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Inhalt Kapitel Ernährung:   1) Lebensmittelversorgung (Übersicht)   2) L. Gottlieb   3) EDEKA   4) ASKO (s.u.)   5) Coca-Cola

 


 

4)  ASKO Konsumgenossenschaft

 

 Text: Karl Presser. Textbearbeitung und Gestaltung der Seite: Rainer Freyer

 


 

Bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts waren auf dem Gebiet des späteren Saarlandes lokale Konsumvereine entstanden. So zum Beispiel 1868 in Von der Heydt, 1880 in Saarbrücken und 1890 in St.Ingbert. 1921 wurde der Saarbrücker Eisenbahn-Consum-Verein umbenannt in „Allgemeine Saarkonsum GmbH“ kurz „ASKO“. Nach 1933 wurden alle Konsumvereine und Konsumgenossenschaften einschließlich ihrer Zentralorganisationen der „Deutschen Arbeitsfront“ (DAF) unterstellt. 1941 wurden ihre Vermögen eingezogen und alle Organisationen aufgelöst. Der wesentliche Unterschied für die Mitglieder von Vereinen und Genossenschaften bestand darin, dass sie als Genossenschaftler nicht nur mitentscheiden konnten, sondern auch mithafteten, während Vereinsmitglieder keine Mithaftung übernahmen. Die Haftung der Mitglieder einer Genossenschaft ist üblicherweise per Satzung auf ihr jeweiliges Geschäftsguthaben begrenzt. Da mit wirksamer Gründung einer Genossenschaft deren Satzung vorgelegt und ein Eintrag ins Genossenschaftsregister erfolgen muss, lautet die korrekte Bezeichnung eines solchen Unternehmens "eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftung", abgekürzt e.G.m.b.H. Die Genossen werden ebenfalls per Registereintrag erfasst, wie die nachstehend abgebildeten Dokumente zeigen.

 

Nach Kriegsende konnte man die genossenschaftliche Idee wieder aufgreifen und begann mit Neugründungen. Zwei der neuen Unternehmen übernahmen den altbekannten Namen ASKO: die Konsumgenossenschaften Saarbrücken und Neunkirchen-Heinitz. Sie blieben zunächst voneinander unabhängig. Der folgende Beitrag bezieht sich auf die weitaus größere ASKO Saarbrücken. Sie war im ganzen westlichen Saarland aktiv. Ihre Neugründung erfolgte am 8. August 1946. Bereits ab 1. Mai 1945 waren jedoch 37 ehemalige Läden unter Zwangsverwaltung von ehemaligen und neuen Mitarbeitern bewirtschaftet worden.

 

Das vorhandene Restvermögen war juristisch noch Eigentum deruntergegangenen nationalsozialistischen DAF (Deutsche Arbeitsfront). Bereits 1945 gelang es, mit einer Bäckerei und einer Teigwarenfabrik die Produktion aufzunehmen. Nach 1946 wurden weitere ehemalige kleinere Konsumgenossenschaften aufgenommen. 1947 zählte man bereits 120 Verkaufsstellen, die Mitgliederzahl war auf 17.700 angestiegen.

 

 

Das Bild entstand etwa 1955 im ASKO Herchenbacher Straße, Walpershofen. (Riegelsberger Ortschronik, 1993. Selbstverlag Gemeinde Riegelsberg. S.119)

 

 

 Ziele der Genossenschaft waren:

 

       1) Die gemeinschaftliche Beschaffung von Verbrauchsgütern im Großen und Abgabe im Kleinen gegen Barzahlung.

 

       2) Die Errichtung und der Betrieb von Produktionsstätten zur Herstellung von Artikeln für den täglichen Bedarf der Bevölkerung.

 

       3) Die Durchführung sonstiger Maßnahmen, die im Interesse der Genossenschaft und ihrer Mitglieder lagen.

 

 

Diese Ziele deckten sich mit elementaren Bedürfnissen der Bevölkerung und entsprachen dem Geist der Zeit: Die Förderung desGenossenschaftswesens war ausdrücklich in die saarländische Verfassung von 1947 (Artikel 54) aufgenommen worden.

 

Als 1952 die Zwangsverwaltung der Genossenschaften im Saarland aufgehoben wurde, ging vorhandenes Vermögen an diese über. Die genossenschaftliche Denkweise war in den Köpfen des Vorstands des Saarbrücker ASKO so tief verwurzelt, dass man basisdemokratischen Forderungen gerne nachgab. Dazu gehörte ein möglichst enges Verkaufsstellennetz, unabhängig von wirtschaftlichen Erwägungen. Alleine im Stadtgebiet von Völklingen zählte man z.B. 1955 nicht weniger als elf Läden. Die Verkaufsstellen sollten sich jedoch grundsätzlich selbst tragen. Diese Struktur war logistisch aufwändig, musste doch zu ihrer Versorgung ein umfangreicher Fuhrpark vorgehalten werden (siehe Foto weiter unten). Die Tatsache, dass die Verkaufsstellen schon mit einer Kühlanlage ausgestattet waren, war ASKO manchmal sogar die Erwähnung in einer Zeitungsannonce wert (wie der Anzeigentext in der Abbildung unten zeigt).

 

Das genossenschaftliche Grundprinzip “ein Genossenschaftler, eine Stimme“ erschwerte bei mehr als 17 000 Mitgliedern schnelle Entscheidungen. Daher stellte man auf der Generalversammlung 1950 auf ein Delegiertensystem um. Pro Verkaufsstelle konnte nun ein Delegierter für drei Jahre gewählt werden. Damit war der ASKO-Funktionär geboren, und die Organe der Genossenschaft waren fortan Aufsichtsrat, Vorstand und Vertreterversammlung.

 

   

 

Typisch für ASKO war gemäß dem oben unter 2) genannten Ziel ein hoher Anteil von Eigenmarken. Dieser betrug etwa 30%, während sich die Wettbewerber EDEKA und Gottlieb bei 10% bewegten. Die Verbraucher wurden allerdings nicht in allen Fällen mit den Eigenmarken glücklich und kauften die gewünschten Markenprodukte bei den Wettbewerbern.

 

Die Anzahl der Artikel im gesamten Sortiment stieg in den 50er Jahren von etwa 600 auf 1000. Ende 1955 waren fast 57 000 Mitglieder bei ASKO eingeschrieben. In über 150 Verkaufsstellen und in der Saarbrücker Zentrale waren für sie mehr als 1700 Mitarbeiter tätig. Der Umsatz von 1955 betrug 7.450 Millionen Francs (ca. 63 Mio. D-Mark zum TAG X-Kurs [100 Frs = 0,85 DM]).

 

ASKO schätzte den Anteil der beiden Genossenschaften in Saarbrücken und Neunkirchen am Gesamtumsatz des saarländischen Lebensmitteleinzelhandels auf mehr als 20% ein. Dies war, im Vergleich zu bundesrepublikanischen Konsumgenos- senschaften, wahrlich ein Traumwert.

 

Das Foto zeigt einen Citroën-LKW mit OE3-Kennzeichen (dieses ist auf einer anderen Aufnahme desselben Fahrzeugs zu sehen. Foto: Armin Flackus, Ottw.)

 

 

Attraktiv war für die Kunden die jährliche Rückvergütung bei ASKO. Abhängig vom Geschäftsergebnis wurde dem Mitglied ein prozentualer Anteil seines Einkaufsvolumens erstattet. So wurden im Jahr 1952 z.B. 7% der Einkaufssumme zurückgezahlt. Dieses Geld wurde als “die geheime Sparkasse“ der Hausfrau bezeichnet, die fleißig bei ASKO kaufte. Mit dieser Formulierung wurde sogar geworben. Die Rückvergütung war nicht abhängig von der Höhe des jeweiligen Genossenschaftsanteils. Diesen konnte man mit einem wahlweise nicht ausgezahlten Teil der Rückvergütung sogar erhöhen. Die Anzahl der von jedem einzelnen Mitglied maximalerwerbbaren Anteile war jedoch begrenzt auf zehn. Der Wert eines Anteils betrug 6.000 Francs. Diesen Betrag musste jedes Mitglied mindestens aufbringen.

 

Ein enormer Kostenvorteil für ASKO war die Tatsache, dass diese Genossenschaft wie ein Großhändler direkt von Herstellern beliefert wurde und auch selbst als Erzeuger aktiv war. Im Adressbuch der Stadt Saarbrücken firmierte man unter der Rubrik “Großhandel“ als Konsumgenossenschaft mit der Adresse Cartesiusstr. 5-7.

 

Die Eröffnung der ersten Selbstbedienungsläden durch Gottlieb und EDEKA erforderte Reaktionen und Investitionen bei ASKO. Nicht nur finanzielle, sondern auch ideologische Barrieren hinderten den Vorstand vorläufig daran, Verkaufsstellen auf Selbstbedienung umzubauen. Um den befürchteten ansteigenden Ladendiebstählen aus dem Weg zu gehen, erfand man als Ausweg den “Tempoladen“. Der Kunde orderte seinen Bedarf wie bisher an der Theke, und ein Verkäufer legte die Ware in einen Korb. Bezahlt wurde an einer zentralen Kasse. Das brachte zwar den Kunden einen kleinen Zeitvorteil, konnte aber zweifellos nur eine Notlösung auf dem Weg zur Selbstbedienung sein.

 

 

Auch das Bild oben wurde Mitte der 50er-Jahre im ASKO Herchenbacher Straße in Walpershofen aufgenommen.

(Aus: Riegelsberger Ortschronik, Fortschreibung 1993, siehe bei dem Foto weiter oben) 

 

 

Zwischenzeitlich war der übrige Einzelhandel erfolgreich politisch aktiv geworden. Die Rückvergütungen bei ASKO waren ihm ein Dorn im Auge. Am 13. Juli 1955 wurde ein saarländisches Rabattgesetz verabschiedet. Demnach sollte ab Januar 1956 derjenige Betrag der Rückvergütung, der 4% des Warenwertes überstieg, mit der vollen Ertragssteuer (Steuer auf den Gewinn) belastet werden. Im Gegenzug wurde das für Konsumgenossenschaften geltende Verkaufsverbot an Nichtmitglieder aufgehoben. Verstöße hiergegen waren allerdings auch bisher schon praktisch kaum verfolgt worden.

 

Rechts: Eintrag in die Liste der ASKO-Genossen

 

Als Konsequenz war bei ASKO spätestens jetzt ein Umdenken unvermeidlich. Es wurde sofort auf mehr Werbung und auf attraktivere Preise gesetzt. Selbstbedienung wurde nicht länger verteufelt. Da die Mitglieder nach wie vor als Miteigentümer im Falle einer Pleite haftbar gemacht werden konnten, ging aufgrund des gesunkenen Anreizes durch die Rückvergütung die Zahl der Neumitglieder erheblich zurück. Dies wirkte sich natürlich ungünstig auf das Eigenkapital aus, das für notwendige Modernisierungen gebraucht wurde.

 

 

Ab 1960 begann man flächendeckend mit der Einrichtung von neuen Selbstbedienungsläden und schloss im Gegenzug kleine Verkaufsstellen. Betriebswirtschaftliches Denken hatte sich unumkehrbar durchgesetzt. Außerdem sollte 12 Monate nach dem Tag X Niederlassungsfreiheit für bundesdeutsche Filialunternehmen herrschen, wodurch der Wettbewerb, so fürchtete man zu Recht, weiter verschärft würde.

 

Mitte der 60er Jahre hatten die verbliebenen Traditionalisten im Aufsichtsrat endgültig verloren. Es galten nunmehr bei ASKO in jeder Hinsicht die gleichen betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkte wie bei den Wettbewerbern. Als Konsequenz wandelte man ASKO 1972 in eine Aktiengesellschaft um.

 

Der damit mögliche Zugang zu den Kapitalmärkten führte zu einem Expansionsschub über die Grenzen des Saarlandes hinaus, zuerst in Richtung Rheinland-Pfalz. 1982 verließ ASKO nach zehn Jahren den co op-Verbund und diversifizierte und expandierte zu einem verschachtelten Konzern. Eine zentrale Rolle spielte die “ASKO Deutsche Kaufhaus AG“. Zum Konglomerat gehörten u.a. die “Basar“-Warenhäuser, die “Praktiker“-Baumärkte und die Massa-Gruppe. Aus dem Segment Lebensmittel-Supermärkte hatte man sich bereits Ende der 70er Jahre zurückgezogen.

 

1996 ging der Firmenverbund mit seinen mehr als 350 Niederlassungen durch Verschmelzung auf die Metro AG über. 

 

Bild DM-Preise: Gerd Schulthess, St. Ingbert. Die beiden ASKO-Dokumente wurden von Ernst Gilcher, Sbr., zur Verfügung gestellt, die Anzeige unten links (aus der Volksstimme, Mai 1952) von Armin Flackus.

 

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Literatur:

 

Reichel, Clemens. Vom Eisenbahner Konsumverein zur AG. Die Entwicklung des Allgemeinen Saar-Konsums (ASKO) nach dem zweiten Weltkrieg bis 1971. Reihe Denkart Europa Nr.3. Schriftenreihe der ASKO-EUROPA-STIFTUNG, 2003

 

Der SPIEGEL, Nr.7 / 1988: „Ganz ausgebufft“.

 

 

         

 


Diese Seite wurde begonnen am 19.02.2013 und zuletzt bearbeitet am 28.4.2017.

  

 

 

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