3.1950 in der öffentlichen Diskussion überhaupt nicht erwähnt und, für mich klar erkennbar, totgeschwiegen wird, erlaube ich mir, den mir vorliegenden Wortlaut in meine Ausführungen aufzunehmen:

„Saarbrücken, den 16. März 1950.

Die fortgesetzte Missdeutung der bisherigen Wahlen im Saarland hat bei vielen Katholiken im Saarland zu einem inneren Gewissenskonflikt geführt. Diese Gewissensnot zwingt die Dechanten des Saarlandes auf ihrer heutigen Konferenz am 16. März 1950 zu folgender Feststellung:

Unmittelbar vor der Landtagswahl am 5.Oktober 1947 haben die Dechanten als einmütige Willensbekundung des saarländischen Klerus in einem einstimmig beschlossenen Schreiben an den Parteivorsitzenden der CVP, Herrn Johannes Hoffmann, die Forderung erhoben, dass bei der bevorstehenden Wahl die Entscheidung für die christlichen Anliegen der Konfessionellen Schule, der Rechte und Freiheiten der Kirche und des kirchlichen Lebens von den politischen und wirtschaftlichen Entscheidungen abgetrennt und einer besonderen Volksbefragung unterstellt würden.

(...) Mit betontem Hinweis auf dieses Schreiben (...) sehen wir uns heute genötigt, zur Steuerung der Wahrheit und zur Gewissensberuhigung vieler Katholiken, folgendes festzustellen:

Der heutige Status des Saarlandes beruht auf dem Ergebnis der Landtagswahl am 5. Oktober 1947. Bei dieser Wahl standen die Katholiken vor der Entscheidung über christlich oder nicht christlich orientierte Politik. Mit dieser Entscheidung wurde leider verknüpft eine Entscheidung für oder gegen den wirtschaftlichen Anschluss, der eine Trennung von Deutschland und eine begrenzte Autonomie im Rahmen einer Wirtschaftsunion mit Frankreich zur Folge habe. Die Entscheidung wurde erleichtert durch die Zusicherung, dass der politische Status des Landes erst durch den Friedensvertrag endgültig geregelt werde.

Die christlichen Wähler, soweit sie nicht weiße Stimmzettel abgaben, wollten mit ihrer Stimmabgabe an erster Stelle die christlich-kulturellen Forderungen schützen und durchsetzen. Viele waren sich nicht bewusst, viele haben es schweren Herzens auf sich genommen, dass sie sich damit gleichzeitig vom bisherigen Vaterland vorübergehend lossagen mussten. Diese Wahl war nicht frei von Furcht, Zwang und Unwissenheit.

Da wir immer wieder feststellen müssen, dass bei der heutigen Diskussion um die Saarfrage der wahre Sinn der ersten Landtagswahl und auch der beiden folgenden Kommunalwahlen missdeutet wird, fühlen wir uns vor unserem Gewissen verpflichtet, den Herrn Landespartei- vorsitzenden daran zu erinnern:

Bis heute ist das Saarvolk – wie auch Leon Blum im Populaire ehrlich erkannt hat – noch nicht klar und eindeutig über seinen außen- politischen Willen befragt worden, so dass die übliche amtliche Auslegung der bisherigen drei Wahlergebnisse als politische Willens- bekundung des Saarvolkes nicht einer objektiven Interpretation entspricht.  -  Im Auftrag der Dechantenkonferenz, gez. Braun,Dechant“ (8)

Die Situation der Not und des Hungerns der saarländischen Bevölkerung in den Jahren 1945 bis 1947 wurde unmissverständlich politisch instrumentalisiert, wie der damalige Bürgermeister von Saarbrücken, Landtagspräsident und Abgeordneter der SPS, Peter Zimmer erklärt: "Können wir uns nun aus der Überlegung heraus, das Beste für die Saarländer tun zu müssen, gegen den wirtschaftlichen Anschluss wenden? (...) Um das beantworten zu können, müssen wir einmal einen kleinen Rundblick halten, wie es wäre ohne den wirtschaftlichen Anschluss. Dann wären wir als Saarland ein Teil der gesamtdeutschen Wirtschaft ohne Aussicht auf eine befriedigende Existenz und Lebensversorgung. Wie es zur Zeit steht, wissen Sie alle.“ (9) 

Die Stellungnahme der Dechanten vom März 1950 hat in den Gesprächen meiner Eltern eine große Rolle gespielt. Ihre Treue zu Trier wurde unter Bischof Wehr auf eine harte Probe gestellt. Schließlich beginnt mit ihm die Zeit der Aufforderung „Wählt christlich“ mit deutlicher Nähe zur CVP, was von vielen Geistlichen direkt mit „Wählt CVP“ von den Kanzel verlesen wurde. Das war für meine Eltern und viele Saarländer unannehmbar und führte u.a. zu den katastrophalen Folgen, wie ich sie eingangs beschrieben habe: zur Spaltung des christlichen Lagers. Um die enge Verbindung von Teilen des saarländischen Klerus und CVP bzw. Johannes Hoffmann näher zu beschreiben, braucht man sich nur im Archiv der Saarländischen Volkszeitung mit ihren Berichten über Kircheneinweihungen und Glockensegnungenumzusehen, bzw. im Archiv des Paulinus, dem Trierer Bistumsblatt.

Ich war Mitglied in der katholischen Jugend unserer Pfarrei, hatte es dort bis zum stellvertretenden Pfarrjugendführer gebracht und leitete eine Ministrantengruppe. Offizielle Bezeichnung war: „Bund der Deutschen Katholischen Jugend“; sie galt für das gesamte Bistum Trier, das Saargebiet ausgenommen. Dort war das Wort „deutsch“ verboten. Daher hieß es offiziell: Bund der Katholischen Jugend, Bezirk Saar. Die Mitgliedsmarken in unseren Jungscharausweisen wiesen diesen Aufdruck auf. Bei den St. Georgspfadfindern war es nicht anders: Offiziell im ganzen Bistum „Deutsche Pfadfinderschaft St. Georg“ mit Ausnahme der Saar: „Pfadfinderschaft St. Georg, Gau Saar“ (10). Als mein Religionslehrer am Neunkirchener Gymnasium, Josef Neyses, anfangs der 50er Jahre den „Bund Neudeutschland“ gründen wollte, wurde ihm dies mit dem Hinweis auf den Namen „Neudeutschland“ untersagt.

Auch weiß ich aus dieser Zeit um die Bemühungen, ein eigenes Saarbistum zu errichten, ganz im Sinne der Absichten von Johannes Hoffmann. Diese Bemühungen waren sehr ernst zu nehmen, schließlich hatte der Vatikan bereits einen apostolischen Visitator für den saarländischen Teil des Bistums Trier eingesetzt: Monsignore Schulien. Und der Name dessen, der gerne saarländischer Bischof geworden wäre, war auch bekannt: Prof. Görgen aus Saarbrücken.

Fazit: Auch an der kirchlichen Entwicklung an der Saar ist die Tendenz der Loslösung und Abtrennung der Saar von Deutschland klar und unmissverständlich erkennbar.
 
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4. Die Zeit der Illegalität und des Abstimmungskampfes

Über den Beginn und den Zeitraum der illegalen Tätigkeit meines Vaters, vor allem mit Blickrichtung CDU - erste Kontakte, Aufbau einer Organisationsstruktur in der Illegalität - kann ich keinerlei Angaben machen. In dieser Richtung haben wir (Mutter, Schwester und ich) nach dem Tode meines Vaters 1972 keinerlei Aufzeichnungen und Hinweise gefunden. Die Tochter des langjährigen Ministerpräsidenten Franz- Josef Röder, Frau Dr. Röder-Baldauf, hat mir Ähnliches von ihrem Vater berichtet. Ich weiß um Treffen mit Dr. Hubert Ney, auch in unserer Wohnung. Mit seinem späteren Landtagskollegen aus Homburg, Hermann Steitz, hat er in der Zeit der Illegalität intensiven Kontakt gehabt. Ein sehr wichtiger Kontaktmann in der Zeit der Illegalität war der Trierer Bundestagsabgeordnete Karl Walz, der als einziger CDU-Abgeordneter im Bundestag gegen den Saarvertrag gestimmt hatte.

Ich habe allen Grund zur Annahme, dass mein Vater spätestens mit Beginn der 50er Jahre Kontakt zu anderen Leuten hatte, die ebenso wie er aus ihrer prodeutschen Haltung keinen Hehl machten. Auf jeden Fall wurde zu diesem Zeitpunkt in unserer Familie sehr viel über die Person und Aktivitäten Heinrich Schneiders, DPS, gesprochen, nicht zuletzt bedingt durch die berufsständischen Kontakte meines Vaters zu Heinrich Schneider. Diese Annahme sehe ich von Heinrich Schneider selbst bestätigt, wenn er in seinem Buch „Das Wunder an der Saar“ schreibt: „Dass eine Reihe von Landesinnungsmeistern schon frühzeitig zur DPS stießen, habe ich schon erwähnt“ und nennt u.a. meinen Vater mit dem Zusatz in Klammern „später CDU Neunkirchen“. (11)

Die Risiken und Schwierigkeiten der illegalen Tätigkeit habe ich bereits eingangs beschrieben. Hier will ich nur auf einige, mir wichtig erscheinende Tatsachen hinweisen, in deutlichem Widerspruch und Abgrenzung zu vielem, was in den letzten Jahren an verharmlosender Darstellung in der Öffentlichkeit zu lesen war.
  
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4.1 Keine Rede- und Versammlungsfreiheit.

Es gab an der Saar zu Johannes Hoffmanns Zeiten keine Rede- und Versammlungsfreiheit. Wer daran rumdeutet und noch meint, gar Verständnis für Johannes Hoffmann aufbringen zu müssen, will die Tatsachen nicht wahrhaben. Einen besseren Beweis dafür als den Saarvertrag zwischen Deutschland und Frankreich kann es kaum geben: Er schaffte erst die Voraussetzungen, dass die deutschen Parteien gegründet werden und völlig legal arbeiten konnten. Die Tatsache, dass man diesen gerade mal drei Monate eingeräumt hatte, um eine Organisationsstruktur aufzubauen und den Abstimmungskampf um das Saarstatut zu bestreiten, lässt noch auf die Einschränkungen früherer Zeiten schließen und ist kein Zeichen für Vertrauen in demokratische Verhältnisse. Dies zeigt ungeschminkt ein Bericht der Saarbrücker Zeitung vom 24.10.2006 aus Anlass des Todes von Franz Schlehofer. In diesem Bericht wird von der Skepsis Schlehofers gegenüber dem Saarstatut gesprochen, wie er sie aus Anlass seines 90. Geburtstages formulierte. Dort heißt es u.a.: „Ferner zeigte sich, dass die nationalen Kräfte, die Neinsager, im Abstimmungskampf die Überhand gewinnen würden.“ Deshalb, so der damalige Chef der Präsidialkanzlei, habe die Saar-Regierung das Referendum noch kippen wollen: „Also haben wir versucht, in Rücksprache mit Paris, die Abstimmung auszusetzen.“ Doch zu dem Plan habe Robert Schuman gesagt: „Das geht nicht.“ (12) Das braucht nicht mehr interpretiert und kommentiert werden! Zur Person Franz Schlehofers noch soviel: Er hatte laut „Spiegel“ seine deutsche Staatsbürgerschaft abgelegt und wurde Saarländer, zudem war er „ehemaliger Angehöriger der allgemeinen freiwilligen SS“. (13)

4.2 Europäisches Saarstatut und/oder Deutschland, ein Widerspruch?

Für die Gründer der Saar-CDU bedeutete diese Fragestellung einen tiefen und doppelten Konflikt: Zum einen waren sie selbst eindeutig für die Verwirklichung der europäischen Idee, zum anderen waren sie großem Druck der Bonner CDU ausgesetzt. Davon berichtete mein Vater jedes Mal, wenn er von den Gesprächen, die im Vorfeld der Zulassung der CDU (d.h. in der Zeit der Illegalität) in der Benediktiner-Abtei St. Matthias Trier stattfanden, zurückkehrte. Bei Adenauer persönlich hatten die CDU-Saar-Vertreter keinen leichten Stand. Die Gegnerschaft der Saar- CDU Johannes Hoffmann gegenüber hat er wohl nie ganz verstanden. “Hat er denn silberne Löffelchen geklaut?“ hat er einmal die Saarvertreter gefragt und sie abblitzen lassen. Ich kann allerdings heute nicht mehr sicher sagen, bei welcher Gelegenheit Adenauer das geäußert hatte, ob bei den Vorgesprächen zur Gründung der CDU oder später, als es um die Einigung des christlichen Lagers ging. Fest steht, dass Adenauer diesen Satz gesagt hat, und dass er unter den Saarvertreten damit große Verärgerung und Enttäuschung hervorgerufen hat. Außerdem waren sich alle CDU-Saar-Gründer einig in dem Bestreben, die Chance, die eine Abstimmung über das Saarstatut bot, zu nutzen, um ihre politischen Vorstellungen von Demokratie und Rückkehr der Saar nach Deutschland als Christen umzusetzen und in einem vereinten Deutschland den Weg nach Europa zu gehen. Für etwas anderes hätten sie gar nicht erst anzutreten brauchen, und sie hätten es auch nicht getan. Deshalb kam für sie nur die Gründung der CDU in Frage. Sie waren sich dabei völlig im Klaren darüber, dass – um diese Ziele zu erreichen – der Abstimmungskampf vom Saarstatut weg und hin zur letzten Chance für eine Rückkehr in das deutsche Vaterland umgedreht werden musste. Diese Argumentation wurde zudem von den damaligen verantwortlichen Politikern Frankreichs bestens unterstützt: Wenn die Saarländer für ein „Ja“ stimmen, dann ist die Tür nach Deutschland endgültig zugeschlagen, so sinngemäß die französischen Politiker Edgar Faure und Pierre Mendès-France. Ich erlaube mir an dieser Stelle meinen Vater selbst zu Wort kommen zu lassen: „Heute, nachdem die deutschen Parteien an der Saar ihre Stimme, die wahre Stimme des Volkes erheben, stempelt man uns nur allzu gerne als Nationalisten und Ewig-Gestrige , die aus der Geschichte nichts gelernt haben. Ja man scheut sich nicht, mit Drohungen zu kommen, in die nun nach heutigen Pressemeldungen auch Frankreich mit einstimmt. (...) Frei und unbeeinflusst wollen wir den Weg gehen, den uns unser Herz und unser Gewissen vorschreibt. Wir haben keine Ressentiments gegen Frankreich, im Gegenteil, wir wollen eine ehrliche Zusammenarbeit bei gleichberechtigter Partnerschaft. Wir lassen selbstverständlich gern dem Franzosen sein Nationalgefühl und seinen Stolz, aber haben wir nicht die gleichen Rechte? Wenn für den Franzosen Vaterlandsliebe und Treue Tugenden sind, dann können es für uns keine Verbrechen sein.“ (14)

In diesem Zusammenhang erinnere ich mich noch sehr gut an den Briefwechsel mit meinem französischen Freund Pierre Bouchy aus Landres, Departement Meurthe et Moselle. Ich schrieb ihm damals, dass ich mich für die Rückkehr der Saar nach Deutschland einsetze und er das nicht als einen Affront gegen Frankreich oder gar gegen ihn persönlich und unsere langjährige Freundschaft auffassen möge. Er hatte vollstes Verständnis: „Tu dois le faire“ (du musst das tun). Diesen Satz habe ich nicht vergessen. (15)
  
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4.3 „Die Zeit war nicht reif

Dieses Urteil über die Saarländer, auch wenn es von dem von mir sehr geschätzten Peter Scholl-Latour stammt, und seine Wiederholung ist auch heute noch so falsch wie damals. Letztlich ist dies auch eine Beleidigung derer, die sich mit ihrem Nein zum Saarstatut für einen Weg nach Europa, aber in ihrem deutschen Vaterland entschieden haben. Man sollte sich auch in diesem Zusammenhang einer historischen Tatsache erinnern, die mein Vater so beschrieben hat: „Man wollte uns an ein Frankreich binden, das selbst als erster in der französischen Kammer die „Europäische Verteidigungsgemeinschaft“ (EVG) abgelehnt und damit bewiesen hat, dass es sein eigenes nationalstaatliches Leben nicht aufgeben will.“ (16)

4.4 Die angebliche ökonomische Attraktivität der Bundesrepublik Deutschland

Dieses Argument für das „Nein“ der Saarländer habe ich erstmals im Verlauf der Feierlichkeiten zum 50. Jahrestag der Saarabstimmung gehört. Ich halte das aber für unzutreffend zur Schilderung der damaligen Situation bzw. Motivation. Gerade Johannes Hoffmann und seine Anhänger  haben die saarländischen Berg- und Hüttenleute z.B. mit Faltblättern darauf aufmerksam gemacht, dass sie im Falle des „Nein“ Kindergeld und sonstige Familienzulagen und Vergünstigungen verlieren würden. Eine Argumentation, die durchaus Wirkung zeigte und den deutschen Parteien zu schaffen machte. Mein Vater hat das bei seinen Veranstaltungen zu spüren bekommen. Die Heimatbund-Parteien sind offensiv mit dem Argument umgegangen und haben ihren Landsleuten klar gesagt, dass sie mit sozialen Einschnitten im Falle eines „Nein“ rechnen müssten.
   
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4.5 Zur Situation am Vorabend der Abstimmung - Verhaftung

Auch wenn durch Umfragen zuverlässig belegt war, dass die Saarländer mit deutlicher Mehrheit das Saarstatut ablehnen würden, herrschten große Unsicherheit, Nervosität und Angst, je näher der Tag der Abstimmung heranrückte. Schließlich hatte u.a. Konrad Adenauer mit seiner Äußerung, er wisse nicht, warum die Saarländer nicht auch Ja sagen sollten, erheblich dazu beigetragen. Die ursprünglich angenommene Dreiviertelmehrheit war dahin. Die Frage war, wie viele Prozente es wirklich werden würden und ob es wenigstens noch zu einer Zweidrittelmehrheit reichen würde..

Außerdem beschäftigte die Verantwortlichen in den deutschen Parteien angesichts des zu erwartenden Ergebnisses die bange Frage: Was passiert politisch, wenn das Saarstatut abgelehnt ist? Für diesen Fall gab es in den deutsch-französischen Abkommen keine Regelungen. Würde Johannes Hoffmann zurücktreten? (Er tat es dann ja tatsächlich noch in der Wahlnacht.) Angesichts dessen, was Franz Schlehofer in späteren Jahren offenbaren sollte (s. Abschnitt 4,1), waren diese Ängste wohl begründet.

Symptomatisch für diese wachsende Unsicherheit auf beiden Seiten sind für mich zwei Beispiele:

In den letzten Tagen vor der Abstimmung erzählte man sich, dass die „Garde Mobile“ an der französisch-saarländischen Grenze stationiert worden sei. Unter Saarländern galt die „Garde Mobile“ als die Elite-Schlägertruppe der französischen Polizei.

Ich bin gern bereit, auch einzuräumen, dass es sich hier um ein gezielt gestreutes Gerücht, von wem auch immer, handeln kann. Damals aber  wurde das für bare Münze genommen und hatte entsprechende Auswirkungen.

Das zweite Beispiel: Mit eigenen Augen habe ich gesehen, dass am Vorabend der Abstimmung in meiner Heimatstadt Neunkirchen vom Unteren Markt an, über den Hüttenberg bis zum Oberen Markt auf beiden Seiten der Straße im Abstand von ca. zehn bis 15 Metern eine Doppelpostenkette der saarländischen Polizei aufgestellt war. Schließlich sollte am Abend Johannes Hoffmann nochmals in Neunkirchen sprechen. Und noch einmal wollte man sich durch Demonstranten und Provokateure nicht überrumpeln lassen.

Die Geschäftsstelle der CDU lag im unteren Bereichdes Hüttenberges. Hier hatte ich am Spätnachmittag des 22. Oktober meine Schultasche voll gestopft mit nur einem Flugblatt, etwa Postkartengröße, rötlich, mit dem Spruch „alle Esel sagen Ja“. Dieses Flugblatt verteilte ich an alle Passanten auf meinem Weg nach Hause. Es war mein letzter Wahlkampfeinsatz. Zudem hatte mir mein Vater vor dem Verlassen der Geschäftsstelle unmissverständlich zu verstehen gegeben – angesichts des Großaufgebotes von Polizei und ganz zu schweigen von Polizisten in Zivil – niemanden zu provozieren und mich selbst nicht provozieren zu lassen. Nach dem Verteilen solle ich direkt nach Hause gehen und dort bleiben und nichts mehr unternehmen. Aber es kam anders.

Ich verteilte das Flugblatt an alle, auch an die Polizisten. Dabei war für mich maßgebend ein Wort meines Vaters, „dass auch unter einer Polizeiuniform ein deutsches Herz schlagen könne“. (Mit diesem Satz hatte mein Vater die bei den Wahlkampfveranstaltungen der CDU anwesenden Polizisten in Schutz genommen – gegen die Rufe „Polizei raus“ – und dafür von den Zuhörern viel Beifall erhalten.) Ich zog kreuz und quer über den Hüttenberg, an der Marienkirche vorbei zum Oberen Markt. Manche Polizisten nahmen das Flugblatt gar nicht erst an, manche sahen und lasen es und warfen es mit grimmiger Miene weg, manche wiederum grinsten und steckten es ein. Mir hat es auf jeden Fall Spaß gemacht, bis ein Polizist mir einen Packen Flugblätter aus der Hand riss und sagte: „Sie sind verhaftet“. „Hoppla“ sagte ich und fuhr fort „darf ich denn wenigstens den Grund wissen, so schnell schießen die Preußen ja auch nicht“. Darauf der Polizist: „Leisten Sie keinen Widerstand. Kein Aufsehen. Auf dem Flugblatt fehlt die Angabe des Herausgebers bzw. des dafür Verantwortlichen. Folgen Sie mir zum Polizeipräsidium.“

Es war ziemlich genau 19.00 Uhr, Ecke Oberer Markt/ Max-Braun-Straße. Mit dem "kein Aufsehen Erregen" hätte es beinahe nicht geklappt: Eine Gruppe von drei bis vier Schülern, alle unterwegs im Auftrag der Heimatbundparteien, kam aus Richtung Buchhandlung Didié quer über den Oberen Markt auf mich zu und riefen:“ Walter, was ist los, sollen wir dir helfen?“ Der Polizist forderte mich auf, Ruhe zu bewahren. Ich rief zurück: „Alles in Ordnung, nicht nötig“ und folgte dem Polizisten. Auf dem Präsidium wurde ich in ein Zimmer geführt mit der Aufforderung, zu warten. Die Tür zum Flur blieb offen. Ich beobachtete ein eiliges Hin und Her von Polizisten, „meinen“ habe ich nie mehr gesehen. Ich wartete und wartete und wartete und beobachtete das Treiben auf dem Flur: Ob ich abhauen kann? Denn für mich interessierte sich niemand. Ich verhielt mich ruhig, wartete ab und beobachtete. Es müssen wohl ein bis zwei Stunden vergangen sein – diese Zeitspanne hatte ich rekonstruiert als ich wieder in Freiheit war – als ein mir bestens bekannter Polizist draußen vorbeieilte, dann plötzlich stehen blieb und mich ansah: „Du bischd doch dem Lorang Walter seiner“!? Es war einer der beiden Kirchner-Brüder , die in Neunkirchen bei der Polizei waren, in der gleichen Straße wohnten wie wir und von den „Lorangs Buwe“ (Buben) nicht nur wegen ihres Laufvermögens gefürchtet waren. Ich bejahte seine Frage und erläuterte ihm dann den Grund meines Hierseins. Er schaute mich prüfend und zugleich augenzwinkernd an und sagte:Mach dass de hemm kommschd!“. Was ich dann nur auf Umwegen tat. Schließlich hatte ich ja noch viele Flugblätter in meiner Schultasche, sie waren mir nicht abgenommen worden. Und kaum lag das Polizeipräsidium hinter mir in sicherer Entfernung, begann ich erneut mit dem Verteilen der Flugblätter und zog in Richtung CDU- Geschäftsstelle. Die Flugblätter wurde ich angesichts der großen Menschenmenge spielend los. Auf der Geschäftsstelle berichtete ich von meinem Abenteuer. Mein Vater war alles andere als angetan und sagte unmissverständlich „Jetzt mach, dass de hemm kommschd!“. Nun, diesen Satz hatte ich heute schon einmal gehört. Dieses Mal befolgte ich ihn.
   
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5. Die Einigung des christlichen Lagers, ein beschwerlicher Weg

Eine umfassende Betrachtung und Beschreibung dieser Entwicklung kann und will ich hier nicht anstellen. Ich will nur festhalten, was ich in meinem Elternhaus mit dem dazugehörigen Freundes- und Bekanntenkreis gesehen und erlebt habe und dabei meinem Vater und Werner Scherer wenigstens ein kleines Denkmal für ihren Weg zu Versöhnung setzen.

Es war ja nicht so, dass die politischen Meinungsverschiedenheiten im Freundeskreis meiner Eltern erst mit den Diskussionen über das Europastatut und die Europäisierung der Saar begonnen hätten. Wer in diesem Kreis CVP-Anhänger war bzw. auf Seiten der Regierung von Johannes Hoffmann und ihrer Politik stand, war bekannt ebenso wie die Widersacher und ihre Ziele, die sie in der damals verbotenen DPS von Heinrich Schneider und Richard Becker und einer irgendwann einmal zu gründenden CDU vertreten sahen. Es wurde heftig gestritten, aber dies war nicht die Regel, sondern deutlich die Ausnahme. Bei den vielen Geburtstagen, die es in diesem Freundeskreis zu feiern gab und anderen festlichen Gelegenheiten wurden diese Meinungsverschiedenheiten ausgeklammert.

Ich will dies an einem Beispiel erläutern: 50. Geburtstag meines Vaters am 7. Oktober 1955, also in der Endphase des Abstimmungskamp-fes. Die Stimmung im ganzen Land war angespannt, auch im Freundeskreis meiner Eltern. Jeder stellte sich die Frage, wie mag das an diesem Abend ausgehen? Alle wussten, dass mein Vater an diesem Spätnachmittag und frühen Abend zu Wahlkampfveranstaltungen zusammen mit dem CDU-Landesvorsitzenden Dr. Ney unterwegs war. Wir begannen also ohne meinen Vater zu feiern. Die Stimmung war hervorragend. Als dann endlich mein Vater dazukam, brach ein Riesenhallo mit den üblichen Glückwünschen aus. Es wurde durchgefeiert bis in die frühen Morgenstunden des nächsten Tages und: von Politik kein einziges Wort!

Ein Beispiel für ein ernsthaftes Ringen miteinander auf Grund - wie sich schließlich herausstellen sollte - unüberbrückbarer Gegensätze ist mir in Erinnerung geblieben. Zum Bekanntenkreis meiner Eltern gehörte ein Ehepaar, das sich der Pax-Christi Bewegung unter Pater Manfred Hörhammer besonders verbunden fühlte. Diese wollte die Aussöhnung mit Frankreich vorantreiben und sah in einem Ja zum Saarstatut eine günstige Gelegenheit dazu. Diese Position war für meine Eltern absolut nicht nachvollziehbar. Die Ablehnung des Statuts war für sie die einzige Möglichkeit, erstmals in einer freien und geheimen Abstimmung, ihrem Willen zur Zugehörigkeit und Rückkehr zum deutschen Vaterland Ausdruck zu verleihen. Dabei wollten sie ihr Votum nicht gegen die Versöhnung mit Frankreich und gegen den Europagedanken verstanden wissen. Sie strebten beide Ziele innerhalb eines geeinten Deutschlands an. Das Gespräch im „Stübchen“ unserer Wohnung dauerte lange. In der Sache konnten die beiden Paare sich nicht einigen, aber ein Ergebnis erreichten sie dennoch: „Wir bleiben doch Freunde“ war der Satz, mit dem sie sich auf dem Treppenpodest unseres Hauses verabschiedeten.

Und sie blieben es!

Das Verhältnis zwischen meinem Vater und seinem Nachfolger im Kreisvorsitz, Werner Scherer, war von tiefer Freundschaft geprägt. Das gilt besonders für die letzten Jahre seiner Tätigkeit als Landtagsabgeordneter und Kreisvorsitzender der CDU und für die kurze Zeit, die ihm im Ruhestand vergönnt war. Aber das war nicht selbstverständlich und nicht immer so. Davor lag ein langer und beschwerlicher Weg zur Aussöhnung zwischen den beiden.

Trotz einer Vereinbarung zwischen CDU und CVP vom 20.3.1956, in der es u.a. heißt: "... in dem Wunsche nach der baldigen Vereinigung mit der Bundesrepublik, vor allem aber in dem Bewusstsein der gemeinsamen christlichen Verpflichtung und in dem Bestreben, die Trennung der christlich-demokratischen Kräfte an der Saar zu beenden...“ (17) und trotz des Beschlusses, die CVP aufzulösen (18), herrschte faktisch in der CDU die Angst vor, von der CVP unterwandert oder gar übernommen zu werden. Diese Angst war in der Führungsebene bis in die Ortsverbände hinein spürbar. Hinzu kommt ein weiteres Problem für die CDU: Die Ministerialbürokratie des Landes war eindeutig CVP- orientiert. Entsprechend schwierig gestalteten sich die ersten Gesprächskontakte (19).

Mein Vater war auf Werner Scherer in dem beginnenden Annäherungsprozess überhaupt nicht gut zu sprechen. Dessen Kommentare und Artikel in der „Saarländischen Volkszeitung“, dem Organ der CVP, waren in der CDU gefürchtet und provozierten entsprechende Reaktionen auf Seiten der CDU. Die Antworten der CVP durch Werner Scherer waren um keinen Deut rücksichtsvoller. Mein Vater fand die Äußerungen Scherers schlichtweg als Hetze.

Aber irgendwie mussten sie ja zusammenkommen. Doch der erste Versuch scheiterte auf der ganzen Linie: Nach der offiziellen Einigung standen in der CDU des Kreises  Ottweiler Neuwahlen zum Vorstand an. Werner Scherer stellte sich als Gegenkandidat zu meinem Vater zur Wahl. Er versuchte, die Mehrheit der Delegierten in den Ortsverbänden auf seine Seite zu bringen. Meinem Vater blieb dies alles nicht verborgen. Er unternahm alles in seiner Macht Stehende, Scherers Pläne zum Scheitern zu bringen. Mit Erfolg. Die Wahl fiel deutlich zu seinen Gunsten aus. Nur stellte sich beiden Kontrahenten die Frage: Cui bono? Wem ist mit diesem Wahlausgang gedient? Und die beiden stellten sich dieser Frage!

In der folgenden Zeit kam es zu intensiven Gesprächenzwischen den beiden. Viele dieser Gespräche haben in unserer Wohnung, im sogenannten „Stübchen“, stattgefunden. Ich weiß, dass es andernorts zu weiteren Vier-Augengesprächen kam. Ob es im Hause Scherer ebenfalls solche Treffen gegeben hat, kann ich nicht sagen. In den Gesprächen schenkten die beiden sich anfangs offensichtlich nichts. Sie redeten Tacheles. Man sah es an den hochroten Köpfen, wenn sie auseinander gingen. Die Verletzungen und Wunden auf beiden Seiten waren tief. Was alles im einzelnen gesagt wurde, hat Vater im Kreis der Familie – im Gegensatz zu seinen sonstigen Gepflogenheiten – nicht berichtet. Ich habe allen Grund zur Annahme, dass unsere Mutter im Wesentlichen informiert war. Zu sehr hatte sie unter den Attacken Scherers gelitten. Doch irgendwann gelang der Durchbruch. Aus dieser Zeit ist mir der Satz meines Vaters in Erinnerung geblieben: „Jetzt haben wir es geschafft.“ Ein Datum kann ich dafür nicht benennen.

Zu einem späteren Zeitpunkt, nach entsprechenden Vorbereitungen und im beiderseitigen Einvernehmen, übernahm dann Werner Scherer den Kreisvorsitz von meinem Vater. Mein Vater hatte immer gesagt - und das auch öffentlich - er werde mit 65 Jahren „den Hobel aus der Hand legen“ und sich in den Ruhestand zurückziehen. In der Zeit zuvor hat er dafür gesorgt, dass er die Ämter, die er im Handwerk und in der Politik innehatte, ordentlich übergeben konnte. Jetzt sollten die Jüngeren ran, das war sein Hauptmotiv.

Den Kontakt zu seinen Nachfolgern hat er in der kurzen Zeit des Ruhestandes, die ihm beschieden war, nie abreißen lassen, besonders den Kontakt zu Werner Scherer nicht. Schließlich waren beide mittlerweile mit weiteren Freunden in einem Kegelklub aktiv. Regelmäßig fuhr er zu den Kegelabenden, auch wenn er dazu mittlerweile von der Eifel aus - wo ich als Militärpfarrer tätig war und wohin meine Eltern gezogen waren - nach Neunkirchen fahren musste. Das waren ihm seine Freunde und besonders Werner Scherer wert!

Anmerkungen

1) Redemanuskript 1 meines Vaters, undatiert, vermutlich Begrüßungsrede bei Ortsveranstaltungen mit Dr. Ney u.a.; im Besitz des Verfassers.

2) Anonymer Brief, im Besitz des Verfassers.

3) Redemanuskript 2, undatiert, für den Wahlkampf zum neuen Landtag am 18.12.55, Seite 2; im Besitz des Verfassers. Vgl. dazu die Stellungnahme der Dechantenkonferenz vom 16.3.1950, S. 8f.

4) Der Spiegel, Nr. 48 vom 26.11.52, S. 12.

5) Der Spiegel a.a.O., S.12.

5a) Ja sogar Heimatvertriebene, die sich im „Saargebiet“ niederlassen durften und dafür in das MRS „hineinkomplimentiert“ wurden. Dies verdient insofern besondere Beachtung, als die CVP im Wahlkampf später stolz verkündete, man habe keine Flüchtlinge aufgenommen.

Diesen Hinweis verdanke ich meinem Cousin Gerhard Lorang ebenso wie die Information, dass ein uns beiden bekannter Studienrat des Realgymnasiums Neunkirchen Mitglied des MRS war. (Telefonat am 28.3.2010).

6) Redemanuskript 2, S. 2f.

7) Gerd Meiser: Sechseferzisch/Siwenneferzisch, in: Neunkircher Mund-Art, Neunkircher Hefte Nr. 7 o.J., herausgegeben vom Neunkircher Verkehrsverein e.V.

Meiner Schwester, Martina Tholey, verdanke ich in diesem Zusammenhang folgenden Hinweis: Sie kann sich noch sehr gut daran erinnern, dass ich in dieser Zeit nachmittags an der Haustüre „Sturm geläutet“ und vom Hof aus gerufen hätte: „Mama, wann ist es drei Uhr?“ Unsere Mutter habe uns dann eine Kleinigkeit noch zugesteckt, damit wir den Hunger besser aushalten konnten.

8) Dr. Franz Schönberger: Das Saarland in Geschichte und Gegenwart. Saar-Sonderheft. Handreichungen für einen gegenwartbezogenen Unterricht. Neue Folge: 3. Jahrgang Nr. 11/12 vom 1. und 15. August 1953. Verlag Moritz Diesterweg Frankfurt a.M. S.46f.

9) Dr. Franz Schönberger a.a.O. S. 44.

10) Mein Cousin Gerhard Lorang berichtete mir: „Es gab innerhalb der Pfadfinderschaft auch leitende Leute, die den Anschluss an die französische Pfadfinderbewegung suchten; es gab Versuche, mit dem Bischof von Metz in Kontakt zu kommen. Er lehnte jedoch ein solches Ansinnen ab.“ (Schriftliche Anmerkung zu meinem Manuskript und Telefonat am 28.3.2010).

11) Heinrich Schneider, Das Wunder an der Saar, Seewald Verlag, Stuttgart 1974, S. 382.

12) Saarbrücker Zeitung vom 24.10.2006, Nr.247, Seite B 2, Landespolitik/Region.

13) Der Spiegel, a.a.O. S. 11.

14) Redemanuskript 1.

15) Dazu eine Ergänzung meines Cousins Gerhard Lorang:

„Als 16-Jähriger habe ich mit zwei Freunden während einer Lothringen- und Elsassradtour in der Scheune eines lothringischen Bauern übernachten dürfen (in Rohrbach-lès-Bitche). Dieser Bauer hat sich abends mit uns in der guten Stube unterhalten. Zur Saarpolitik der französischen Regierung merkte er sehr offen an: „Was die Franzosen da mit euch machen, ist nicht rechtens.“

(Schriftliche Anmerkung zu meinem Manuskript).

16) Redemanuskript 2, S. 3.

17) Niederschrift über die Besprechung zwischen Mitgliedern der CDU-Saar und der CVP am 20. März 1956 in Unkel/Rhein und am 21. März 1956 in Morbach (Abschrift vom 21.3.56), im Besitz des Verfassers.

18) a.a.O. IV, 1.

19) s. „NN-Sonderdruck, Wahlzeitung der CDU-Saar“, ohne Datum, höchstwahrscheinlich zu den Kommunalwahlen am 13. Mai 1956 herausgegeben, mit Dokumentation der Niederschrift und des Briefwechsels zwischen CDU und CVP nach der Besprechung vom 20.3.1956, im Besitz des Verfassers.

Der Zeitungsausschnitt oben ist aus der "Neunkircher Zeitung" vom 12. Oktober 1970.


Seite begonnen am 22.02.2011, zuletzt bearbeitet am 13.8.2015

 

 

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